Freundliche & feindliche Übernahme – Formen, Ablauf & Abwehrmethoden

Sujet Übernahme

Die feindliche Übernahme unterscheidet sich von der freundlichen Übernahme nur durch das ablehnende Verhalten des Managements.

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Wissenswertes über Übernahmen

Unternehmenskauf: Auch Akquisition/Übernahme; wirtschaftliche & rechtliche Transaktion von Unternehmen & Beteiligungen

Arten: Freundliche oder feindliche Übernahme

Freundliche Übernahme: Management begrüßt Angebot des Investors, Aktionäre erhalten Barzahlung/Aktientausch

Feindliche Übernahme: Wie freundliche Übernahme aber ohne Managementzuspruch

Aktienkurs: Steigt bei Übernahmegerüchten; hoher Kaufpreis wird seitens der Aktionäre erwartet


Unternehmenskauf: Definition, Formen & Möglichkeiten

Ein Unternehmenskauf wird auch Akquisition oder Übernahme genannt. Übernahmen sind ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft.

Eine Akquisition stellt eine wirtschaftliche und rechtliche Transaktion dar, bei der eine Firma oder eine Unternehmensbeteiligung ganz oder teilweise den Besitzer wechselt. Die Bezahlung der Transaktion erfolgt gegen einenKaufpreis oder durch Tausch gegen Anteile des Käufers.

Unterschieden wird hierbei zwischenfreundlichen Übernahmen, bei denen ein Einvernehmen zwischen Käufer und Verkäufer besteht, undfeindlichen Übernahmen, bei denen der Käufer die Mehrheit über Aktienkäufe übernimmt, ohne die Zustimmung des zu erwerbenden Zielunternehmens zu besitzen.

Eine freundliche Übernahme bedeutet somit die Übernahme eines Unternehmens mit dem Einverständnis dessen Vorstandes und der Belegschaft. Eine solche freundliche Übernahme kann für Anleger zudem auch Vorteile bringen, da Vorstand und Aufsichtsrat in diesem Fall häufig einen deutlich besseren Preis ausverhandeln kann, als der aktuelle Aktienkurs bei einem möglichen Verkauf einbringen würde.

Was ist ein Investor im Sinne einer Unternehmensakquisition?

Ein Investor im Sinne einer Unternehmensakquisition ist, wer aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Investition tätigt. Für eine Investition gelten betriebswirtschaftliche Grundsätze, die ein guter Kaufmann in jedem Fall einhalten sollte. Der Käufer ist im Falle einer Unternehmensakquisition betriebswirtschaftlich gesehen der Investor, da seineKaufmotive strategischer und finanzieller Art sind.

Strategische Motive liegen bei einem Unternehmenskauf vor, wenn der Investor durch die Übernahme einen verbesserten Zugang zu Beschaffungs- oder Absatzmärkten erhofft. Die Schwächung der Konkurrenz oder eine größere Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten und Kunden sind weitere strategische Motive eines Investors.

Auch der Wunsch nach einer Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Strukturen im Unternehmen nach dem Kauf können ein Hintergrund sein. Meistens geht es um die Marktmacht, die ausgebaut werden soll, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Finanzielle Motive eines Investors sind beispielsweise zu erreichende Größenvorteile und Skaleneffekte durch die Investition. So kann eine Senkung der Betriebskosten zu einer Erhöhung des Jahresüberschusses nach der Übernahme führen.

Was sind Mergers & Acquisitions (M&A)?

Der Begriff „Mergers & Acquisitions(M&A) fasst jegliche Transaktionen im BereichFusionen, Unternehmenskäufe, Betriebsübergänge, Übernahmen und Spin-offs zusammen. Der Begriff „Merger” steht für Unternehmensfusionen, während man unter „Acquisitions” Unternehmenskäufe versteht.

M&A werden durchgeführt, weil Firmen mit diesen Maßnahmen Wachstum und damit die eigene Existenz sichern möchten. Denn das zu kaufende Zielunternehmen (Englisch:target) erhöht auf diese Weise den eigenen Umsatz. Neben einer solchen Kapitalerhöhung können aber auch Marktanteile und damit die Marktmacht des Unternehmens verbessert werden.

