Geld verdienen mit Krypto-Mining: Chancen, Risiken, Alternativen

Das Mining von Bitcoin und Co. scheint ein lukratives Geschäft zu sein – aber ist das Schürfen der Kryptowährungen wirklich so einfach? (Foto: Morrowind / Shutterstock.com)

Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, erleben seit einigen Jahren einen – zeitweise wechselhaften – Boom. Vom alternativen Zahlungsmittel hat sich das virtuelle Geld in den vergangenen fünf Jahren zu einem beliebten Spekulationsobjekt entwickelt.

Der Gegenwert in „realer“ Währung ist teilweise exorbitant gestiegen, genauso wie der Wunsch vieler Investitionswilliger, sich am Hype zu beteiligen. Immerhin locken selbst in kurzen Zeiträumen erhebliche Gewinne.

Ganz so einfach ist es dann bei genauerer Betrachtung allerdings doch nicht, das eigene Stück vom Krypto-Kuchen abzubekommen.

Krypto-Mining: Der einfache Weg zum Reichtum?

In der Theorie hört sich das Konzept des Minings recht einfach an: Man besorgt sich einen Rechner mit ausreichend Rechenleistung, dazu die notwendige Software und ab diesem Zeitpunkt kann man (theoretisch) dabei zusehen, wie der sogenannte Mining Rig das Geld einfährt. Was nach einer Möglichkeit klingt, mit der selbst absolute Technik-Laien den großen Wurf landen können, erweist sich aber als eine durchaus komplexe Angelegenheit.

Das liegt zum einen daran, dass die zugrundeliegende Blockchain-Technologie bereits auf Komplexität beruht. Um mit ihrer Hilfe Transaktionen durchführen zu können, müssen hochkomplexe kryptografische Algorithmen aufgelöst werden. Auch das kann in der Theorie von handelsüblichen Rechnern übernommen werden. Tatsächlich sind sogar Smartphone-Apps in Umlauf, die ohne das Wissen der Besitzer die Rechenkapazität der Telefone ausnutzen, um Bitcoins oder andere Kryptowährungen zu schürfen.

Das größte Problem liegt allerdings in der Natur der Technologie selbst – die ist so angelegt, dass mit steigender Zahl der Transaktionen auch die Komplexität der zu lösenden Algorithmen steigt. Wer unter diesen Voraussetzungen tatsächlich am Mining verdienen will, wird daher um einige Investitionen nicht herumkommen. Erschwerend kommt hinzu, dass Bitcoin und Co. zu der Sorte Investitionsanlage gehören, bei der das Return of Investment von einer Vielzahl an Variablen abhängt.

Daran ändern auch die unterschiedlichen Wege – Proof of Work und Proof of Stake –, um an die begehrten Bitcoins zu kommen, nicht viel. Die Faktoren, die die Preisentwicklung und damit die Einnahmen beeinflussen, bleiben stets dieselben.

Allen voran die begrenzte Anzahl verfügbarer Bitcoins, die wegen der drastisch gestiegenen Nachfrage die Preise hat in die Höhe schnellen lassen. Die Auswirkungen dieses simplen Angebot-und-Nachfrage-Prinzips sind es letztlich auch, die für den anhaltenden Run auf die virtuellen Währungen sorgen.

Denn die Investoren spekulieren auf einen weiteren Anstieg der Bitcoin-Preise, wodurch sich die investierten Summen schnell wieder amortisieren ließen. Trotzdem bleibt nur erneut die Frage zu stellen, ob das wirklich so einfach ist.

Krypto-Mining: Die Voraussetzungen

Grundlegende Voraussetzung, um überhaupt mit dem Schürfen nach Kryptowährungen beginnen zu können, ist das Verständnis für die Zusammenhänge. Auf eine ganz einfache Rechnung heruntergebrochen verhält es sich damit nämlich wie folgt: In erster Linie geht es darum, Strom in Geld umzuwandeln.

Das ist, wie der einführende Abschnitt bereits gezeigt hat, eine stark vereinfachte und verkürzte Darstellung dessen, was beim Mining tatsächlich passiert.

