Fusion von ThyssenKrupp und Tata Steel: Konzernumbau schreitet voran

Angekündigt war es schon lange. Doch es brauchte einige Zeit, um sich beim Konzernumbau von den Belastungen der Vergangenheit zu verabschieden. ThyssenKrupp kann dieses Jahr eine weitere Baustelle schließen: Nachdem der Verkauf des verlustreichen brasilianische Stahlwerks CSA Ende September formal abgeschlossen wurden, nimmt nun auch die Abspaltung des Stahlgeschäfts konkrete Formen an.

Fusion von ThyssenKrupp mit Tata Steel: wichtiger Baustein

Durch die Fusion von ThyssenKrupp mit Tata entsteht ein neues europäisches Stahl-Joint Venture mit jeweils hälftiger Beteiligung und Sitz bei Amsterdam. Eine entsprechende Grundsatzvereinbarung wurde dieser Tage unterschrieben. Sie ist die Vorstufe zum eigentlichen Vertrag, der Anfang 2018 das Gemeinschaftsunternehmen an den Start bringen soll.

Dass bei der Fusion von ThyssenKrupp und Tata in Deutschland 2.000 Jobs gestrichen werden, kommt bei den Arbeitnehmern naturgemäß nicht gut an und veranlasste jetzt die SPD-Fraktion im Bundestag zur Warnung, die Stahlsparte „nicht als Bad Bank zum Verlagern von Altschulden zu missbrauchen“.

Doch zum einen erhält die Fusion Arbeitplätze, die anderweitig vermutlich komplett entfallen würden.

Zum anderen ist ein Bad Bank-Effekt impliziter Teil der Abspaltung. ThyssenKrupp schleppt noch genügend Altlasten mit sich herum, die es abbauen muss. Allein das jetzt beendete Brasilien-Abenteuer mit einer Gesamtbelastung von gut 8 Mrd. € machte eine Wertberichtigung um 900 Mio. €  erforderlich, die den Konzern im laufenden Jahr in die roten Zahlen drückt.

Operatives Geschäft verbessert

Dies ist mit ein Grund, warum die Aktie des Essener Konzerns nach dem kurzen Auftrieb anlässlich der Fusionsverkündung im September wieder kräftig Federn lassen musste. Die Freude über den Befreiungsschlag wich einer zunehmenden Skepsis, ob der Markt die Lage nicht etwas zu rosig sieht. Die Schuldensituation darf nicht unterschätzt und die Gewinnperspektiven nicht überschätzt werden. Zudem ist die Eigenkapitalquote anhaltend schwach.

Dennoch: ThyssenKrupp ist auf einem gutem Weg. Was die 50 %-Beteiligung am künftig größten Stahlwerk Europas angeht, so hat sich die Lage für die europäische Branche, trotz der globalen Strukturkrise mit nach wie vor bestehenden Überkapazitäten, spürbar aufgehellt. Im Konzern selbst hat sich generell das operative Geschäft verbessert, was sich in entsprechenden Geschäftszahlen niederschlagen wird.

Neuer Championbereich am Start

Gleichzeitig geht der Konzernumbau weiter. ThyssenKrupp bündelt seine Schmiedeaktivitäten in einem neuen Bereich, der zum Branchenführer werden soll: Forged Technologies. Zum neuen Bilanzjahr ist er mit ca. 7.000 Mitarbeitern an 18 Produktionsstätten Nord- und Südamerika, Indien, China und natürlich Europa an den Start gegangen.

Im Komponentengeschäft will man auf diesem Weg die Profitabilität erhöhen. Dazu gehören eine zentrale Steuerung des weltweiten Produktionsnetzwerks, eine effizientere Anlagennutzung sowie eine stärker Kundenausrichtung. Außerdem sind neue Märkte im Visier: weg von der Abhängigkeit von klassischen Verbrennungsmotoren hin zum künftigen Mobilitätssektor, der Energieerzeugung und Rohstoffgewinnung.

Die Fusion von ThyssenKrupp mit Tata Steel ist letztlich nur ein Schritt in der gesamten Firmenstrategie. Das Konzept, mit dem der Wandel vorangetrieben wird, wirkt überzeugend. Die jüngste Kapitalerhöhung brachte zudem Geld für Investitionen und Wachstum in die Kasse. Auf lange Sicht sind die Aussichten gut.

3. November 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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