Finanzsystem versus Naturgesetze: Die Mär vom ewigen Wachstum

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Unser heutiges Wirtschaftssystem beruht auf einem immer größeren, scheinbar nicht mehr enden wollenden Wachstum. Doch das ist nicht natürlich. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Unser heutiges Wirtschaftssystem beruht auf einem immer größeren, scheinbar nicht mehr enden wollenden Wachstum. In der Natur gibt es jedoch Wachstum nur eine bestimmte Zeit lang, und zwar bis der natürliche Wachstumsprozess abgeschlossen ist.

Ausnahmslos alle Formen von unbegrenztem, vor allem exponentiellem Wachstum enden in der Selbstzerstörung.

So wächst ein Tumor immer schneller, bis er mit dem befallenen Körper zusammen selbst zugrunde geht.

Unser Finanzsystem läuft Naturgesetzen zuwider

Gerade der Aktienmarkt zeigt jedoch heute ein solches immer schnelleres, tumorartiges Wachstum, das überhaupt nicht mehr im Gleichgewicht mit der realen Wirtschaft steht.

Immer wieder wird heute behauptet, dass Aktien angeblich langfristig auf jeden Fall ein Gewinn seien, und dass die Aktienbörsen im Schnitt der letzten 100 Jahre jährlich um 8 Prozent gestiegen seien.

Doch hier wird nicht beachtet, dass dieser Kurszuwachs nicht gleichmäßig über die letzten Jahrzehnte erfolgte, sondern sich zum Großteil erst seit den 1980er Jahren in Form einer gigantischen Spekulationsblase vollzieht.

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Grafik
ise kurz vor der Weltwirtschaftskrise 1930 in Aktien investierte, musste im Schni30 J

ahre warten, um wieder die alten Kursstände zu erleben.

Falsche Angaben zu Aktiengewinnen

Sie sehen: Durchschnittswerte über 100 Jahre ergeben hier ein völlig falsches Bild und sind schlicht irreführend.

Genau das belegt eine neue ausführliche Analyse von mir, welche die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den USA mit der des S&P 500-Aktienindexes vergleicht.

Die obige Grafik stellt die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA der des S&P 500- Aktienindexes gegenüber.

Dabei zeigt sich, dass das BIP, also die reale Wirtschaft, bis in die 1980er Jahre hinein deutlich stärker gestiegen ist, als der Zuwachs der Kurse an den Aktienmärkten.

 

Von 1945 bis 1980 war der BIP-Zuwachs in den USA demnach 1,7 mal größer als das Wachstum an der Aktienbörse, die hier vom S&P 500-Index repräsentiert wird.

Erst in den 1980er Jahren drehte sich diese Entwicklung um.

Weltwirtschaft kann nicht immer nur wachsen

Von 1980 bis 2015 sind die Aktienbörsen fast dreimal schneller gestiegen, als die reale Wirtschaft. Das heißt, dass die Aktienbörsen seit 30 Jahren völlig aus dem Ruder laufen, weil dieser Zuwachs nicht mehr fundamental gerechtfertigt werden kann.

Doch dieses Kurswachstum von heute ist nicht stabil, denn es widerspricht Naturgesetzen.

Ich vergleiche die Entwicklung immer mit einem Baum, bei dem die Wurzeln die reale Wirtschaft sind, auf welche der Baum, also die Aktienbörsen aufbauen.

Der Baum kann nur dann langfristig stabil wachsen, wenn auch die Wurzeln, die ihn im Boden halten, mindestens genauso zunehmen. Anderenfalls wird er früher oder später umstürzen.

Aktienblase: Die Aktienbörsen wachsen erst seit 30 Jahren schneller als das BIP

Bis in die 1980er Jahre hinein waren die Aktienbörsen stabil, weil sie sich auf ein hohes Wachstum der realen Wirtschaft stützen konnten.

Doch seither haben die Aktienkurse ein exponentielles, also immer schnelleres Wachstum erfahren, welches nicht mehr durch eine entsprechende Zunahme der realen Wirtschaft begründet ist.

Der „Baum“ wächst also seither mit der dreifachen Geschwindigkeit als die Wurzeln, die ihm Halt geben sollen.

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Auch ein Baum kann möglicherweise eine ganze Zeit lang schneller wachsen als seine Wurzeln.

Aber zwangsläufig kommt der Tag der Wahrheit und ein kleiner Windstoß wird den Baum umstürzen.

Börsenwachstum ist wissenschaftlich nicht genau begründbar

Genau so können auch die Aktienbörsen viele Jahre nach oben schießen, ohne dass dies fundamental zu begründen ist.

Doch ein relativ unbedeutendes Ereignis kann dann die Aktienbörsen in einem gewaltigen Knall crashen lassen.

Die Crashs der Jahre 2000 und 2008 waren nur Vorboten davon, dass diese Aktienblase völlig zusammenbrechen wird, denn jedes Ungleichgewicht endet in der Natur im Crash bis hin zur Selbstzerstörung.

Die Entwicklung in Europa oder anderen Teilen der Welt ist ähnlich der in den USA und zum Teil sogar noch extremer.

Der Zuwachs beim DAX ist beispielsweise seit den 1980er Jahren deutlich stärker als der des S&P 500. Damit ist das Rückschlagspotenzial bei uns weitaus größer als in den USA.

Unser Finanzsystem befindet sich somit nicht in einem nie mehr endenden Boom, sondern in der Endphase vor dem endgültigen Kollaps.

Deshalb kann man Investoren auch nur dazu raten, Ihren Aktienanteil mit maximal 25 Prozent eng begrenzt zu halten und nur in substanzstarke Krisen-Gewinner-Unternehmen (KGU) zu investieren.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.