Goldpreis 2018: Darum steht Gold vor dem Sprung

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Der Goldpreis ist 2018 trotz der Bedrohung für die Wirtschaft irrational niedrig. Die Spekulationen lassen einen Gegentrend erwarten. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Gold ist der sichere Hafen in Krisenzeiten. Krisen und Sorgen gibt es derzeit genug. Wer aber dachte, der Goldpreis würde 2018 endlich an Fahrt aufnehmen, erlebte seit Jahresbeginn einen Dämpfer. Von fast 1,335 US-Dollar die Feinunze fiel er zeitweise unter die Marke von 1.200 Dollar. Zwar war Anfang 2016 die Notierung noch niedriger. Andererseits stand er vor sieben Jahren bei 1.881 Dollar und hielt sich bis 2013 auf hohem Niveau.

Trotz Krisen irrational billig

Rückblickend ist der Aufstieg nach der Finanzkrise ebenso nachvollziehbar wie das spätere moderate Preisniveau. Immerhin gab die anhaltende Aktienhausse wenig Anlass in Gold zu flüchten. Doch irgendwann ging dem Auftrieb die Puste aus. Deutliche Korrekturen zeigten sich 2018. Der Goldpreis indes zeigte sich unbeeindruckt. Weder die jüngsten Bedrohungen wie Trumps Handelskriege oder der sich abzeichnende Brexit ohne Abkommen konnten den weiteren Verfall bremsen.

Die Weltwirtschaft ist in Gefahr, die See wird rauer, doch vom sicheren Hafen kann keine Rede sein. Die Entwicklung beim Goldpreis im Jahr 2018 stellt bisherige Gewissheiten infrage. Selbst Händler und Analysten sind überrascht. Hätte Gold sich gegenüber dem Euro behauptet und nur im Vergleich zum Dollar verloren, könnte die Stärke der US-Währung als Erklärung herhalten. Tut sie aber nicht, weil die Entwicklung gegenüber beiden Währungen gleichermaßen schlecht ist.

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Hedgefonds drücken 2018 den Goldpreis

Naheliegend ist indes, dass der außergewöhnliche Preisverfall spekulationsgetrieben ist. Große Fonds verkaufen massenhaft Gold am Terminmarkt, um bei möglichst niedrigem Preisniveau wieder einzukaufen. Das Kalkül liegt auf der Hand: Wenn alle derzeitigen Fundamentaldaten für einen Preisanstieg sprechen und die Notierungen mit Short-Positionen im großen Stil gedrückt werden, müssen sie danach umso stärker in die Höhe schnellen.

Fragt sich nur, wie lange das Spiel noch geht. Bei Platin übrigens ist die Entwicklung ähnlich, allerdings stärker. Auf Jahressicht fiel der Platinpreis um rund 20 %, bei Gold war es etwa die Hälfte. Auch Kupfer gab in der Größenordnung nach. Bei Palladium wiederum ist der Abwärtstrend gebrochen. Mitte August stieg er innerhalb von zwei Wochen um fast 10 %. Beim Goldpreis dürfte der Anstieg mindestens in gleicher Höhe ablaufen.

Da nicht davon auszugehen ist, dass er mittelfristig unter das niedrige Niveau von vor 2009 absackt, kann sich für Privatanleger der Kauf lohnen. Der irrational billige Preis ist eine Einstiegschance. Historisch gesehen gab es immer wieder Phasen, in denen sich Gold ungewöhnlich verhielt. Dennoch ist es ein sicherer Anker im Depot – und allemal besser als Einlagen mit Negativzinsen. Die jüngste Entwicklung hat einmal mehr gezeigt: Auch der Goldpreis ist nicht eins zu eins wie im Lehrbuch vorhersehbar. Das Investment ist alles andere als langweilig.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.