Frontier Markets: die Schwellenländer der Zukunft

Manchmal lohnt sich der Blick über den Zaun der vertrauten Anlagehemisphäre. Als etwa 2009 die Finanzkrise zuschlug, zeigten die die asiatischen Märkte erstaunlich unberührt. Davon abgesehen waren ETFs als passive Indexfonds mit ihrer eingebauten Streuung weniger anfällig als Investments in Einzelaktien.

Frontier Markets ETFs: vom Brexit unbeeindruckt

Damals waren Schwellenländer der Renner. Derzeit feiern die Emerging Markets wieder ein Comeback. Spannender aber sind nun Frontier Markets-ETFs. Auch an ihnen scheinen Unsicherheiten durch Trump oder mehr noch den Brexit vorbeizugehen. Während nach dem Ausstiegsvotum der Briten die Finanzmärkte in Turbulenzen kamen, zeigte keiner der Frontier Markets-ETFs bzw. Indizes eine nennenswerte Delle.

Der S&P Select Frontier-ETF etwa des Deutsche Bank Ablegers db-X Trackers kletterte seit seinem Tiefpunkt vor gut einem Jahr von 8 € stetig auf über 11 €. Ende 2016 stieg die Kurve dann steil an. Die Jahresperformance beträgt damit 33,58 %. Der Dax-ETF aus demselben Haus brachte es in dem Zeitraum auf 22,61 %.

Frontier Markets sind Grenzmärkte. Der S&P Index, der dem db-X-ETF zugrunde liegt, beinhaltet die 40 größten und liquidesten Aktienunternehmen aus Ländern wie Kroatien, Litauen, Slowakei aber auch Nigeria, Kenia, Jordanien, oder Argentinien und Vietnam. Schwergewichte nach Branchen sind Finanzdienstleister, Energie, Konsumgüter, IT-Software sowie Rohstoffe.

Kleine Volkswirtschaften mit eigener Dynamik

Bei Frontier Markets handelt es sich um kleinere Volkswirtschaften mit weniger entwickelten Kapitalmärkten. Der Vorteil gegenüber Schwellenländern: Sie sind unabhängiger vom globalen Wachstum und von Rohstoffpreisen. Vor allem haben sie bedeutend mehr Potenzial, wobei die Ausgangslage verschieden ist.

Argentinien zum Beispiel sieht nach langer Flaute wieder Licht. Die neue Regierung packt Reformen an. Und nach der Einigung mit amerikanischen Hedgefonds ist das Land wieder am Kapitalmarkt präsent. Steueranreize und Innovationsoffensiven sollen die Wirtschaft für den Weltmarkt konkurrenzfähiger machen.

Oder Vietnam: Aufgrund des mittlerweile stark gestiegenen Lohnniveaus in China verlagern immer mehr Unternehmen ihre Fertigung dorthin. Die Regierung in Hanoi orientiert sich teilweise am nördlichen Nachbarn und investiert seit geraumer Zeit gezielt in die Infrastruktur. Andere vergleichbare Indizes enthalten etwa auch Saudi Arabien, das sich wirtschaftlich umkrempelt, von der Ölabhängigkeit verabschiedet und seine Geldreserven in die Zukunft investiert.

Erhebliche Schwankungen einkalkulieren

Die Potenziale sind verlockend. Die Risiken aber durchaus erheblich. Zwar sind die meisten Länder von der Geldpolitik der USA relativ unabhängig, doch zeigen deren Währungen oft starke Schwankungen. Abgesehen vom Währungsrisiko gibt es in etlichen Ländern vergleichsweise wenige börsennotierte Unternehmen, was die Liquidität beschränkt und ebenfalls eine ausgeprägte Volatilität mit sich bringt.

Obendrein ziehen internationale Investoren schnell Gelder ab, sobald sich Krisen abzeichnen, was den Effekt verstärkt. Insgesamt bieten Frontier Markets heute die gleichen Chancen wie einst die Emerging Markets. Als Beimischung können die Schwellenländer der zweiten Generation das Depot beleben.

27. März 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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