Im Grunde genommen ist es aber genauso: Das Auflösen der Algorithmen beansprucht immense Rechenleistungen, für die wiederum eine große Menge Strom benötigt wird. Um unter diesen Voraussetzungen erfolgreich Geld verdienen zu können, müssten also folgende Faktoren unbedingt berücksichtigt werden:

  • eine hohe Megahash- bzw. Gigahash-Leistung pro Sekunde
  • möglichst niedrige Stromkosten
  • ein möglichst niedriger Stromverbrauch pro Mega- oder Gigahash – oder eben pro erzeugtem Bitcoin

Es läuft also auf eine ebenfalls einfache Kosten-Nutzen-Rechnung hinaus, bei der die Ausgaben für den Strom zur wichtigsten Größe gehören. Natürlich kann man argumentieren, dass der finanzielle Erfolg ohnehin immer im Ermessen des Miners liegt.

Aber selbst für diejenigen, die mit minimalen Erträgen zufrieden wären, kommt durch die ansteigenden Anforderungen irgendwann der Zeitpunkt, an dem das Mining nicht einmal mehr kostendeckend ist.

Hinzu kommen die notwendigen Investitionen in die Hardware, da ein Standard-Rechner zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum noch auch nur annähernd die Rechenleistung bringen könnte, die es eigentlich bräuchte.

Die Hardware

ASICs

Gewinnmaximierung funktioniert beim Mining nur über eine Maximierung der Rechenleistung. Das ist eine Frage der Hardware, die möglichst gut auf das Lösen der Algorithmen abgestimmt sein sollte. Die „einfachste“ Lösung sind sogenannte ASIC‑Spezialchips, was für Application Specific Integrated Circuit steht. Übersetzt bedeutet das, dass diese Art Chip über eine anwendungsspezifische integrierte Schaltung verfügt. Dadurch ist seine Funktion nach der Produktion festgelegt und kann danach nicht mehr verändert werden.

Für das Mining ist das aber auch unerheblich, denn die Anpassung sorgt letztlich dafür, dass mit den ASICs eine deutlich effizientere und schnellere Arbeitsweise möglich ist, als etwa die gleichen Aufgaben per Software zu lösen. Da die Chips tatsächlich ganz nach den Bedürfnissen der Nutzer hergestellt werden können, scheinen sie für das Bitcoin-Mining ideal. Allerdings ist eine passgenaue Produktion mit hohen Investitionskosten für die Entwicklung verbunden – was durch geringere Produktionskosten ausgeglichen werden könnte.

Steht allerdings nur Kapital für eine kleine Stückzahl zur Verfügung, lohnt eine Investition womöglich schon nicht mehr. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Entwicklungszeit deutlich länger ist als bei anderen Bauteilen.

Unter Umständen genügen einmal entwickelte und produzierte Chips den Ansprüchen der komplexer werdenden Algorithmen nicht mehr zur vollsten Zufriedenheit, wenn sie denn in den vorhandenen Mining-Rigs verbaut werden können.

Grafikkarten

Eine andere Möglichkeit, ausreichend Rechenleistung mit seinem Rig generieren zu können, sind leistungsstarke Grafikkarten. Statt detaillierte, realistische Computerspiel‑Welten zu erschaffen, können vor allem Grafikkarten aus dem Hause AMD dazu verwendet werden, Bitcoins zu schürfen. An die Leistungen der Spezialchips kommen sie jedoch trotzdem nicht heran, weshalb die weitere Hardware zunehmend darauf ausgelegt wird, mehr als eine Grafikkarte in das System zu integrieren.

Auf einem Mainboard ist das aber wiederum nicht umsetzbar, da die hierzu notwendigen Steckplätze fehlen. Um dennoch auf drei oder mehr Grafikkarten gleichzeitig zugreifen zu können, werden stattdessen beispielsweise PCIe-x1-Adapter und entsprechende Kabel verwendet, um die Anbindung dennoch zu realisieren.

