Freihandelsabkommen mit Kanada: Darum ist Ceta so wichtig

Nach sieben Jahren zäher Verhandlungen wurde am 30. Oktober das Freihandelsabkommen der EU mit Kanada unterschrieben. Zu dem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, dass dem Comprehensive Economic and Trade Agreement, kurz Ceta, eine Bedeutung zukommen sollte, an die ursprünglich kaum einer dachte.

Cetas Bedeutung als Gegenmodell zu Trumps Protektionismus

Nachdem nur Tage später mit dem Wahlergebnis in den USA der Wind drehte, wurde es als Symbol des freien Welthandels zum Gegenmodell von Trumps neuem Protektionismus. Zum US-amerikanischen Pendant TTIP wird es wohl nicht mehr kommen. Dabei hätte Ceta als Vorbild für das geplante Abkommen mit den USA dienen können.

Vor allem sind es die hart errungenen Ergebnisse unter Partnern mit vergleichbaren demokratischen Grundwerten, die Ceta seine eigene Bedeutung geben. Dass es trotz vieler Widerstände und einer Zitterpartie bis zum Schluss zustande kam, zeugt von Kompromissfähigkeit und der Überzeugung, dass die positiven Aspekte enger Handelsbeziehungen letztlich überwiegen. Das Bekenntnis zu mehr Wohlstand und Wachstum in einer barrierefreien Handelswelt hat nun einen besonderen Stellenwert bekommen.

Solange der Gedanke in den USA ebenfalls Konsens war, waren auch die Kritiker lauter. Jetzt besteht die Gefahr, sich in die Liga von Trump einzureihen. Bei aller berechtigter Kritik zu Schwachstellen: wenn Partner mit unterschiedlichen kulturellen Ansätzen aufeinander zugehen, zählt der Gestaltungswille. Die Bereitschaft, über die eigenen Grenzen hinaus zu denken, beinhaltet immer ein Restrisiko.

Schiedsgerichte für Rechtssicherheit

In der durch heftige öffentliche Debatten erhöhten Transparenz bekam auch das gesellschaftliche Korrektiv ein größeres Gewicht. So war es etwa möglich, Schiedsgerichte durch einen unabhängigen Gerichtshof zu ersetzen. Beim Thema Investorenschutz sollte man generell nicht das Bedürfnis nach Rechtssicherheit übersehen. Deutsche Unternehmen, die in Russland investiert hatten und später mit windigen Gesetzen hinausgedrängt wurden, können ein Lied davon singen.

Durch die jüngsten populistischen Tendenzen mit ihrem Sprengpotenzial wird der Stellenwert von Rechtssicherheit umso deutlicher. Ceta verbindet wie kein anderes Abkommen die Marktöffnung mit dem Schutz von Kultur, zentralen Dienstleistungen, Arbeitnehmerrechten oder Lebensmittelsicherheit. Auch wird es für besonders sensible Güter weiterhin Zölle geben. Ansonsten aber entfallen sie nahezu vollständig – ebenso bisherige Zugangsbeschränkungen bei öffentlichen Aufträgen.

Wachstum nach Abkommen der EU mit Südkorea und Japan

Mit dem Wegfall der Hürden werden europäische Exporteure nach offiziellen Berechnungen bis zu 500 Mio. € sparen. Umgekehrt wird etwa der Import wichtiger Rohstoffe und Vorprodukte für die chemische Industrie billiger. Die Erleichterungen sollen Unternehmen, Verbrauchern und Arbeitnehmern zu Gute kommen.

Bereits ein Ausfuhrvolumen von 1 Mrd. € bedeutet durchschnittlich rund 14.000 Arbeitsplätze. Und die Gehälter in der Exportindustrie sind tendenziell höher. Dass Freihandelsverträge tatsächlich für Wachstum sorgen, zeigen vergleichbare Abkommen der EU, die seltsamerweise von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden. Seit vier Jahren existieren sie bereits mit Südkorea und Japan und ließen die Ausfuhren von Waren um 55% und von Dienstleistungen um 40% ansteigen.

Dass die Kanadier den Europäern am Ende mit viel Geduld und Kompromissfähigkeit begegneten, ist umso bemerkenswerter, als zu befürchten war, dass nach dem Brexit ihr Interesse am Vertrag ohne Großbritannien nachlassen würde.

Vorbild für künftige Abkommen

Mit seinen zahlreichen Zusatzerklärungen und Garantien hat Ceta eine Bedeutung als Standard für künftige Abkommen. Um weiterhin die Globalisierung nach europäischen Werten zu gestalten, würden sich zum Bespiel Verhandlungen mit China anbieten.

Isolation und Protektionismus hingegen befördern eher nationale Egoismen und die Gefahr gewaltsamer Konflikte. Abgesehen davon lässt sich die Globalisierung ohnehin nicht mehr einfach abschalten, genauso wenig wie das Internet oder die angelaufene Digitalisierung der Industrie. Unausweichlich werden internationale intelligente Wertschöpfungsketten dominieren. Die Wirtschafts- und Finanzwelt wird Einzelgänger schlicht ignorieren.

Aus Anlegersicht bedeuten Abkommen wie Ceta vor allem eines: Wenn Hürden im Waren- und Finanzverkehr fallen, fällt es leichter, dort zu investieren, wo Rendite winkt. Und wenn Kooperationen einfacher werden und der Wegfall von Handelshemmnissen die Wirtschaft beflügelt, profitieren Dividenden-Aktionäre von höheren Unternehmensgewinnen.

6. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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