Frankreich als Startup-Nation? Macron und seine Wirtschaftspläne

Erwartungsgemäß konnte sich Emmanuel Macron auch im zweiten Wahlgang behaupten. Es war als Bestätigung der ersten Runde im April ein Doppelsieg, der die Anleger in Freude versetzte.

Der französische Leitindex CAC40 legte ebenso zu wie der Dax. Das Signal: Mit seiner absoluten Mehrheit kann der sozialliberale Macron seine Wirtschaftspolitik durchsetzen.

Macron Wirtschaftspolitik mit ambitionierten Reformen

Das allerdings muss er schnell anpacken. Denn bei genauer Betrachtung und angesichts der historisch niedrigen Wahlbeteiligung hat er gut die Hälfte der Franzosen nicht hinter sich. Wie stark der Widerstand gegen seine Reformen sein wird, muss sich noch zeigen. Deren Notwendigkeit hat die moderate Gewerkschaft CFDT immerhin bereits erkannt und Unterstützung signalisiert.

Noch gibt ihm das Momentum Schwung. Der jugendlich dynamische Macron ist für viele ein nahezu charismatischer Hoffnungsträger, der verkrustete Strukturen aufbrechen und die selbstgefällige Politelite zu mehr Transparenz und Bürgernähe verpflichten will. Erste Rücktritte von korruptionsverdächtigen Ministern scheinen seine Linie schon mal zu bestätigen.

Doch wofür genau steht Macrons Wirtschaftspolitik? Im ganz großen Rahmen ist sie ausgesprochen europafreundlich, was deutsche Unternehmen ebenso freut wie Anleger mit Dax-Papieren oder ETFs, etwa auf den Eurostoxx 600. Der befindet sich genauso auf Erholungskurs wie der Euro. Die Perspektiven in der Eurozone sind mittlerweile besser als in den USA, wo das Thema Trump vorläufig ausgereizt ist.

Und anders als der US-Präsident macht Macron keine windigen Versprechungen, sondern hat recht dezidierte Vorstellungen von Reformen, die wirtschaftlich und politisch Sinn ergeben. Innerhalb der EU setzt er auf mehr Integration mit transparenteren Strukturen. Auch wenn etwa die Idee eines europäischen Finanzministeriums nicht jedem auf Anhieb schmeckt, so zeigt dies den Willen zu mehr Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft.


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Weniger Staat und mehr Jobs gerade in kleineren Unternehmen

Macrons Wirtschaftspolitik soll natürlich vor allem Frankreich selbst erneuern. Das drängendste Problem: die mit über 9 % hohe Arbeitslosigkeit. Anders als hierzulande sind Einstellungen von über 50-Jährigen fast eine Utopie, junge Menschen dagegen müssen sich meist mit Kurzzeitverträgen begnügen. Die Staatsausgaben sind viel zu hoch. Die Wirtschaft wiederum kann vor lauter Vorschriften und Abgaben ihr Potenzial nicht entfalten.

Da nützt es wenig, wenn große Konzerne bessere Zahlen schreiben und etwa Airbus dieser Tage nach neuen Großaufträgen an der Börse zugelegt hat. Oder wenn Luxusgüterhersteller wie LVMH oder Hermès gute Geschäfte in Asien machen. Es sind gerade die kleineren und mittleren Unternehmen, die Unterstützung brauchen. Ihnen will Macron durch den Abbau enormer Kosten und ausufernder Bürokratie sowie weniger Steuern und Abgaben die Schaffung neuer Arbeitsplätze erleichtern.

Neue Jobs sollen auch durch die Förderung Erneuerbarer Energien entstehen. Das setzt allerdings voraus, dass die Franzosen bereit sind, auch mal länger als im Rahmen der 35-Stunden-Woche und auch über das Alter von 62 hinaus zu arbeiten.

Macron plant, den Arbeitsmarkt zu deregulieren und die Sozialpartnerschaft dezentral zu gestalten. Arbeitszeiten, Gehälter und Beschäftigungsgarantien sollen künftig im Betrieb zwischen Firmenleitung und Angestellten ausgehandelt werden.

Außerdem will er den Staatsapparat mit Verwaltung und Behörden erheblich verkleinern. Und: Als ehemaliger Investmentbanker macht sich Macron für eine Pauschalsteuer von 30 % auf Kapitaleinkünfte stark, was die Märkte zusätzlich beflügeln dürfte.

Lange Liste: Macron gibt Gas

Dies sind nur Beispiele einer langen Reformliste. Alles zugleich wird natürlich nicht gehen, ohne einen Boomerangeffekt zu erzeugen. Selbst wenn Macron nur die Hälfte seiner Pläne umsetzen kann, dürfte es reichen, dem Land einen kräftigen Schub zu verpassen. Entscheidend wird sein, dass die ersten Schritte möglichst bald Erfolge zeigen.

An erster Stelle stehen neue Jobs durch die Förderung und Entlastung mittlerer und kleinerer Firmen. Die Arbeitsmarktreform soll schon zum 21. September umgesetzt sein. Seine Vorstellung von Wirtschaft hat Macron kurz vor der Wahl so auf den Punkt gebracht: „Frankreich soll eine Startup-Nation werden.“ Wer will, kann sich zeitig positionieren, französische Aktien oder einen ETF auf den CAC 40 kaufen. Große Fondsgesellschaften halten eine Steigerung der Unternehmensgewinne von bis 10 % für realistisch.


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27. Juni 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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