Finanz-Aufsicht hält Finanz-System für nicht unverwundbar

Ende Juni 2017 machte die mächtige Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), in London mit einer bemerkenswerten Aussage auf sich aufmerksam:

Sie sagte im Rahmen einer Diskussionsrunde, dass sie persönlich davon ausgehene, dass es mit Blick auf die kommenden Jahre zu keiner weiteren großen Finanzkrise kommen werde.

Sie ging damals sogar noch weiter und äußerte die Hoffnung, dass eine weitere Krise nicht mehr „zu unseren Lebzeiten“ eintreten werde.

Finanz-System nicht unverwundbar

Indes meint auch der Präsident der deutschen Finanz-Aufsicht BaFin, Felix Hufeld, dass das Finanz-System aktuell zwar stabiler sei als vor 2007.

Dennoch gibt er klar zu bedenken, dass das System als solches nicht unverwundbar sei.

Hufeld sagte Mitte 2017 in einem Interview, dass man nicht wisse, aus welcher Ecke die nächste Krise kommen werde.

Er führte dabei verschiedene potentielle Gefahrenherde auf:

Neue Gefahrenherde im Fokus

Zu den möglichen neuen Gefahrenquellen zählt Hufeld das sogenannte Crowdlending, sprich: das Verleihen von privat zu privat über das Internet.

Hier bilden sich Hufeld zufolge Modelle heraus, in denen die Kredite auch gebündelt, verbrieft und danach verkauft würden.

Das könne v. a. dann problematisch werden, wenn die Volumina stiegen und auch schwache Schuldner bedient würden.

Ähnliche Wertpapiere, sprich: Hypotheken-Verbriefungen, hätten ja schließlich auch im Jahr 2007 die Finanzkrise mitausgelöst.

Indexfonds im Visier der Aufsicht

Höchst interessant ist auch, dass die deutsche Aufsicht ebenfalls das stark wachsende Segment der börsennotierten Indexfonds unter die Lupe nimmt.

Hier sehen die Aufseher die Gefahr, dass es im Extremfall so weit kommen könne, dass die Preisbildung an den Börsen nur noch maßgeblich von den Indexfonds ausgeht.

Große Schäden können laut Hufeld aber auch von Cyber-Angriffen auf Finanz-Institute ausgehen.

Spätestens Ende 2017 soll es deshalb für Banken klare aufsichtliche Vorgaben für das Risiko-Management von IT- und Cyber-Risiken geben.

Gerade der Zahlungs-Verkehr sei dabei der Aufsicht zufolge besonders gefährdet; er könnte nichts weniger als lahmgelegt werden.

Fazit

Die deutsche Finanz-Aufsicht ist wesentlich realistischer als die mächtige Chefin der US-Notenbank. Bei Frau Yellen regiert wohl eher Zweckoptimismus.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass es weit mehr Gefahrenherde für das Finanz-System als die o. g. gibt und das Finanz-System alles andere als stabil ist.

6. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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