Einige Zahlen zu M&As wurden hier zusammengetragen:

Anzahl M&A-Deals in Deutschland in 20181.985
Volumen M&A-Deals in Deutschland in 2018128,4 Milliarden Euro
Top Zielland deutscher M&A-Deals nach AnzahlUSA
Top Herkunftsland von M&A-Deals in Deutschland nach AnzahlUSA
Größte Fusion und Übernahme weltweit nach TransaktionsvolumenÜbernahme Mannesmann durch Vodafone im Jahr 1999
Größter M&A-Deal weltweit nach TransaktionswertÜbernahme Twenty-First Century Fox Inc. durch The Walt Disney Company im Jahr 2018
Anzahl M&A-Deals weltweit in 201848.577

Verschiedene Arten von Mergers & Acquisitions

Die „Fusion durch Aufnahme” (a+b=a) ist eine Art davon. Hierbei übernimmt der Käufer das Vermögen und die Schulden des Zielunternehmens bzw. Übernahmekandidaten. Das aufgekaufte Unternehmen verliert seine Existenz.

Eine weitere Art des M&A ist die „Fusion durch Neugründung” (a+b=c). Hierbei schließen sich zwei Unternehmen zusammen, um ein neues Unternehmen zu gründen.

Unternehmenskäufe und fremdfinanzierte Übernahmen sind weitere Arten von M&A. Der Unterschied zwischen einemUnternehmenskauf und einer Fusion liegt darin, dass bei einem Kauf der Eigentümer sich ändert. Der alte Eigentümer überlässt dem Investor die Unternehmensführung.

Auch strategische und operative Kooperationen zwischen Unternehmen, wie z. B. Joint Ventures, Konsortien und Allianzen sind Formen von M&A.

Wie läuft ein Unternehmenskauf ab?

Der Prozess des Unternehmenskaufes beginnt damit, dass der Investor sich auf die Suche nach geeigneten Beteiligungsobjekten begibt (deal search). Die sogenannte due diligence beinhaltet alle potenziellen Beteiligungsobjekte und untersucht diese nach Stärken und Schwächen.

Wenn das gewünschte Unternehmen, respektive ein geeigenter Übernahmekandidat gefunden wurde, geht man auf das Management des Zielunternehmens zu. Die Preisverhandlungen beginnen (deal negotiation). Alle Punkte, die Gegenstand der Verhandlungen sind, werden im Term Sheet festgehalten. Der Letter of Intent hält die Absichten beider Parteien fest. Die Phase der Vertragsgestaltung wird von Anwälten, Wirtschaftsprüfern, Unternehmensberatern und eventuell von Investmentbanken begleitet.

Während und nach Abwicklung der Übernahme ist das Beteiligungscontrolling (deal monitoring) des Investors zuständig für die Überwachung der Entwicklung des Targets. Im Anschluss an den unterschriebenen Kaufvertrag (signing) werden im Rahmen desclosing die gekauften Gesellschaftsanteile auf den Käufer übertragen. Dies ist auch generell der Ablauf bei einer freundlichen Übernahme.

Prozess des Kaufs eines Unternehmens

Definition feindliche Übernahme: Unternehmenskauf ohne Managementzuspruch

Mit dem Begriff Unternehmenskauf wird in der Regel eine neutrale Mergers & Acquisitions- Transaktion bezeichnet. Der als Synonym verwendete Begriff einer Übernahme meint meistens eine Situation, in der die Machtinteressen des Übernehmers im Vordergrund stehen. Dabei unterscheidet man zwischen einerfreundlichen Übernahme (friendly takeover) und einer feindlichen Übernahme (hostile takeover).

Diefeindliche Übernahme unterscheidet sich von der freundlichen Übernahme nur durch das ablehnende Verhalten des Managements gegenüber dem Investor. Unter einer feindlichen Übernahme versteht man somit den Erwerb der Kapitalmehrheit eines Unternehmens, jedoch ohne dass Vorstand, Aufsichtsrat oder Belegschaft im Vorfeld darüber informiert bzw. um Zustimmung gebeten wurde.

Eine Übernahme kann dabei nur durch die Aktionäre endgültig verhindert werden. Aus diesem Grund werden diese von dem Investor mit einem attraktiven Kaufangebot umworben, das deutlich über dem Börsenkurs liegt. Da dasManagement nach dem Eigentümerwechsel nicht mehr gebraucht wird, versucht es, die Übernahme zu verhindern und damit die Position zu sichern.

Freundliche und feindliche Übernahme im Vergleich

Was ist ein öffentliches Übernahmeangebot?

