Fondsgebundene Lebensversicherung – das steckt dahinter

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Eine fondsgebundene Lebensversicherung ist ein Kopplungsprodukt aus Todesfallschutz und eine Art Fondssparplan - ist das sinnvoll? (Foto: Africa Studio / shutterstock.com)

Angesichts nicht enden wollender Niedrigzinsen hat die klassische Lebensversicherung längst ihre einstige Stellung als die Anlage für Jedermann verloren, bei den Anbietern ist sie zum Ladenhüter verkommen. Da Garantiezinsen nichts bringen, wo nichts ist und entsprechend Steuervorteile ins Leere laufen, haben die Versicherer bereits seit Jahren auf die fondsgebundene Lebensversicherung umgestellt. Und tatsächlich ist Marktanteil der Versicherung im zweistelligen Prozentbereich gestiegen. Offenbar gelingt es, die Kunden die fondsgebundene Lebensversicherung schmackhaft zu machen. Diese sehen die fondsgebundene Lebensversicherung auch als zusätzliche Altersvorsorge – zu Recht?

Fondsgebundene Lebensversicherung: Kombination aus Todesfallschutz und Fondssparplan

Was aber genau ist eine fondsgebundene Lebensversicherung? Bei einigen Anbietern ist zu lesen, die Versicherung sei eine Form der Kapitallebensversicherung mit hohen Renditen, die zudem eine lebenslange Altersrente und Zahlungen an Angehörige bietet, falls man vor Versicherungsablauf stirbt. Etwas trockener formuliert, bedeutet das im Klartext: Es ist die Kombination aus Fondsanlage und Risikolebensversicherung. Die monatlichen Beiträge werden wie bei einem Wertpapiersparplan in Investmentfonds angelegt.

Wählen kann man je nach Risikobereitschaft zwischen Aktien-, Renten– und Mischfonds. Die Fonds selbst aber kommen zumeist vorzugsweise aus dem eigenen Haus bzw. Konzernverbund. Die insgesamt höheren Renditechancen stehen im Unterschied zur klassischen Lebensversicherung, die vorwiegend in Zinspapiere sowie Immobilien investiert, nur zum geringen Teil aber in Aktien – was schon gesetzlich festgelegt ist. Dafür lassen sich die Ausgaben in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend machen. Bei der fondsgebundenen Lebensversicherung indes geht dies nicht.

Nur die Hälfte der Erträge der Versicherung zu versteuern

Mit den monatlichen Beiträgen erhöhen sich die Fondsanteile solange bis der Vertrag ausläuft. Bis dahin ist auf Erträge zunächst keine Abgeltungssteuer fällig, die greift erst im Nachhinein voll zu. Vorteilhaft jedoch ist, dass bei einer Vertragslaufzeit von mindestens zwölf Jahren und der Auszahlung nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres entsprechend dem Halbeinkünfteverfahren nur die Hälfte der Erträge zu versteuern ist. Das aber nach dem persönlichen Steuersatz, der je nach Einkommen über den 25% der Abgeltungssteuer liegen kann.

Der Vorteil des Halbeinkünfterverfahrens ergibt sich aus der Kombination mit der Risikolebensversicherung. Deshalb ist es andererseits unvermeidbar, dass man vor Abschluss einer fondsgebundenen Lebensversicherung Fragen zur Gesundheit sowie zu Vorerkrankungen beantworten muss. Die Versicherer wollen natürlich das Risiko eines möglichen Schadenseintritts, wie der Todesfall genannt wird, kalkulieren. Bei nicht wahrheitsgemäßen Angaben kann der Anbieter sofort kündigen. In dem Fall bleibt nur zu hoffen, dass zu dem Zeitpunkt die Börsen nicht auf Tiefstand sind.

Eine Garantieverzinsung entfällt in der Regel, da der Wert der Police weitgehend vom Stand der Aktienmärkte abhängt. Mögliche Verluste trägt der „Versicherungsnehmer“ genauso in eigener Verantwortung wie jeder andere Anleger.

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Instransparenz und teure Varianten

Um der Vorstellung von Kunden entgegenzukommen, die gewohnt sind, eine Lebensversicherung mit einer gewissen Absicherung zu assoziieren, werden zum Teil auch Policen mit Höchststandgarantie angeboten. Damit bekommt man den Marktwert ausgezahlt, den der Fonds an bestimmten Stichtagen erreicht hat, und zwar für den Fall, dass der Vertrag zu Ablauf der Laufzeit weniger wert sein sollte.

Eine andere Angebotsvariante ist das Aufteilen der Beiträge. Etwa in der Form, dass ein Teil in den Fonds fließt, ein anderer in einen Garantiefonds, der letztlich nicht anderes ist als eine klassische Lebensversicherung mit Garantiezins. Was manche Kunden auf Anhieb freuen mag, nagt aber kräftig am Ertrag. Derartige Zusagen verteuern die Beiträge für die fondsgebundene Lebensversicherung und fallen zusätzlich zu den Kosten für Abschluss, Verwaltung, Fonds etc. an. Auch kosten monatliche Beiträge anstatt jährlicher Zahlungen mehr. Insgesamt schmilzt dann nicht nur die Rendite, sondern auch jeglicher Steuervorteil dahin.

Zudem wird in Fachkreisen bemängelt, dass bei vielen Verträgen der Todesfallschutz nicht ausreichend sei. Auch ist häufig die Verteilung der Beiträge auf die Fondsanteile und den Teil der Risikolebensversicherung intransparent, was es erschwert nachzuvollziehen, welcher Betrag der Prämien bei der Versicherung tatsächlich angespart wird.

Fondsgebundene Lebensversicherung mit mehr Nachteilen

Unterm Strich ist die fondsgebundene Lebensversicherung ein Zwitterprodukt, das mehr Nachteile als Vorteile bietet. Die Kopplung von Sparprodukt auf Fondsbasis und Risikolebensversicherung erlaubt es auch nicht, bei unvorhergesehener Änderung der Lebensumstände mit verringertem finanziellem Spielraum nur den Todesfallschutz fortzuführen.

Von daher erscheint es sinnvoller, die Aspekte Todesfallschutz und Vermögensbildung, die ohnehin nichts miteinander zu tun haben, gleich selbst zu trennen. Man schließt eine reine Risikolebensversicherung mit ausreichender Absicherung ab und besorgt sich zusätzlich beispielsweise einen ETF Sparplan als Altersvorsorge. Der ist auf jeden Fall günstiger, einfacher und transparenter als gemanagte Fonds des Versicherungskonzerns. Die monatlichen Sparraten ab 50 Euro lassen sich jederzeit anpassen oder auch aussetzen.

Die Flexibilität ist schon angesichts der geringeren Kosten letztlich mehr wert als der Steuervorteil einer Lebensversicherung aufwiegen kann. Das Risiko irgendwann im Leben in Liquiditätsengpässe zu geraten, sollte nicht unterschätzt werden. Wer dann nicht gerade über frei verfügbare Rücklagen verfügt, ist froh wenn er seine separate Todesfallversicherung erhalten kann und nicht zu altersbedingt schlechteren Konditionen mit neuen Gesundheitsfragen von vorne beantragen muss.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.