Geldmarktfonds – Alternative zu Tagesgeld oder Festgeld?

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Geldmarktfonds ermöglichen den Zugang zum Geldmarkt, der sonst nur Profis offen steht. In Niedrigzinsphasen aber sind sie wenig vorteilhaft. (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Geld parken, einen sicheren Kassenbestand halten, das ist nicht nur für risikoaverse Tagesgeld– oder Festgeldanleger Thema. Auch wer mit Aktien handelt, sein Depot pflegt und dabei zur Gewichtung oder optimierten Performance Aktien kauft und verkauft, braucht eine geeignete Möglichkeit, das nötige Geld sicher und jederzeit verfügbar zu verwahren – am besten mit der Chance auf Renditen.

Da sich Festgeldkonten nur innerhalb bestimmter Fristen kündigen lassen, bleiben für Anleger neben Tagesgeldkonten Geldmarktfonds als Alternative. Wer über ein Wertpapierdepot verfügt, hat die erste Voraussetzung bereits erfüllt. Geldmarktfonds werden klassischerweise von Staaten, Banken, Versicherungen, Pensionsfonds oder Unternehmen genutzt, um dort kurzfristig Kapitel anzulegen, bevor es anderweitig investiert wird.

Geldmarktfonds schon für überschaubare Beträge

In den USA kamen sie für Privatanleger in den 1970er Jahren auf, in Deutschland sind sie seit 1994 zugänglich. Seitdem können auch Kleinanleger in den Geldmarkt investieren, den institutionelle Investoren nutzen, und zwar ohne Mindestinvestments ab fünfstelliger Größenordnung. Fondsanteile lassen sich schon zu überschaubaren Beträgen kaufen. Sie sind börsentäglich handelbar, womit das geparkte Kapital jederzeit zur Verfügung steht.

Anders als beim Tagesgeld wird es nicht nur gegen geringe Zinsen verwahrt. Fonds wie Geldmarktfonds sind Investmentfonds, die in Geldmarkttitel und liquide Wertpapiere investieren. Die Termingelder, Schuldscheindarlehen Einlagenzertifikate oder Anleihen haben kurze Laufzeiten bis zu einem Jahr. Damit sollen vergleichsweise attraktive Renditen erzielt werden. Und die Streuung über verschiedene Titel, hinter denen im Idealfall Emittenten mit möglichst guter Bonität stehen, dient der Reduzierung des Anlagerisikos.

Der Vorteil, Kapital über Geldmarktfonds sozusagen in der Profiliga anzulegen, besteht in der Chance auf Renditen und der Absicherung im Falle einer Insolvenz. Zwar greift hier notfalls keine Einlagensicherung der Banken, doch ist das Investment als Sondervermögen separat verwahrt und vor dem Zugriff Dritter geschützt. Je nach investierter Summe ein Vorteil gegenüber der Einlagensicherung beim Tagesgeld, die auf 100.000 Euro beschränkt ist.  In Sachen Verfügbarkeit und Sicherheit gibt es somit keine Abschläge.

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Verschiedene Varianten und Schwerpunkte

Die muss man allerdings bei der Rendite machen. Schon aufgrund der hohen Sicherheit ist sie geringer als bei Aktien- oder Währungsfonds. Eine entscheidende Rolle spielen die Leitzinsen und das Marktumfeld. In anhaltenden Niedrigzinsphasen und bei zu erwartenden Zinssenkungen zur Stimulation der Konjunktur muss mit Erträgen um den Nullpunkt gerechnet werden. Hier lohnt ein Blick auf die verschiedenen Angebote.

Wer sein Geld nicht gerade über Jahre hinweg anlegen möchte, was in der Regel höhere Renditen verspricht, kann je nach Anbieter über sein Depot auch Anteile an US-Fonds oder sonstigen internationalen Geldmarktfonds kaufen. Abgesehen davon sind wenigstens keine Strafzinsen zu befürchten, die eine Reihe von Kreditinstituten mittlerweile verlangen.

Insgesamt gibt es unterschiedliche Arten von Geldmarktfonds. Standardfonds investieren rein in Papiere am Geldmarkt bzw. festverzinsliche Wertpapiere mit kurzer Laufzeit. Spezielle Geldmarktfonds gibt es auch in der Form, dass in verschiedene Währungen investiert wird. Und Garantiefonds sichern selbst bei negativer Entwicklung eine 100%-ige Rückzahlung zu. Zu nennenswerten Kursverlusten war es zuletzt in der Finanzkrise gekommen, als faule verbriefte Kreditforderungen in einigen Geldmarktfonds steckten. Ab dem Zeitpunkt hat die zuvor steigende Beliebtheit von Geldmarktfonds spürbar abgenommen.

In Nullzinsphasen die schlechtere Wahl

Dafür kamen verstärkt Geldmarktfonds-ETFs auf, die ebenfalls als Sondervermögen gesichert sind. Sie verlangen eine einheitliche Verwaltungsgebühr, beispielsweise schon ab 0,13%. Etwas höher sind die Kosten bei regulären Geldmarktfonds für Management, eventuell Ausgabeaufschlägen und sonstigen Ordergebühren. Ein Vergleich der verschiedenen Angebote ist für Anleger also dringend zu empfehlen. Ebenso der Blick auf die vergangene Performance, denn anders als beim Tagesgeld gehören Schwankungen zur Tagesordnung – die Renditen sind hier nicht im Voraus garantiert und planbar.

Unterm Strich sind Geldmarktfonds in Nullzinszeiten angesichts magerer Erträge aufwändiger und teurer als Tagesgeldkonten. Bestätigt wird dies durch die Tatsache, dass in den letzten Jahren eine Reihe kleinerer Geldmarkt-ETFs mangels Rentabilität geschlossen wurden. Beträge über den von der Einlagensicherung der Banken abgedeckten 100.000 Euro kann man einfach über mehrere Banken hinweg verteilen, womit das Kapital gesichert wäre.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.