Fusion von Renault und Nissan – es hängt wohl an Paris

Eine Fusion von Renault und Nissan nimmt konkrete Züge an. Mit ihr würde eine neue globale Nummer eins in der Autobranche entstehen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Fusionen freuen Anleger, denn sie treiben die Kurse schon im Vorfeld hoch. Nach der Übernahmewelle in der Chemiebranche werden möglicherweise auch in der Autobranche die Karten neu gemischt. Es sind nicht mehr nur Gerüchte, dass Renault und Nissan eine Fusion planen.

Renault Nissan-Fusion gärt schon lange

Wenn nun über eine Hochzeit gesprochen wird, so ist das eigentlich nicht verwunderlich, denn verlobt sind sie schon lange. Renault hält 34 % an Nissan, das seinerseits mit 15 % an Renault beteiligt ist. Obendrein haben beide Unternehmen seit Jahren denselben Chef: Carlos Ghosn, der seit Dezember 2016 auch noch Vorstandschef bei Mitsubishi ist, an dem Nissan wiederum zu 34 % beteiligt ist. Im Prinzip also ein Dreigespann, bei dem Mitsubishi quasi als Junior fungiert.

In der Konstellation kommt die Allianz nach Angaben von Renault auf mehr verkaufte Fahrzeuge als VW oder Toyota. Treibende Kraft hinter dem Plan zur weltweiten Nummer eins aufzusteigen, ist Carlos Ghosn, der allerdings die Regierung in Paris überzeugen muss, ihre Anteile und damit die Kontrolle aufzugeben. Die hatte erst 2015 seinen Anteil auf 19,7 % erhöht, was den Kurs der Renault-Aktie damals auf 98 € trieb.

Der Staatsanteil war bisher ein Hindernis auf dem Weg zur einer weiteren Vertiefung der Beziehung oder gar einer Fusion von Renault und Nissan. Paris stellte sich stur, die Japaner machten Druck. Immerhin ist Nissan längst der größere Partner und bringt zwei Drittel des gemeinsamen Absatzes.

Regierung in Paris muss sich entscheiden

Eine durchaus spannende Geschichte angesichts der Tatsache, dass Ghosn auf beiden Seiten der Chef ist. Einen ersten Schritt hat die französische Regierung bereits gemacht und ihren Anteil auf 15 % reduziert. Präsident Macron muss sich nun entscheiden, zwischen staatlichem Einfluss und einem neuen globalen Champion.

An der Börse hätte der einen Börsenwert von zusammen über 60 Mrd. €. Die Nachricht über konkretere Pläne einer Fusion von Renault und Nissan schob Ende März die Renault Aktie im französischen Leitindex CAC 40 um 7 % auf knapp 100 €. Auch Nissan Papiere legten zu.

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Außer einem Aufstieg zur Nummer eins, sofern die Zahlenangaben von Renault stimmen, und verstärkten Synergieeffekten wird sich für die beiden Konzerne vermutlich nicht sehr viel ändern. Die allerdings können erheblich sein und schon die Marge verbessern, die bei Renault derzeit 6,4 % beträgt und damit Mittelmaß ist. Toyota hingegen schafft es auf 8 %.

Dynamisches Wachstum weltweit

Dafür wächst Renault stärker als der Gesamtmarkt und profitiert besonders außerhalb Europas. Und zwar nicht nur in China, sondern auch von der Dynamik in Afrika/Nahost/Indien. Gerade die Ausrichtung auf praktische, kleinere und sparsame Autos zahlt sich aus.

So erweist sich der neue Kwid in Indien als Renner. Auf die dortigen Bedürfnisse zugeschnitten ist er ab 3.500 € zu haben und das bei äußerst passabler Ausstattung. Der Wagen erobert auch Südamerika und Afrika. Aber auch bei Elektrofahrzeugen ist Renault der Konkurrenz voraus.

Während andere am richtigen Konzept tüfteln, erweist sich der ZOE als alltagstauglich und ist gefragt. Allein hierzulande ist jedes dritte E-Auto von Renault. In der LKW-Sparte versucht man sich ebenfalls als Vorreiter. In Lyon testet Renault einen besonders sparsamen Fünfliter-Motor. Er wird mit einem 3-D-Drucker fabriziert und ist extrem leicht.

Die Pläne für die technische Umsetzung einer Fusion liegen schon länger in der Schublade. Dazu gehört eine in den Niederlanden angesiedelte Unternehmensgruppe mit zwei Hauptsitzen jeweils in Paris und Tokio, wo auch deren Aktien gelistet werden. Aktionäre bekämen dann jeweils Papiere des neuen Unternehmens.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.