Fusion von Siemens und Alstom: mit TGV und ICE zum Zug-Giganten

Noch steht die kartellrechtliche Prüfung des Deals aus. Doch Deutschland und Frankreich unterstützen die beschlossene Fusion von Siemens und Alstom. Zusammengeführt wird das jeweilige Zuggeschäft der bisherigen Konkurrenten. Mit der Ehe von TGV und ICE geht eine Ära nationaler Vorzeigeprodukte zu Ende. Gerade die Franzosen sind stolz auf ihren TGV.

Siemens und Alstom: Fusion unter Druck

Das erinnert etwas an die deutsch-französische Fusion von Krauss Maffei Wegmann mit Nexter und der fast wehmütig vorgetragene Abschied vom deutschen Leopard-Panzer. Emotionale und nationale Aspekte jedoch müssen für den künftigen Erfolg im Weltmarkt hinten anstehen. Und der ist auch in der Zugsparte im Wandel.

Dass die Rivalen Siemens und Alstom eine Fusion als unausweichlich ansehen, erklärt sich mit dem Zusammenschluss der chinesischen Zughersteller CNR und CSR zum neuen Riesenkonzern CRRC. Im Bestreben zur führenden Nation aufzusteigen, hatte die Staatsführung in Peking die Fusion vorangetrieben und ist nun stolz auf einen Giganten, der mehr Umsatz macht als Bombardier, Siemens und Alstom zusammen.

Auch mit Bombardier hatte Siemens lange verhandelt, letztlich aber kamen die Kanadier nicht zum Zuge. Dabei hatte zuvor Alstom Siemens verprellt, als es seine Kraftwerksparte ausgerechnet an den Siemens-Konkurrenten General Electric verkaufte und einen Tausch gegen das Zuggeschäft der Deutschen ausschlug.

Doch der europäischen Fusionsvariante werden die besseren Chancen eingeräumt, CRRC die Stirn zu bieten. Wenigstens kommt der neue Konzern auf einen gemeinsamen Umsatz von 15,3 Mrd. €. Die Chinesen bringen es auf 28,6 Mrd. €. Allerdings liegen die Europäer bei der Ebit-Marge mit 8 % auf Augenhöhe. Bis 2020 soll sie auf bis zu 14 % steigen – vor allem durch Synergieeffekte.

Herausforderungen im Detail

Die Einsparungen werden auf mindestens 470 Mio. € taxiert und etwa ab dem vierten Jahr nach Abschluss der Fusion erwartet. Ob dies mit den abgegebenen Beschäftigungsgarantien funktioniert, muss sich noch zeigen. Alstom kann auf jeden Fall von der Siemens-Signaltechnik profitieren. Auch in Sachen Digitalisierung können die Deutschen auf eigene Kompetenzen im Konzern zurückgreifen.

Die Herausforderung wird sein, bereits eingesetzte Systeme entweder aufeinander abzustimmen oder sich notfalls von einem zu verabschieden. Alstom setzt etwa auf Engineering-Software von Dassault. Die langjährige Zusammenarbeit mit den Landsleuten zugunsten der Lösungen von Siemens zurückzufahren, wird kein einfaches Unterfangen. Im Detail wird es noch mehr derartiger Reibungspunkte geben.

Dabei ist der Druck zu mehr Profitabilität groß. Sie könnte schon jetzt höher sein, denn das Geschäft von Siemens weist eigentlich bessere Werte auf als das der Franzosen. Weil aber die Regierung in Paris, die gut 20 % am Alstom-Konzern hält, eine entsprechend höhere Beteiligung der Deutschen am neuen Geschäft verhindern wollte, sorgte Siemens für eine Angleichung. Es verlagerte Belastungen aus dem Konzern auf die Zugsparte.

Mit der heruntergeschraubten Profitabilität kommt Siemens nun auf einen leicht höheren Anteil von 50,7 %. Dafür wird der Geschäftssitz von Siemens-Alstom, so der neue Name, in den Großraum Paris verlegt. Damit war der Staatsraison Genüge getan: ein „Zusammenschluss unter Gleichen“.

Die Börse freut sich

Und um die Geschäftswerte aneinander anzugleichen, wird ein Teil als Sonderdividende ausgeschüttet. Bis zu 8 € pro Papier gehen an die Alstom-Aktionäre. Zu den größten gehört das Medien- und Bauunternehmen Bouygues.

Siemens wiederum kommt einen Schritt weiter in seinem Rundum-Konzernumbau. Die Windkraft- und Medizintechniksparte sind bereits ausgegliedert. Und in Sachen Digitale Wirtschaft ist Siemens hervorragend aufgestellt. An der Börse kommt die neue Holding-Strategie gut an. Beide Papiere legten am Tag der Fusionsentscheidung zu, die Alstom-Aktie gar um 7 %.

Weniger motiviert ist indes die US-Konkurrenz. General Electric schreibt in seiner Zugsparte, die vorwiegend auf Frachtzüge ausgelegt ist, immer schlechtere Zahlen – und erwägt, sie abzuwickeln oder zu verkaufen. Einzige Alternative wäre eine Fusion mit Bombardier.

29. Oktober 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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