Gamestop Aktie: David gegen Goliath

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Kleinanleger führen Hedgefonds vor, der Kurs der Gamestop Aktie schlägt wahnwitzige Kapriolen. Das ist nicht ungefährlich. (Foto: Khongtham/ shutterstock.com)

Jung, männlich, technikaffin – so lässt sich der Durchschnittskunde von Gamestop umschreiben, einem Fachhandel für Computerspiele. Ebenfalls jung, männlich und technikaffin sind offenbar auch viele, die die Einzelhandelskette beziehungsweise ihre Aktien in dieser Woche in die Schlagzeilen katapultiert haben.

Die Gamestop Aktie verzeichnete zuletzt heftige Ausschläge nach oben wie nach unten, mehrfach hat sich der Kurs in den vergangenen Tagen mal verdoppelt, mal halbiert. Wie ist das zu erklären?

Kleinanleger führen Hedgefonds vor

Mit Fundamentaldaten wie etwa Geschäftsbilanzen hat das Börsenchaos nichts zu tun. Stattdessen handelt es sich um ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen privaten Kleinanlegern und institutionalisierten Hedgefonds: Letztere hatten auf fallende Kurse gewettet und sich mit Leerverkäufen entsprechend platziert. Nun verabredeten sich massenweise Kleinanleger zum gleichzeitigen Kauf der Gamestop Aktie und trieben den Kurs in die Höhe.

Die Hedgefonds wurden auf dem falschen Fuß erwischt und mussten ihrerseits nachkaufen, was den Kurs weiter explodieren ließ und Kleinanleger wiederum dazu veranlasste, Kasse zu machen – und so weiter. Online-Handelsplattformen, über die eine Vielzahl der Kleinanleger-Aktivitäten abgewickelt wurden, setzten zwischenzeitlich den Handel mit der Gamestop Aktie aus.

Debatte um Regulierungen

Die Politik blickt ungläubig bis fassungslos auf das Geschehen. Schon werden Debatten laut, wie man derartige Zockereien durch Regulierung unterbinden kann. Nicht zuletzt Hedgefonds beklagen die künstliche Kursmanipulation zu ihren Lasten. Das ist allerdings nur eine Seite der Medaille – denn exakt dieses Vorgehen ist auch bei Profi-Anlegern Teil des Geschäftsmodells. Nur dass Hedgefonds es gewohnt sind, am Ende auf der Gewinnerseite zu stehen.

Waren es also frustrierte Kleinanleger, die den Großen mal zeigen wollten, dass sie nicht allmächtig sind? Ging es um den schnellen Gewinn für den Einzelnen, der mit einem einzigen Aktieninvestment über Nacht seinen Einsatz mehr als verdoppeln konnte? War es gar Systemkritik am spekulativen Börsengeschehen insgesamt?

Die Motivation des Einzelnen ist kaum herauszufiltern, all diese Aspekte dürften mehr oder minder eine Rolle gespielt haben bei den Geschehnissen der vergangenen Tage. Wenn ausgerechnet Hedgefonds nun strengere Regeln einfordern, um Entsprechendes künftig zu unterbinden, beißt sich die Katze selbst in den Schwanz.

Dennoch wäre die Politik wohl gut beraten, auf die steigende Marktmacht von Kleinanlegern zu reagieren, die über Vernetzung in sozialen Medien und Aktienhandel über Onlineplattformen offensichtlich in der Lage sind, mit konzertierten Aktionen mal eben Millionenbeträge in Bewegung zu setzen und für Chaos an der Börse zu sorgen.

Was einmal funktioniert hat, funktioniert auch noch mal

Was bei Gamestop einmal funktioniert hat, kann schon nächste Woche auf eine andere Aktie angewendet werden. Die Folgen für andere Marktteilnehmer sind immens: Denn Hedgefonds müssen kurzfristig umschichten, um Verluste einzudämmen, dazu werden andere Papiere verkauft, wodurch wiederum Aktien völlig unbeteiligter Unternehmen unter Druck geraten.

Die Schockwellen eines Aktienbebens, wie es in dieser Woche bei der Gamestop Aktie zu beobachten war, haben weitreichende Auswirkungen. Die Diskussion um Regulierungsmöglichkeiten aber fängt gerade erst an.

Vertrauen ist nötig – Kontrolle aber auch

Notwendig ist sie allemal, insbesondere in Zeiten, da die Politik von Bürgern immer stärker verlangt, private Altersvorsorge zu betreiben. In langfristigen Niedrigzinsphasen, wie wir sie seit der Finanzkrise vor gut zehn Jahren erleben, bleibt kaum eine Alternative zum Aktieninvestment. Dies aber setzt eine gehörige Portion Vertrauen voraus: Vertrauen in die Mechanismen der Märkte, Vertrauen in die Expertise von Vermögensverwaltern, Vertrauen in den Schutz von Vermögenswerten.

Sollten sich Zockereien wie die um die Gamestop Aktie in Zukunft mehren, dürfte dieses Vertrauen nachhaltig erschüttert werden. Die Folgen einer solchen Entwicklung sind nicht zuletzt in Deutschland zu beobachten: Anleger hierzulande gelten als besonders aktienscheu, was wohl nicht zuletzt auf das Debakel der T-Aktie in den 1990er Jahren und das Platzen der Dotcom-Blase zurückzuführen ist.

Verkommt das Parkett nun erneut zum Casino, steht somit die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge vor neuen Herausforderungen. Dass das gesamte Finanzsystem ins Wanken kommt, wie es einzelne US-Politiker befürchten, erscheint kurzfristig zwar übertrieben. Auf lange Sicht jedoch wird über wirksame Regulierungsmechanismen zu entscheiden sein, damit Experimente wie Gamestop in Zukunft weiterhin die Ausnahme bleiben.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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