Fonds-Anleger aufgepasst: Das müssen Sie über die Vorabpauschale wissen

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Viele Fonds-Anleger zahlen jetzt Steuern auf fiktive Erträge. Dabei können sie die Vorabpauschale umgehen, wenn sie zwei Dinge beachten. (Foto: TunedIn by Westend61)

Automatische Steuerabzüge bei Fonds-Erträgen? Seit Januar 2019 sind sie Realität. Die Vorabpauschale gilt seit dem 01.01.2019 erstmalig und bescherte einigen Anlegern weniger Geld im Depot. Betroffen sind Anleger thesaurierender Fonds und Anleger teilausschüttender Fonds.

Was steckt hinter der Vorabpauschale?

Im Rahmen der Investmentsteuerreform sollen mit der Vorabpauschale auch Anleger besteuert werden, die in Fonds ohne Ausschüttung investieren. In diesen Fonds wird die erwirtschaftete Rendite wieder angelegt, sodass die Anteile im Wert steigen.

Anleger profitieren dabei indirekt von der Wertsteigerung, auch wenn sie keine konkreten Kapitalerträge auf ihrem Konto verbuchen. Um dies auszugleichen, werden nun die Gewinne besagter Fonds besteuert.

So berechnet sich die Vorabpauschale für die Steuer

Die Vorabpauschale berechnet sich aus den Werten der Fondsanteile des Vorjahres. So wird immer zu Beginn eines Jahres für das vergangene Jahr betrachtet (Zeitraum 01.01. bis 31.12.) und die Wertsteigerung berechnet. Diese wird dann mit 70 Prozent des Basiszinses multipliziert. Dieser lag im Jahr 2018 bei 0,87 Prozent.

Ein Beispiel: 

EIn Anleger hält Fondsanteile mit einem Wert von 10.000 Euro am 01.01.2018, die zum Ende des Jahres auf einen Wert von 10.500 Euro gestiegen sind. Die Berechnung erfolgt so: 0,87 Prozent x 10.000 Euro x 0,7 Prozent = 60,90 Euro. Dies ist der Betrag, den Anleger dann mit der Abgeltungsteuer versteuern müssen.

Falls die Abgeltungssteuer höher ausfällt als die Wertsteigerung des Fonds, wird sie nicht angesetzt. Falls Fonds-Anteile innerhalb eines Jahres also in ihrem Wert gleichgeblieben oder geringer geworden sind, wird auch keine Vorabpauschale fällig. Steuern müssen Anleger dann ebenfalls nicht auf ihre Anteile zahlen.

Werden Fonds-Erträge anteilig an Anleger ausgezahlt und nur der verbleibende Rest innerhalb des Fonds wieder neu angelegt wird, vermindert sich die Vorabpauschale. Sie kann je nach Ausschüttungsanteilen auf 0 Euro fallen. Wenn Anleger ihre Fonds-Anteile verkaufen, müssen sie keine doppelte Steuer zahlen. Die Vorabpauschale wird vom Gewinn des Verkaufs abgezogen.

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Woher kommt das Geld für die Vorabpauschale?

Schätzungsweise jeder zweite Fonds ist thesaurierend oder teilausschüttend, wodurch viele Anleger von der neuen Regelung betroffen sind. Da bei der Berechnung der Wertsteigerung und der daraus resultierenden Vorabpauschale für die Steuer keine tatsächlichen Erträge ausgeschüttet werden, müssen die depotführenden Stellen wie Banken oder Fondsgesellschaften das Geld erst von den Anlegern einholen. Das Geld wird je nach Institut entweder vom Verrechnungskonto des Depots oder von einem Verrechnungskonto von einer anderen Bank eingezogen. Auch auf den Dispo dürfen Banken zugreifen – dem können Anleger aber widersprechen.

Mit Steuerfreibetrag die Vorabpauschale umgehen

Um die Steuerzahlung zu vermeiden, können Anleger ihr Geld in ausschüttende Fonds transferieren. Dabei müssen sie natürlich beachten, ob ein Verkauf aus wirtschaftlicher Perspektive überhaupt Sinn macht. Zum Teil haben einige Fonds auch schon selber von thesaurierend oder teilausschüttend auf ausschüttend umgestellt.

Wer einen Freistellungsauftrag bei seiner Depotbank einreicht, kann die Vorabpauschale ebenfalls umgehen beziehungsweise zumindest geringer halten (je nach Anlagewert und Wertsteigerung im Depot). Singles können 801 Euro Jahresfreibetrag geltend machen und Ehepaare 1.602 Euro. Diese Kapitalerträge können Anleger steuerfrei beziehen. Liegt ein Freistellungsauftrag für ein Depot vor, kann die Pauschale nicht vom Konto eingezogen werden sofern sie den Freibetrag nicht überschreitet.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.