Geldanlage bei steigender Inflation: Vorsorge besser mit Value-Aktien

Die Inflation zieht an und frisst die Rendite der Geldanlage. Inflationsschutz aber ist schwierig. (Foto: dominic8 / Shutterstock.com)

Zeitenwende und umdenken: Nach langen Deflationsängsten zieht die Inflation wieder spürbar an,  und wird sich verstärken. Der Blick richtet sich auf inflationsgeschützte Geldanlagen. Dabei geht es um mehr als Gold und Immobilien. Zum Beispiel Anleihen und Fonds mit Inflationsausgleich. Lohnt sich das?

Inflation und Geldanlage – altes Thema neu aufgelegt

Wer ernsthaft Vermögen aufbauen will, kennt den Zusammenhang zwischen Inflation und Geldanlage. Es geht um die alte Kernfrage: Wie entkomme ich der Inflation? Eine Geldanlage muss eine Rendite abwerfen, die über dem Wert der Geldentwertung liegt, alles andere ist ein Verlustgeschäft. Lange Jahre ging man von Durchschnittswerten um die 2,4 % aus.

Kurz vor der Finanzkrise schoss die Inflation in der Eurozone Richtung 4 % und stürzte danach in den Minusbereich. 2012 wurden nochmals 3 % erreicht. Doch danach ging es bergab. Vor einem Jahr betrug der Wert minus 0,2 %.

Schon zuvor ging das Gespenst der Deflation um. Die Sparspirale, die alles nach unten zieht. Während der Dax mit seinen Aktien über 7 % Rendite brachte, gingen Sparer mit Nullkomma-Zinsen leer aus. Die EZB pumpte Geld in den Markt. Ihr Inflationsziel: 2 % – zum Erhalt der Preisstabilität.

Und schon dreht sich der Wind. Die Inflation zieht spürbar an. Zu Jahresbeginn betrug sie bereits 1,1 %. Die Zinsen werden hinterherlaufen. Vorreiter sind die USA, wo geplante massive Investitionsprogramme für Auftrieb sorgen. Jetzt heißt es wieder umdenken und die Geldanlage vor der Inflation schützen. Nicht nur Zinsanlagen müssen Schritt halten, auch Aktienrenditen werden um Inflationsraten geschmälert.

Investments mit Inflationsschutz

Es gibt eine Reihe inflationsgeschützter Investments. Doch die sollte man sich genauer anschauen. So dienen etwa inflationsgeschützten Anleihen mehr der Absicherung als der Rendite. Die jährlichen Zinsen und die Rückzahlungen sind an die Entwicklung der Verbraucherpreise gebunden. Zudem ist das Angebot auf dem deutschen Markt gering. Ausländische Anleihen indes bergen ein schwer abschätzbares Währungsrisiko, was den Sicherheitsaspekt untergräbt.

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Der Vorteil dieser Anleiheart ist vor allem ihre stabilisierende Wirkung im gesamten Depot. Sie korreliert nicht mit Aktien und läuft auch konträr zur Entwicklung klassischer Anleihen. Allerdings sollte man unbedingt das Kleingedruckte lesen. Ist beispielsweise der Inflationsschutz begrenzt, bringt die Absicherung wenig, wenn die Preise über den festgelegten Wert steigen.

Auch bei Aktien finden sich Unternehmen, die in ihrem Geschäftsmodell ausdrücklich einen Inflationsschutz enthalten. Allen voran der Bereich Infrastrukturanlagen, und zwar mit Fokus auf die Kerninfrastruktur. Typischerweise verlangen etwa Stromnetzbetreiber für die Nutzung ihrer Netzinfrastruktur eine inflationsangepasste Vergütung. Deren Renditen passen sich also an. Auch Betreiber von Mautstraßen richten ihre Tarife an der Inflation aus.

Fonds mit Vor- und Nachteilen

Man muss aber schon genau hinsehen. Nicht jeder Infrastruktur-Akteur verfährt nach diesem Konzept. Bauunternehmen zum Beispiel verfahren teils unterschiedlich. Gewerbliche Mieten wiederum sind in der Regel an die Inflation angepasst. Doch hier bewegt man sich im schwierigen Bereich von Private Equity. Die Chancen für Anleger sind zwar hoch, doch der Kapitalmarkt ist wenig liquide.

Eine Alternative sind Infrastrukturfonds mit Inflationsschutz. Die können durchaus beachtliche Renditen verzeichnen. Allerdings muss man – wie immer bei Fonds – mit entsprechend höheren Kosten fürs Management rechnen. Und die nagen erheblich an der Rendite.

Bei all den Abwägungen gibt es unterm Strich eigentlich kaum eine eindeutige Empfehlung. Bleibt die Rückbesinnung auf Warren Buffet und seine bewährte Value-Strategie. In der Inflation haben sich Substanztitel schon immer bewährt. Greift man zu, wenn sie unterbewertet sind, umso besser. Sie laufen ohnehin mit der Entwicklung. Stetes Umsatzwachstum und fortlaufend höhere Dividenden sind effizienter als die meisten Inflationsschutz-Konstrukte. Goldinvestments übrigens entfalten ihren Schutz erst bei bedenklich hohen Inflationsraten.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.