Mit dem Übernahmeangebot wird von dem interessierten Investor die Dauer der Annahmefrist bestimmt, welche mindestensvier bis höchstens zehn Wochen betragen kann. Möchte ein Investor, dass die Aktionäre auf sein Angebot eingehen, wird er versuchen, dieses attraktiv zu gestalten. Das Übernahmeangebot wird in diesem Fall über dem aktuellen Aktienkurs liegen.

Ist der Investor nicht an der Übernahme weiterer Aktien interessiert, wird er sein Angebot am Mindestpreis orientieren, so wie es beispielsweise Porsche nach Erreichen der 30 %-Grenze gemacht hat: Das Angebot des Sportwagenherstellers an die VW-Aktionäre lag um 15 % unter dem Börsenkurs der VW-Papiere.

Erlangt der Bieter nach einem Übernahme- bzw. Pflichtangebot mindestens95 % des stimmberechtigten Grundkapitals, sind ihm auf Antrag die restlichen stimmberechtigten Aktien gegen eine angemessene Abfindung zu übertragen. Man spricht hier von einem Squeeze-out (Hinausdrücken). Der Squeeze-out muss von der Hauptversammlung abgesegnet werden. Da der Investor mit 95 % die Mehrheit hält, stellt dies kein Problem für ihn dar.

Am Ziel ist er deshalb noch lange nicht. Nachdem Aufsichtsrat, Vorstand und Belegschaft des Übernahmekandidaten zugestimmt haben, muss er sich mit den übrigen Aktionären noch auf dieAbfindung einigen, und in der Regel setzen diese auf eine höhere Abfindung als beim Übernahmeangebot, weshalb es zu Anfechtungsklagen kommen kann. Dieser Prozess kann lange dauern. Anleger werden häufig mit einer höheren Abfindung belohnt und das Risiko von starken Kursverlusten ist durch den Mindestpreis begrenzt.

Warum steigen die Aktienkurse bei Übernahmegerüchten?

Das Gerücht einer möglichen Übernahme reicht aus, damit die Aktienkurse des zu erwerbenden Unternehmens steigen. Dies ist dadurch begründet, dass der Investor ein interessantes Angebot für die verbliebenen Aktionäre unterbreiten muss. Dieses liegt in der Regel über den gegenwärtigen Aktienkursen.

Dieser Prozess ist üblich und bei den Aktionären bekannt. Daher steigen bei Übernahmegerüchten die Aktienkurse. Die Aktionäre rechnen mit baldigenhöheren Aktienkursen und kaufen weiter zu. Dies erhöht die Marktkapitalisierung des Unternehmens und führt zu einer Kapitalerhöhung. Berechnet wird die Marktkapitalisierung durch Multiplikation des Aktienkurses mit der Anzahl ausgegebener Aktien.

Manchmal werden die Investoren schon im Vorfeld aktiv. Dann kaufen sie noch vor Bekanntgabe der Übernahme heimlich die Aktien auf. Diessteigert die Nachfrage auf dem Aktienmarkt und damit den Aktienkurs des Unternehmens.

Anleger sollten somit wissen, dass der Aktienkurs im Falle einer freundlichen Übernahme in der Regel deutlich anssteigt. Selbst bei aufkommenden Gerüchten ist dies bereits häufig der Fall. Der Grund hierfür ist, dass andere Käufer auf höhere Verkaufskurse spekulieren und diese gewissermaßen in den Aktienkurs eingepreist werden.

Bekannte feindliche Übernahmen: In Deutschland & Europa

Die nachfolgende Liste soll bekannte feindliche Übernahmen in Deutschland und in Europa aus der Vergangenheit zeigen, welche erfolgreich durchgeführt wurden:

DeutschlandJahrÜbernahmedurch Investor

1991Hoesch AGFriedrich Krupp AG
2000Mannesmann AGVodafone Group
2001FAG KugelfischerINA Schaefller
2004AventisSanofi
2005HypoVereinsbankUnicredit Bank
2007TechemMacquarie
2008Continental AGSchaeffler KG
2010HochtiefGrupo ACS
International
Frankreich1999ParibasBNP
Frankreich2000Elf AquitaineTotalFina
Großbritannien2005BPBSaint Gobain
Frankreich/Luxemburg2006ArcelorMittal
Niederlande2007ABN AmroRBS, Fortis und Banco Santander

Feindliche Übernahme verhindern: Methoden & Strategien

Wenn das Aufsichtrat und Vorstand eines Übernahmekandidaten die Übernahmebestrebungen des Investors als feindlich eingestuft hat, gibt es Möglichkeiten, diese Übernahme abzuwehren. Die verschiedenen Strategien werden im Folgenden aufgezeigt.

