Fintech N26 – auf dem Weg zur mobilen globalen Bank

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Das Berliner Fintech N26 will zur ersten mobilen globalen Bank aufsteigen, sammelt Investorengeld und hat einen Wert von 2,3 Mrd. Euro. (Foto: Mikko Lemola / shutterstock.com)

Der Versicherer Allianz und Chinas Internetkonzern Tencent haben eines gemeinsam: die Vorliebe zum deutschen Fintech N26. In einer jüngsten Finanzierungsrunde beteiligten sie sich mit weiteren Investoren über rund 143 Mio. Euro an dem Berliner Startup. Dessen Konzept, mit internetbasierten Bankdienstleistungen die Branche über Smartphone affine Kunden aufzumischen, scheint zur Abwicklung der digitalen Ambitionen der Konzerne zu passen.

Die wichtigsten Finanztransaktionen des Alltags rein übers Handy – das fasziniert auch andere namhafte Risikokapitalgeber. In ihrem Glauben an den Erfolg des „mobile Banking“ hatten sie bereits zuvor kräftig in N26 investiert. Das Fintech wird hier als internationaler Vorreiter gesehen. Insgesamt wurden bisher über 500 Mio. Euro eingesammelt.

2,3 Mio. Kunden und 2,3 Mrd. Euro Firmenwert

Dabei ist N26 erst seit 2016 mit einer Vollbank-Lizenz durch die Bafin bzw. EZB aktiv. Zuvor nutzte es seit 2013 die Dienste der Wirecard Bank. Trotz der kurzen Zeit hat N26 nach eigenen Angaben bereits 2,3 Mio. Kunden in ganz Europa. Mit dem frischen Geld soll nun der Markt in Großbritannien und vor allem den USA erobert werden. Dort allerdings wird es nicht ohne teure Marketingaktionen gehen.

Bislang kamen die Berliner weitgehend ohne Werbung aus, was dem jungen Unternehmen viel Geld gespart hat. Zwar werden noch rote Zahlen geschrieben, doch sollte sich, wie erhofft, in einigen Jahren die Kundenzahl verfünffachen, so dürfte das Geschäft zur Geldmaschine werden. Dann hätte N26 doppelt so viele Kunden wie die Sparkassen, die auf 50 Mio. kommen. Noch muss es erst soweit kommen.

Doch schon jetzt kann die junge Bank mit beeindruckenden Zahlen aufwarten: Bewertet wird sie mit 2,3 Mrd. Euro. Nicht nur die Unternehmensberatung Price Waterhouse spricht vom „ersten deutschen Unicorn“, einem jungen, innovativen Unternehmen, das einen Marktwert von über 1 Mrd. US-Dollar erreicht hat. Zum Vergleich: Die AAreal Bank im Mdax kommt nur auf 1,7 Mrd. Euro. Und die Commerzbank ist mit einer Marktkapitalisierung von derzeit 7,75 Mrd. Euro lediglich dreieinhalb Mal so schwer.

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Durch seine vergleichsweise hohe Unternehmensbewertung jedenfalls ist N26 kein leichtes Übernahmeziel mehr. Mit seinen potenten Partnern hat die Bank alle Chancen, sich rasch einen Platz unter den großen Finanzinstituten zu erobern. Das selbstgesteckte Ziel heißt, zur „ersten globalen mobilen Bank aufzusteigen“.

Fintech N26 plant noch keinen Börsengang

Dazu verhelfen könnte das enorme Potenzial meist junger Kunden, für die ein Leben ohne Smartphone und App nahezu undenkbar ist. Denn N26 ist eine Bank, die rein für mobile Geräte entwickelt wurde. Als Kundenmagnet diente ein kostenloses Girokonto mit Mastercard. Die Kosten sind niedrig und die Bedienung des Online-Kontos einfach. Eröffnen lässt sich ein Konto in wenigen Minuten und ohne Papier per Videoidentifikation. Alle Kontenfunktionen laufen über die App.

Ganz im Zeitgeist: Kunden können sich untereinander Geld überweisen, wobei man nicht mal die Kontonummer kennen muss. Mailadresse oder Handynummer genügen. Ein spezielles Feature zeigt alle Einnahmen und Ausgaben an, damit der Kunde seine Finanzen im Griff hat. Bargeld kann man bei bestimmten Partnern im Einzelhandel, Tankstellen oder Mastercard Geldautomaten abheben. Seit geraumer Zeit wird auch ein Sparkonto angeboten, sowie ein Depot und Kredite.

Als Anleger sollte man das FintechN26 im Auge behalten. Noch ist kein Börsengang geplant. Ab einer bestimmten Größe aber bietet eine Börsennotierung Vorteile.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.