Daraus ergibt sich aber wiederum ein anderes Problem, da nicht nur die Mainboards, sondern auch die Gehäuse nicht auf eine derartige Anzahl an Grafikkarten ausgelegt sind. Sollen etwa zwischen sechs und acht Grafikkarten mit dem Mainboard verbunden werden, bleibt im Prinzip nur ein offener Montagerahmen als brauchbare Alternative.

Es geht natürlich auch kleiner, verschiedene Hersteller haben den Trend erkannt und liefern Interessierten gewissermaßen die fertige Spezialhardware ins Haus. Die fängt schon in der Größe eines USB-Sticks an, kann aber auf Wunsch auch größer und damit leistungsstärker ausfallen. Als potenzieller Miner erspart man sich auf diesem Wege das Zusammensuchen und -bauen der benötigten Komponenten.

Das könnte sich gegebenenfalls ohnehin als schwierig erweisen, denn immer wieder ist von einer derart überhöhten Nachfrage nach bestimmten Grafikkarten zu hören, dass die Marktsituation zwischen Lieferengpässen und Ausverkauf liegt. Aktuell sieht es auf dem Markt für Grafikkarten aber eher nach ein wenig Entspannung aus. Grund hierfür ist allerdings einmal mehr ein für das Mining entwickelter ASIC, mit dem nun auch das Schürfen von Ethereum möglich ist.

Sekundärmarkt für Hardware

Nachfragebedingt haben sich deshalb die Preise vor allem für Grafikkarten stark erhöht, was es für private Nutzer nur noch schwieriger macht, ein kosteneffizientes Mining-Rig zusammenzubasteln. Alternativ besteht jedoch die Möglichkeit, solche Rigs – auch aus Eigenbau – direkt zu erstehen. Analog zu den Preisen für die Kryptowährungen sind nämlich die Preise für derartige Rechner gestiegen, weshalb es inzwischen ebenfalls ein lukratives Geschäft geworden ist, Mining-Rigs über verschiedene Verkaufsportale zu veräußern.

Günstiger wird es dadurch für den Endnutzer keineswegs, die Preise liegen deutlich im vierstelligen Bereich. Der schnelle Einstieg ins Mining kostet also und am Ende bleibt immer fraglich, ob diese Summe innerhalb eines annehmbaren Zeitraums amortisiert werden kann. Schließlich bedeutet die Investition in höhere Rechenleistung gleichzeitig auch höhere Folgekosten für Strom.

Der Markt für Einsteiger, die nicht auf die eigenen Hardware-Kenntnisse vertrauen wollen, scheint dennoch vorhanden zu sein. Immerhin wird derzeit daran gearbeitet, neue Algorithmen zu finden, die auch das Schürfen mit Standard-Hardware wieder effizienter machen sollen.

Software, Pools und Clients

Anders als bei der Software sind die Ansprüche an die Software vergleichsweise gering. Dennoch kommen ihr wichtige Aufgaben zu, etwa die Überwachung des gesamten Mining-Prozesses, wozu eben nicht nur die erreichte Hashrate und die Mininggeschwindigkeiten gehören, sondern ebenfalls die Lüfter- und Temperaturregelung des Rechners. Ansonsten wird die Software benötigt, um

  • eine Verbindung des Miners mit der Blockchain herzustellen (das gilt für solche, die für sich alleine schürfen wollen);
  • eine Verbindung mit dem Mining-Pool herzustellen (das gilt für alle, die lieber im Verbund mit anderen schürfen wollen).

Wallets – digitale Geldbörsen

Außerdem muss die geeignete Software zum Erstellen einer sogenannten Wallet installiert werden (Hinweis: Es gibt im Übrigen einen synonymen Gebrauch von Wallets und Clients. In manchen Fällen ist die Wallet-Verwaltung nur eines der Features, das zum Funktionsumfang eines Clients gehört – so etwa beim Bitcoin Core oder BitcoinQT, bei dem es sich um den ersten Bitcoin Client überhaupt handelt).