Kritik am öffentlichen Angebot äußern

Mannesmann durch Vodafone – an diese Übernahme dürften sich die meisten Deutschen erinnern. Das Ziel des Mannesmann-Managements war es, den Kaufpreis in die Höhe zu treiben. Das Übernahmeangebot von Vodafone wurde als zu niedrig bezeichnet. Den Aktionären riet man, das Übernahmeangebot nicht anzunehmen.

Vodafone erhöhte daraufhin sein Angebot von anfangs 100 Milliarden Euro sukzessiv auf 190 Milliarden Euro. Mannesmann wurde für einen kräftigen Aufschlag übernommen.

Investor bei feindlicher Übernahme zuvorkommen: Was ist ein weißer Ritter?

Eine weitere Möglichkeit, einem unliebsamen Investor zuvorzukommen, ist die Suche nach einem weißen Ritter. Das Zielunternehmen sucht sich selbst einen Investor. Zwar wird in diesem Fall die Eigenständigkeit aufgegeben, allerdings kann das Management auf diese Weise gemeinsame Ziele in Bezug auf die Geschäftsstrategie, Produkte, Kosten oder Investitionen besser verfolgen.

Im Jahr 2006 beispielsweise fand Schering bei der versuchten feindlichen Übernahme durch Merck seinen weißen Ritter in Bayer.

Abwehrmaßnahmen bei feindlichen Übernahmen: Was sind Giftpillen?

Als Abwehrmaßnahmen sind die „Giftpillen” geläufig. Hier wird versucht, das eigene Unternehmen für den Investor unattraktiv zu machen, um die Übernahme zu erschweren bzw. zu verhindern.

Hierzu können unterschiedliche Strategien verfolgt werden. Eine Möglichkeit wäre, eineKapitalerhöhung durchzuführen und stark in Unternehmensbereiche zu investieren, die für den interessierten Investor zwar unwichtig sind, für das Unternehmen aber von strategischer Bedeutung sein können. Neben einer Kapitalerhöhung sind auchÜbernahmen von Konkurrenten möglich, wie z. B. die Übernahme von Orange durch Mannesmann, um Vodafone abzuschrecken.

Für Vodafone bedeutete dies eine zusätzliche Hürde. Das Unternehmen musste Orange nach der Übernahme von Mannesmann aus kartellrechtlichen Gründen abgeben und große Verluste bei der Veräußerung in Kauf nehmen. Generell besteht bei den Giftpillen die Gefahr, dass sich die betroffenen Unternehmen selbst schaden und die Interessen der Aktionäre verringern.

Hinweis

Der Einsatz solcher Methoden ist sorgfältig zu prüfen. Das Management muss abwägen können, ob eine drohende Übernahme insgesamt mehr Vorteile bringt, als die Selbstständigkeit durch verschiedene Gegenmaßnahmen zu wahren.

Mit der Pac-Man-Strategie feindliche Übernahmen abwehren

Neben der Giftpille gibt es eine Reihe von anderen Maßnahmen, die dazu führen können, dass eine ungewollte Übernahme verhindert wird, wie zum Beispiel die Pac-Man-Strategie. Bei dieser Strategie – die vom Helden des gleichnamigen Computerspiels abgeleitet ist – wird der Jäger zum Gejagten.

Verwendet ein Übernahme-Kandidat diese Strategie, erfolgt ein Übernahme-Angebot an die Aktionäre des Unternehmens, das zuerst ein Angebot vorgelegt hat (Bieter). Die Pac-Man-Strategie setzt voraus, dass der Übernahme-Kandidat eine Reihe von Geldgebern besitzt, die das Gegenangebot finanzieren würden. Im Normalfall ist der erste Bieter das größere Unternehmen und finanzstärker.

Bei gleich großen Unternehmen ist diese Abwehr möglich. Die Methode kam zwar bisher selten zum Einsatz, dennoch haben sich einige Unternehmen erfolgreich mit Hilfe der Pac-Man-Strategie gewehrt. Manchmal reicht die bloße Androhung der Pac-Man-Strategie, um eine Übernahme zu verhindern.

Das bekannteste Beispiel einer erfolgreichen Abwehr mit Hilfe der Pac-Man-Strategie ist das US-Unternehmen Martin Marietta. 1982 erfolgte ein feindliches Übernahme-Angebot vom Konkurrenten Bendix.

