Gebrauchtwagen-Kauf: Aussage „scheckheftgepflegt“ muss stimmen

Sie suchen einen günstigen Gebrauchtwagen zum Kauf? Diverse Internet-Portale wie AutoScout24 oder Mobile.de warten mit teilweise recht günstigen Angeboten auf. […]

Sie suchen einen günstigen Gebrauchtwagen zum Kauf?

Diverse Internet-Portale wie AutoScout24 oder Mobile.de warten mit teilweise recht günstigen Angeboten auf.

Am günstigsten sind in aller Regel die Autos von Privatverkäufern. Aber sie sind trotzdem nicht immer die beste Wahl, wie der folgende Fall zeigt:

Verkäufer hat regemäßige Wartungen glatt erfunden

Als „scheckheftgepflegt“ und 55-kW-stark bot ein privater Verkäufer seinen VW Polo auf einem Internet-Portal an.

Für eine 55-Jährige war dies das entscheidende Kaufargument. Für 1.950 € kaufte sie den PKW. Das böse Erwachen kam dann nach dem Kauf:

In der Werkstatt stellte sich heraus, dass die Leistungsich auf lediglich 44 kW belief. Und außerdem könne von regelmäßiger Wartung überhaupt nicht die Rede sein.

Das Fahrzeug wies gravierende Mängel auf, die offenbar vorher niemand bemerkt und beseitigt hatte.

Das vermeintliche Scheckheft mit seinen Wartungs-Einträgen war also glatt erfunden.

Als die Käuferin das Fahrzeug zurückgeben und den Kaufpreis zurückbekommen wollte, scheiterte sie.

Der Verkäufer verwies auf den vorgedruckten Standard-Kaufvertrag für Privatleute, den die beiden Vertrags-Parteien beim Kauf verwendet hatten.

Demnach war eine Mängel-Haftung ausgeschlossen. Die Käuferin verklagte schließlich den Verkäufer – und hatte Erfolg.

Gericht: Hier liegt arglistige Täuschung vor

Die Haftung für Sachmängel kann nur dann ausgeschlossen werden, wenn der Verkäufer sich nichts hat zu Schulden kommen lassen.

Hier aber habe er offensichtlich mit voller Absicht falsche Angaben gemacht. Das sei arglistige Täuschung, so das Amtsgericht München (05.05.2015, Az. 191 C 8106/15).

Es sprach der Käuferin deshalb das Recht zu, den Kauf rückabzuwickeln. Sie durfte das Fahrzeug also zurückgeben, und der Verkäufer musste ihr den Kaufpreis voll erstatten.

Tipp: Wer beim Händler kauft, genießt 12-monatige Gewährleistung

Überlegen Sie sich also gut, ob Sie ein Auto wirklich aus privater Hand kaufen wollen!

Finanziell kann sich das als großer Reinfall entpuppen. Denn nicht immer ist die Beweislage so eindeutig wie im hier zitierten Fall.

Mein Tipp für Sie: Kaufen Sie Gebrauchtwagen lieber vom Händler, auch wenn das womöglich etwas teurer ist. Ihr Vorteil: Ein Händler darf die Gewährleistung nicht vollständig ausschließen.

Er darf sie allenfalls von den gesetzlich vorgeschriebenen 2 Jahren auf 1 Jahr verkürzen. Das heißt für Sie: Volle 12 Monate lang können Sie Sachmängel nach dem Kauf eines Gebrauchtwagens noch geltend machen.

Dabei brauchen Sie sich mit dem Händler gar nicht herumzustreiten, ob er womöglich falsche Angaben gemacht hat oder nicht.

Sie haben so oder so ein Recht auf Nachbesserung, Kaufpreis-Minderung oder schlimmstenfalls sogar Rückabwicklung.

Und diese Sicherheit sollte Ihnen der Aufpreis doch wert sein!

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Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst (MBA) ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin und schreibt vorwiegend Ratgebertexte. Sie hat mehrere Bücher zu den Themen Börse, Geldanlage, Immobilien, Recht & Steuern sowie Kommunikation verfasst. Daneben arbeitet sie als Dozentin an der Business School Alb-Schwarzwald, die zur Steinbeis Hochschule Berlin gehört.

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