Die eWallets dienen als virtuelle Geldbörse, in denen die gesammelten (oder gekauften, geschenkten) Bitcoins oder sonstigen Kryptowährungseinheiten hinterlegt werden. Wobei das nicht ganz richtig ist, tatsächlich werden in der Wallet lediglich die digitalen Schlüssel gespeichert, um überhaupt auf die Bitcoins zugreifen zu können. Die Schlüssel gibt es in zwei Varianten, der öffentliche ist für den Erhalt der Bitcoins bestimmt, der private kann für Zahlungen genutzt werden.

Bei den Wallets selbst gibt es mehrere Optionen, dazu gehören:

  • Desktop-Wallets
  • Browser-Wallets
  • Hardware-Wallets
  • mobile Apps

Die unterschiedlichen eWallets machen jeweils unter verschiedenen Voraussetzungen mehr oder weniger Sinn. Die Frage ist demnach, was genau mit den Wallets getan werden soll. Um etwa schnell und von überall Bitcoin-Beträge zu transferieren, ist eine App für das Smartphone sicherlich die sinnvollste Variante. Hardware-Wallets, die gar nicht ans Internet angeschlossen sind (jedenfalls nicht permanent), eignen sich hingegen eher für Back-Ups.

Abgesehen von der Art der Nutzung ist natürlich eine individuell zu klärende Frage, was von einem Wallet erwartet wird – neben Anonymität, der Bedienbarkeit oder der Geschwindigkeit ist vor allem Sicherheit ein wichtiger Aspekt. Die betrifft nicht zuletzt etwa die Möglichkeit, insbesondere den privaten Schlüssel lokal verwalten und speichern zu können. Tatsächlich ist das nicht mit allen Anbietern möglich, manche setzen stattdessen auf eine Speicherung der Schlüssel auf externen Servern.

Der Mining-Pool

Da sich die Aussichten auf große Gewinne für sogenannte Standalone-Miner aus verschiedenen Gründen verschlechtert haben (wovon eine die vielzitierte Difficulty der Blockchain ist, also die Komplexität des Algorithmus), ist es für viele Miner eine einfachere Alternative, sich einem der zahlreichen Mining-Pools anzuschließen.

Die eigene Rechenkapazität wird in so einem Pool mit der anderer Miner verbunden, was insgesamt die Chancen erhöht, mehr Einheiten in der Kryptowährung der Wahl zu generieren.

Der Verdienst wird dabei auf die beteiligten Miner aufgeteilt, was für gewöhnlich gleichmäßig nach der erbrachten Leistung für das Finden eines Blocks in der Kette geschehen soll. Für die Berechnung der anteiligen Belohnung gibt es jedoch unterschiedliche Verfahren. Im Grunde genommen ist zur Beteiligung an einem Mining-Pool nicht viel mehr notwendig, als sich bei dem favorisierten Pool anzumelden.

Die Erwartungen sollten allerdings nicht zu hochgeschraubt werden: Einen nennenswerten Beitrag zum gesamten Mining können nur ausreichend große Pools leisten, was bedeutet, dass der Anteil je nach beigesteuerter Rechenleistung trotzdem wieder kleiner ausfallen wird. Umgekehrt ist mit kleineren Pools nicht zu erwarten, dass die insgesamt eingefahrenen Belohnungen dasselbe Niveau erreichen, wie es mit größeren Pools möglich ist.

Alternative Cloud-Mining?

Theoretisch geht es aber sogar noch einfacher, ganz ohne den Einsatz eigener Hardware: Beim Cloud-Mining wird die Rechenkapazität von einem entsprechenden Anbieter in der Cloud gemietet oder eventuell sogar gekauft. Die Rechenleistung (in Hashes pro Sekunde, meist in den Abstufungen Kilo-, Mega-, Tera- oder Peta-Hashes) wird vertraglich zugesichert, die Laufzeit liegt meistens bei einem Jahr.

Die Gewinnbeteiligung ist prozentual, folglich werden mit höheren Hash-Werten höhere Gewinne erzielt. Dementsprechend sollten die Kosten (also zunächst die einmalige Zahlung für den Vertrag), abhängig von der gemieteten Rechenleistung, mehr oder weniger schnell wieder eingefahren werden können.