Marietta verkaufte alle Geschäftsbereiche, die nicht zum Kern des Unternehmens gehörten, nahm sich die Unterstützung von Banken und machte seinerseits ein Übernahme-Angebot. Martin Marietta überstand diese Übernahmeschlacht und blieb ein eigenständiges Unternehmen. Bendix wurde später selbst Opfer einer Übernahme.

Im Jahr 2007 versuchte der australische Rohstoff-GigantBHP Billiton, den Konkurrenten Rio Tinto feindlich zu übernehmen. Als das Angebot auf wenig Gegenliebe stieß und Rio Tinto drohte, ein Gegenangebot erstellen zu wollen, zog sich BHP schnell zurück.

Der goldene Fallschirm

Es gibt allerdings die Möglichkeit, dass sich das Management seinenArbeitsplatzverlust infolge einer unerwünschten Übernahmevergolden lässt. Mit einem „goldenen Fallschirm” lassen sich Führungskräfte hohe Zahlungen in Form von Boni und Aktienoptionen vertraglich garantieren. Die Klausel greift neben Übernahmen, auch bei einer vorzeitigen Entlassung.

Eine Übernahme wird durch den goldenen Fallschirm nicht verhindert, sondern dient der üppigen Absicherung des Managements.

Tipp

Wird ein Durchsickern eines goldenen Fallschirms zum Bieter erreicht, kann der goldene Fallschirm das Kaufobjekt als unattraktiver erscheinen lassen. So wirkt der goldene Fallschirm auch als Abwehrmaßnahme.

Akquisition Auswirkungen: Was kommt auf den Anleger zu?

In einem Marktumfeld, welches von günstigen Kursniveaus geprägt ist, lässt sich eine Zunahme an Übernahmen beobachten. Eine solche Sondersituation birgt für die Anleger der betroffenen Unternehmen eine Reihe an guten Gewinnchancen, wie die folgenden Strategien zeigen sollen.

Unterschied zwischen Aktienkauf & Aktientausch

Das Übernahmeangebot ist das Angebot eines Investors an die Kleinaktionäre des Zielunternehmens. Es wird ausgesprochen, weil die Anteile dieser Firma übernommen werden sollen. In der Regel beinhaltet ein solches Angebot eineBarzahlung für die zu übernehmenden Aktien, das Gebot liegt meist über dem letzten Aktienkurs. Dies ist der klassische Aktienkauf.

Im Gegensatz zum Aktienkauf handelt es sich beimAktientausch um eine Vereinbarung, wonach der Kaufpreis ganz oder teilweise durch den gegenseitigen Tausch eigener Aktien finanziert werden soll. Hierfür müssen Käufer und Zielunternehmen beide Aktiengesellschaften sein, welche die jeweiligen Aktien im Bestand haben.

Im Falle eines freundlichen Übernahmeangebots kommt es zu einer Reihe von Verfahrensschritten, denen zusätzlich gesetzlich vorgesehene Fristen zugrunde liegen. Häufig finden bereits im Vorfeld einer Übernahme erste Gespräche statt, ehe es zur Information der Öffentlichkeit kommt. Aufsichtsräte und Vorstände der beiden Unternehmen tauschen sich aus.

Eine sogenannte Übernahmekommission prüft anschließend das Übernahmeangebot und leitet das gesamte Übernahmeverfahren aktiv. Als erste öffentlich sichtbare Handlung wird die Voranmeldung publiziert. Diese fungiert zudem als Stichtag für die Berechnung des Mindestpreises.

In der Folge kommt es zur Veröffentlichung des Angebotsprospekts. Dieses enthält sämtliche Informationen und informiert die Anleger über beteiligte Personen, Finanzierung des Übernahmeangebots, Bedingungen und vieles mehr. Nach Veröffentlichung des Angebotsprospektes folgt die in der Regel zehn Börsentage dauernde Karenzfrist. Diese dient, dass sichergestellt wird, dass der Angebotsprospekt sämtliche rechtliche Anforderungen erfüllt. In der anschliessenden Angebotsfrist kann das Übernahmeangebot durch die Angebotsempfänger angenommen werden. In der Regel dauert diese Frist 20 bis 40 Tage. Als nächster Schritt wird ein Zwischenergebnis veröffentlicht, dem zu entnehmen ist, ob das Übernahmeangebot erfolgreich war. War dieses nicht erfolgreich, gibt es eine mögliche Nachfrist von maximal 10 Börsentagen.

