Gilead: Bringt ein Corona-Mittel den Durchbruch für die Aktie?

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Die Gilead Aktie ist in 2020 stark gestiegen. Ursächlich sind Hoffnungen auf einen Erfolg gegen das Coronavirus. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Im Hinblick auf die massiven ökonomischen Schäden, die durch das Coronavirus (COVID-19) weltweit drohen, arbeiten Amerikas Biotech-Firmen mit Hochdruck an einem Wirkstoff.

Zu den Vorreitern in diesem Bereich gehört zweifelsohne Gilead Sciences. Das US-Biotech-Unternehmen hat mit Remdesivir einen sehr aussichtsreichen Kandidaten in der Pipeline. Viele Anleger fragen sich, ob sich ein Einstieg bei der Gilead Aktie noch lohnt, nachdem die Papiere in 2020 bereits um mehr als 10 % gestiegen ist und nur knapp unter dem Jahreshoch notiert.

Coronavirus – die Zeit drängt

Das Problem ist, dass es bislang noch keine von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassene Therapie für das Coronavirus (SARS-CoV-2) gibt. Die Entwicklung einer neuen Therapie mit anschließenden Tests am Menschen dauert für gewöhnlich mehr als ein Jahr, auch wenn die Behörden das Medikament im Schnellverfahren durchwinken.

Daher versuchen derzeit verschiedene Biotech-Firmen bestehende Medikamente, die sich bereits in der Entwicklung befinden oder sogar eine Marktzulassung haben, auf ihre Wirksamkeit bezüglich COVID-19 zu testen.

Gileads Remdesivir gilt als Hoffnungsträger

Als großer Hoffnungsträger gilt dabei das von Gilead Sciences entwickelte Virustatikum Remdesivir. Dieses Mittel wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, hat jedoch auch bei Corona- und Marburg-Viren eine gewisse Wirkung gezeigt.

Aus diesem Grund wird Remdesivir seit Februar bereits an Corona-Patienten im University of Nebraska Medical Center (UNMC) getestet. Auch in Asien sind bereits zwei klinische Teststudien (Phase 3) mit Remdesivir mit etwa 1.000 COVID-19-Patienten angelaufen. Erste Ergebnisse sollen im April vorliegen. Daneben laufen auch in mehreren deutschen Uni-Kliniken Tests mit Remdesivir.

Wirksamkeit von Remdesivir noch nicht bewiesen

Die Gilead-Aktie schoss zuletzt nach oben, nachdem sich ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation WHO positiv über Remdesivir geäußert hat. Nach Angaben von WHO-Assistent-Direktor Bruce Aylward verspreche das Medikament derzeit die besten Chancen, um das neue Coronavirus zu bekämpfen.

Auch der Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), Prof. Dr. Lothar Wieler glaubt, dass mit Remdesivir eine Verbesserung erzielt werden kann. Wie gut das Medikament wirklich wirkt, bleibt abzuwarten.

Hoffnungen wecken Medienberichte, wonach mehr als die Hälfte der 14 Amerikaner, die an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ mit dem Coronavirus infiziert waren, nach der Behandlung mit Remdesivir wieder genesen sind. Optimistische Analysten der Bank of America sehen in Remdesivir daher ein Umsatzpotenzial von bis zu 2,5 Mrd. US-$.

Fazit: Remdesivir ist eine große Chance für Gilead

Gilead Sciences hat in den letzten 3 Jahren unter fallenden Umsätzen seines Hepatitis C Medikaments gelitten. Daher könnte Remdesivir nicht nur eine große Chance für die Menschheit, sondern auch für Gilead sein, wieder auf einem Wachstumskurs zurückzukehren.

Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Anleger sollten sich von den jüngsten Medienberichten nicht täuschen lassen. Ob Remdesivir wirklich effektiv gegen COVID-19 wirkt, wird sich frühestens im April zeigen – dann liegen die ersten Daten klinischer Tests (Phase 3) mit Remdesivir aus China vor.

Sind die Daten vielversprechend, könnte die US-Gesundheitsbehörde grünes Licht für eine schnelle Marktzulassung des Medikaments in den USA für die Behandlung von Corona-Patienten geben. Anleger sollten allerdings bedenken, dass es auch bei der Behandlung von Ebola zunächst etliche vielversprechende Medikamente gegeben hat. Viele dieser Wirkstoffe haben sich dann in der Praxis als relativ wirkungslos erwiesen.

Daher sollten Anleger nicht allein auf den Erfolg von Remdesivir spekulieren. Das US-Biotech-Unternehmen hat noch weitere Eisen im Feuer. Dazu zählt z.B. Filgotinib, ein Medikament zur Behandlung von rheumatoider Arthritis. Bei EvaluatePharma schätzt man das Umsatzpotenzial von Filgotinib auf 1,3 Mrd. US-$ im Jahr 2024. Potenzial sehen Analysten auch im HIV-Medikament Biktarvy, das 2018 zugelassen wurde. Zudem gilt Gilead nach der Übernahme von Kite Pharma und Forty Seven als ein führendes Unternehmen bei der Krebsbehandlung.

Kurzum: Die Gilead-Aktie ist nicht nur für kurzfristige Spekulanten interessant, die auf einen schnellen Erfolg gegen das Coronavirus hoffen. Auch für Langfrist-Anleger hat die Gilead-Aktie einiges zu bieten. Allerdings sollten Anleger nicht zu Höchstkursen kaufen, sondern Kursrücksetzer abwarten. Anleger, die das Risiko eines Direktinvestments in eine Biotech-Aktie scheuen, sollten sich die Aktie der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech näher ansehen.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands