Goldman Sachs Aktie: Mit Europas Privatkunden weiter nach oben?

Die Goldman Sachs Aktie war unlängst auf historischem Höchststand. Für weiteren Schub wird der Griff nach Privatkunden in Europa sorgen. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Wer sich für Banktitel interessiert schaut in die USA. Anders als hierzulande ist die Branche dort im Aufwind. Nicht nur der Zinsanstieg beflügelt, auch werden die seit der Finanzkrise auferlegten Restriktionen werden nach und nach gelockert.

Während sich Deutsche Bank und Commerzbank um Kopf und Kragen erklären, um Anleger bei der Stange zu halten, geht es etwa bei der US-Bank Goldman Sachs mit den Umsätzen und operativen Erlösen souverän bergauf.

Goldman Sachs Aktie auf Höchstständen

Die nach Bilanzsumme fünftgrößte Bank der USA läuft an der Börse zwar nicht ganz so gut wie etwa die der Bank of America, doch auch sie legt seit Mitte 2016 kräftig zu und hatte im Januar ihr historisches Hoch von 267,90 US-Dollar erreicht.

Zudem ist die Goldman Sachs Aktie mit einem KGV von 9,96 stark unterbewertet. Und die Gewinnprognosen können sich sehen lassen. Entsprechend wird die Dividende, wie schon seit Jahren, weiterhin steigen.

Einen Teil wird künftig „Marcus“ dazu beitragen. Das steht weder für den Apostel noch ist es ein Revival der legendären britischen Automarke: Es ist die Internetplattform von Goldman Sachs für Privatkunden. Und der Name geht auf den Firmengründer Marcus Goldman zurück. Die Marke soll auch hierzulande aktiv werden.

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2016 hat Goldman Sachs begonnen, den Privatkundensektor zu erschließen. Schließlich warf das Investmentbanking immer weniger Gewinne ab. Auf der Suche nach weiteren Kunden nahmen die Bank-Strategen Europa ins Visier. Großbritannien soll den Anfang machen. Danach wird Marcus auch in Deutschland freigeschaltet. Im Zentrum steht das klassische Geschäft mit Sparkonten und Verbraucherkrediten.

Expansion statt Edel-Image

Bislang betreut die Bank von Frankfurt aus lediglich Konzerne aus dem Dax und institutionelle Investoren. Allenfalls haben Vermögende und Stiftungen Zugang. Nach 150 Jahren ändert also die Traditionsbank ihr Gesicht: Expansion statt Edel-Image.

Die Offensive versetzt die Kreditinstitute hierzulande in Alarmstimmung. Nicht nur Privatbanken, vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken machen sich Sorgen – was zunächst befremdlich erscheint. Immerhin decken sie gut zwei Drittel des Marktes ab und sind in fast jedem Dorf vertreten.

Sie gelten als klassischer Anwalt der Kleinsparer und bieten ebenfalls Online-Banking. Goldman Sachs indes wird sich rein auf die kostengünstige Internetversion beschränken und kein Geld für Filialen ausgeben. Der Kundenmagnet wird jedoch etwas anderes sein: die Kreditkarte von Apple.

Zuspruch nahezu garantiert

Dass allein schon der Name sogar Sparstrumpfsparer hinterm Ofen aufhorchen lässt, versteht sich nahezu von selbst. Auf der Matte stehen wird auf jeden Fall die jüngere, mobile Generation. Sobald nach Millionen Konten in Großbritannien ebenso viele Kunden in Deutschland hinzukommen, ist der Schritt in weitere Länder programmiert. Zwar steht der Starttermin noch nicht fest, doch schon jetzt rollt die US-Bank den Markt auf. Die Aktie von Goldman Sachs wird davon profitieren.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.