Durch Vollzug schließlich werden die Beteiligungspapiere der Zielgesellschaft an die Anbieterin übertragen. Es kommt zur Veröffentlichung des Endergebnisses. Sofern die Anbieterin nach Vollzug nicht Alleinaktionärin der Zielgesellschaft ist, gibt es unter bestimmten Voraussetungen die Option, die restlichen Beteiligungspapiere der Zielgesellschaft kraftlos erklären zu lassen. Dies wird als Squeeze-out bezeichnet.

Was ist die Zaunkönig-Regelung?

Wenn ein Investor dem Zielunternehmen bzw. Übernahmekanditaten ein Übernahmeangebot unterbreitet hat, hat dieser in Deutschland eine Annahmefrist von vier bis zehn Wochen. Die genaue Frist wird von dem Investor kommuniziert.

Wenn ein Aktionär das Angebot nicht annimmt, kann für die anderen Aktionäre die Zaunkönig-Regelung eintreten: In dieser Situation haben die verbleibenden Aktionäre eineFrist von weiteren zwei Wochen, um sich für oder gegen das Übernahmeangebot zu entscheiden.

In der Fabel verbirgt sich der Zaunkönig beim Wetthoch-Fliegen der Vögel im Gefieder des Adlers. Damit wurde er zum König der Vögel. Ähnlich dem Zaunkönig sind die Kleinaktionäre fein heraus: Sie warten in Ruhe ab, wie die übrigen Aktionäre auf die Übernahme reagieren. Wenn alle anderen Aktionäre verkauft haben, können sie sich in den weiteren zwei Wochen noch anschließen.

Was ist ein Squeeze-out?

In Zusammenhang mit Unternehmensübernahmen ist der Squeeze-out in der deutschen Gesetzgebung verankert. Er ermöglicht dem Hauptaktionär, sämtliche Aktien des Zielunternehmens in Besitz nehmen zu können, wenn sich einzelne Aktionäre weigern ihre Wertpapiere zu verkaufen.

Ein Hauptaktionär besitzt mindestens95 % aller ausgegebenen Aktien. In dieser Position hat er das Recht, die restlichen Aktionäre mit einerangemessenen Abfindung aus dem Unternehmen zu drängen. Bei einem eventuellen Börsenabgang (Delisting) ist dies beispielsweise ein notweniger Schritt.

Der Mehrheitsaktionär ist in der Lage, die Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen zu drängen. Das Ziel hierfür ist in der Regel die vollkommene Kontrolle. Für einen Kleinaktionär stellt das Squeeze-out einen Zwangsverkauf dar. Er wird systematisch ausgeschlossen und kann nichts dagegen tun.

Nach den Übernahmeangebots-Richtlinien darf der Besitzer von 95 % des Grundkapitals die Übertragung der restlichen Aktien beantragen. Hierfür benötigt er keine Hauptversammlung.

Fazit: Übernahmen als Disziplinierung

Die Anzahl von Unternehmenskäufen steigt in Deutschland. Strategische Investoren und Beteiligungsgesellschaften erweitern ihre Portfolios mit solchen Übernahmen.

Besonderskleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland sind bei Fusionen und Übernahmen sehr gefragt. Jährlich kommt es zu mehr als1.100 M&A-Deals. Investoren aus China, Indien oder den USA versuchen durch Unternehmensübernahmen denEinstieg in den deutschen Mittelstand zu schaffen.

Dabei kommt es auch zu feindlichen Übernahmen: Die Investoren versuchen die Kontrolle des Zielunternehmens gegen den Willen des Managements zu erlangen. Das Angebot an die Aktionäre liegt meist 20 – 30 % über dem aktuellen Aktienkurs. Diese „Übernahmeprämie” wird oft durch Kredite finanziert. Der Investor tilgt diese nach erfolgreicher Übernahme durch Verkauf von Teilen des Zielunternehmens oder bürdet diese als Schulden dem übernommenen Unternehmen auf.

Die Aktionäre können bis zu einem bestimmten Punkt das Angebot des Investors ablehnen. Auch das Management hat Möglichkeiten, eine drohende feindliche Übernahme abzuwehren. Man darf nicht vergessen, dass die feindliche Übernahme genau genommen der pricipal-agent-Theorie entspringt und einDisziplinierungsinstrument ist:

Die Aktionäre eines Unternehmens können das amtierende Management schwer überwachen. Durch die Annahme eines attraktiven Angebots eines Investors ist der Aktionär in der Lage, ein unfähiges oder korruptes Management aus dem Amt zu entfernen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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