Steuern und andere Kosten für Cloud-Mining

Das hängt aber auch von weiteren Kosten (mehr zu den Mining-Kosten im Allgemeinen siehe unten) ab, die noch anfallen. Nicht unüblich sind beispielsweise sogenannte Maintenance Fees, also Wartungsgebühren, mit denen die Anbieter ihre Ausgaben für die Anlagenwartung, den Strom und das Personal bestreiten.

Hinzu kommt, dass es aus steuerrechtlicher Sicht erst einmal vollkommen unerheblich ist, ob man das Mining lokal und persönlich durchgeführt hat oder sich die dazu notwendige Rechenleistung von jemandem „geliehen“ hat – das „digitale Schürfen“ ist steuerpflichtig, genauso wie jede andere Art des Minings (siehe hierzu ebenfalls unten).

Darüber hinaus ist bei der Auswahl des Anbieters darauf zu achten, ob dieser als seriös beurteilt werden kann. Das Prinzip ist grundsätzlich sehr einfach: Der Anbieter schafft die notwendige Ausrüstung an und stellt die damit erreichte Rechenleistung gegen Bezahlung zur Verfügung. Um überhaupt eine derartige Rechenleistung erreichen zu können, sind unter normalen Bedingungen regelrechte Mining-Farmen erforderlich.

Risiken durch unseriöse Anbieter

Für das Geschäftsmodell als solches sind sie das allerdings nicht zwingend. Es besteht durchaus die Gefahr, einem Anbieter ohne eigene Mining-Hardware aufzusitzen, der sein Geld im Rahmen eines Schneeballsystems verdient. Die Beiträge von Neukunden werden verwendet, um die Gewinne von Bestandskunden zu zahlen. Ein stetiger Fluss solcher neuen Kunden (die für gewöhnlich mit deutlich günstigeren Vertragskonditionen geködert werden) gewährleistet zumindest für einen bestimmten Zeitraum das Aufrechterhalten des Systems. Neue Bitcoins oder Einheiten anderer Währungen werden damit aber überhaupt nicht produziert.

Ansonsten gelten beim (seriösen) Cloud-Mining dieselben Schwierigkeiten, wie bei allen anderen Varianten auch: Es gibt keinerlei Garantie dafür, dass das Investment wirklich im vertraglich festgelegten Zeitraum eingeholt werden kann. Da sich die gemietete Rechenleistung nicht verändert, die Anforderungen jedoch schon, besteht durchaus die Möglichkeit, dass der Vertrag schon vor dem Ende der Laufzeit unrentabel wird. Für solche Fälle beinhalten manche Verträge deshalb Zusatzklauseln, die den Vertrag dann sogar aussetzen. Das investierte Geld muss dann als Verlust verbucht werden.

Krypto-Mining: Die Kosten

Was jedoch nicht vernachlässigt werden sollte: Die Pool-Betreiber erheben für die Beteiligung am gemeinschaftlichen Mining eine Gebühr. Die wird üblicherweise von der verteilten Belohnung abgezogen, ist aber trotz allem ein Kostenpunkt, der den schlussendlichen Ertrag drücken kann. Ähnlich verhält es sich mit den Gebühren für Online-Wallets.

Ausgaben für die Ausrüstung

Natürlich, und das wurde ja inzwischen auch schon oft genug erwähnt, sind das nicht die entscheidenden Kosten. Die größten Posten sind und bleiben die Hardware und der Strom. Die Ausgaben für ein Mining-Rig kann man möglicherweise noch mit dem Verweis auf den break-even-point argumentieren, also den Zeitpunkt, wenn eben jene Kosten durch das Schürfen wieder verdient wurden. Ab diesem Punkt ist dann die Amortisation vollendet und alle zukünftigen Einnahmen könnten als Gewinne verbucht werden.

Die Probleme mit dem break-even-point

Diese Rechnung funktioniert aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, vornehmlich müssten die mit der vorhandenen Rechenleistung eingefahrenen Gewinne über den gesamten Amortisationszeitraum auf einem gleichmäßigen Niveau bleiben. Ein solcher Denkansatz ist aus verschiedenen Gründen allerdings recht optimistisch:

  • In Anbetracht der teilweise rasanten Kursentwicklung, wie sie etwa bei Bitcoin zu beobachten waren, kann von einer gleichmäßigen Entwicklung nicht ausgegangen werden.
  • Selbst wenn es keine Kursabfälle gäbe, stellt sich immer noch das Problem der steigenden Difficulty, die eben auch höhere Anforderungen an die Rechenleistung stellt.

Mehr Rechenleistung bedeutet aber ebenfalls höhere Stromkosten. Die fallen ohnehin hoch genug aus, weil sich das Mining nur bei durchgehendem Betrieb der Mine überhaupt lohnt. Wer nicht gerade über einen äußerst günstigen Stromtarif verfügt, wird an dieser Stelle die größten Einbußen verzeichnen müssen.

Steuern für Mining

Hinzu kommt, dass die virtuelle Währung ganz real versteuert werden muss: Die erzielten Gewinne fallen nämlich, das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, unter die Einkommenssteuer. Ganz unproblematisch ist die Erhebung der Steuern allerdings nicht. Eine behördliche Regulierung der Kryptowährungen gibt es bislang nicht (was sie ja für Miner und Investoren so attraktiv macht), die Erfassung durch die Finanzämter ist schwierig – insbesondere dann, wenn die Transaktionen über ausländische Handelsplätze abgewickelt werden.

Trotzdem gilt es, nach dem EuGH-Urteil einige Aspekte beim Umgang mit Kryptowährungen zu beachten:

  • Die Gewinne sind steuerfrei, wenn sie über den Zeitraum von einem Jahr gehalten wurden. Ansonsten fallen sie unter den jeweiligen Einkommenssteuersatz, inklusive Solidarzuschlag und Kirchensteuer.
  • Anders als bei Aktien oder Anleihen kommt daher nicht die Abgeltungssteuer zur Anwendung.
  • Einen erheblichen steuerlichen Unterschied macht es überdies, ob das Mining nur gelegentlich im privaten Rahmen betrieben wurde oder doch auf gewerblicher Basis – was theoretisch schon in dem Moment erfüllt wäre, wenn für den Zweck des Minings eigens Hardware gekauft würde.

Insgesamt betrachtet besteht eine der Schwierigkeiten in der steuerlichen Handhabung darin, dass die Besteuerung in unterschiedlichsten Situationen greift. Etwa auch dann, wenn mit Bitcoin in einem Laden oder einem Restaurant gezahlt wird oder die virtuelle Währung in reale Euros zurücktauscht – denn das wird als Verkauf gewertet. Wer sich also steuerrechtlich auf sicherem Boden bewegen möchte, ist gut damit beraten, alle seine Transaktionen plus kursrelevante Daten jederzeit sorgfältig zu dokumentieren.

Fazit: Hohe Gewinnaussichten bei noch höheren Risiken

Bei allen Möglichkeiten, welche die Blockchain-Technologie bieten mag, ist sie im Bereich des Krypto-Mining dennoch begleitet von vielerlei Unwägbarkeiten. Das Mining, sofern es nicht mit großem Aufwand betrieben wird, kommt daher am Ende einer Wette gleich – mehreren sogar, wenn man genau sein will:

  • Der Miner wettet beispielsweise darauf, dass die geschürfte Kryptowährung ihren Wert mindestens behält, wenn nicht sogar erhöht.
  • Er wettet ebenfalls darauf, dass er mit der eingebrachten Rechenleistung konstant Gewinne auf einem gleichbleibenden Niveau generieren kann.
  • Zuletzt wettet er darauf, dass die erzielten Gewinne über den laufenden Kosten (vor allem für Strom) liegen.

Wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, sind diese Faktoren, angefangen mit dem Wert einer Kryptowährung, bei einem begrenzten Gut mit wachsenden Anforderungen an die Gewinnung keineswegs konstant. Langfristig ist zumindest für das Mining in überschaubarem Maß kaum die Gewinne zu erzielen, die sich viele Investoren und Einsteiger erhoffen.


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Markus Müller
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.