Finanztransaktionssteuer in Deutschland: Das sind mögliche Veränderungen

Die Finanzmärkte sind in aller Munde. Aber nicht nur, weil viele Indizes auf neuen Höchstkursen stehen, sondern weil man sich allerorts Gedanken macht, wie das Treiben an den Märkten besser in den Griff zu bekommen ist.

Besonders in Deutschland wird das Thema heiß diskutiert. Die aktuelle Regierung von CDU/CSU und FDP ist zurzeit dagegen, dass eine solche Steuer eingeführt wird. Doch die Stimmen, die für eine Finanztransaktionssteuer in Deutschland sprechen, werden immer lauter. Auch aus Sicht der Finanzmarktregulierung gibt es Argumente für deren Einführung.

Finanztransaktionssteuer: Geschichte

Während heutzutage noch darüber debattiert wird, ob wir eine Finanztransaktionssteuer einführen, ist es noch gar nicht so lange her, dass wir etwas Vergleichbares hatten.

Das Ganze nannte sich „Gesetz über die Reichsstempelabgabe“ und wurde am 1. Juli 1881 gültig. Nach englischem Vorbild (an der Londoner Börse wurde ein ähnliches System bereits 1694 eingeführt) musste man in Deutschland nach einer Transaktion eine Steuer zahlen. Dafür bekam man einen offiziellen Stempel auf sein Dokument, der den Handel rechtsgültig bestätigt hatte.

Das ging über 100 Jahre so, bis zum 22. Februar 1990. Dort wurde das Finanzmarktförderungsgesetz beschlossen, in dessen Folge dann am 1. Januar 1992 das Gesetz über die Reichsstempelabgabe abgeschafft wurde. Seitdem gibt es keine Finanztransaktionssteuer mehr in den Deutschland – unter welchem Namen auch immer.

Vergleich mit Frankreich und Italien

Eine EU-weite Finanztransaktionssteuer ist bereits angedacht, solange sich aber vor allem Länder wie Deutschland noch dagegen sträuben, ist eine einheitliche Regelung undenkbar.

Frankreich war dabei Vorreiter und führte bereits am 1. August 2012 eine Steuer ein. Diese bezieht sich auf Kapitalwertpapiere. Das bedeutet, wer Wertpapiere von börsennotierten Unternehmen kauft, wird zur Kasse gebeten. Der Steuersatz beträgt 0,2% auf den Kaufpreis und fällt damit für Kleinanleger teilweise ins Gewicht.

Andere Spieler am Markt werden hierbei allerdings nicht bestraft: Fonds bzw. institutionelle Anleger, die teilweise innerhalb von wenigen Minuten oder gar Sekunden Aktien kaufen und wieder verkaufen, sind von der Steuer ausgenommen.

In Italien zahlt man seit dem 1. März 2013 eine Finanztransaktionssteuer, wenn man Aktien und andere Wertpapiere mit mindestens 500 Mio. € Marktkapitalisierung kauft. Ab dem 1. Juli 2013 wird die Steuer auch auf Derivate gültig.

Der Steuersatz in Italien beträgt dabei 0,12%, wenn man am regulierten Markt kauft, und 0,22% an allen anderen Börsenplätzen. Bereits ab 2014 werden die Steuersätze minimal sinken. Dann muss man 0,1%, respektive 0,2% zahlen.

Finanztransaktionssteuer in Deutschland: Fazit

Das europäische Ausland ist teilweise also bereits einen Schritt weiter als Deutschland. Auch Belgien, Finnland, Irland, Griechenland und Zypern haben schon diverse Arten von Finanztransaktionssteuern verabschiedet.

Hierzulande wird derzeit von den Banken aus Stimmung gegen eine Finanztransaktionssteuer in Deutschland gemacht. Insbesondere das Argument, dass die Kleinanleger darunter leiden müssten, hört man oft.

Wirtschaftswissenschaftler Professor Max Otte hält das aber für falsch. Laut seiner Aussage zahlen Privatinvestoren vergleichsweise jetzt schon deutlich mehr Bankgebühren und würden deshalb von der Finanztransaktionssteuer kaum betroffen sein.

3. Juni 2013

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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