Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Goldpreis 2018: Warum Gold gerade wieder durchstartet

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Gold verlor 2018, startete aber kräftig durch, als im Herbst Sorgen vor einer Rezession in den USA aufkamen. Indikator ist die Zinskurve. (Foto: Africa Studio / shutterstock.com)

Wertstabil und unabhängig vom Kaufpreisverfall durch Inflation glänzt Gold mit einer weitgehend gleich bleibenden Kaufkraft. Traditionell gilt es als sicherer Hafen in unruhigeren Zeiten. Von einer großen Krise kann dieses Jahr zwar nicht die Rede sein, dennoch waren die Börsen von extremer Unsicherheit überschattet. An den Aktienmärkten ging der Hausse, die seit der Finanzkrise andauerte, die Puste aus. Da Anleihen als Alternative noch immer recht schlecht verzinst sind, müsste folglich Gold 2018 ein Comeback erlebt haben.

Von Aktien in Immobilien und über Anleihen in Gold

Dem war aber nicht so, zumindest aufs ganze Jahr gesehen. Im Gegenteil hat Gold bis zum Dezember über 2 % verloren. Wobei festzustellen ist, dass der Preis für Gold bis April 2018 über zuvor eineinhalb Jahre hinweg auf 1.353 US-Dollar gestiegen war. Danach ging es aber bis September spürbar bergab.

Schaut man auf die Aktienentwicklung im Eurostoxx 50 oder im Dax, so ergibt sich kein sinnvoller Zusammenhang. Aufschlussreicher ist schon ein Blick auf den Dow Jones, S&P 500 oder Nasdaq. Während die europäischen Indizes schon zu Jahresbeginn in einen Abwärtstrend übergangen waren, brachen die viel bedeutenderen US-Indizes erst im September ein.

Und ab da drehte auch der Goldpreis wieder ins Plus. Bis dahin hatten zudem viele Anleger angesichts der immer unruhigeren Lage bei Aktien ihre Gelder in einen anderen „sicheren Hafen“ investiert: Immobilien. Die Mittelzuflüsse in Immobilienfonds waren im Vergleich zu Aktienfonds auf das doppelte Volumen angewachsen. Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass auch am Aktienmarkt Immobilienkonzerne gegen den Trend besser liefen.

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Ab Herbst aber bekam der Goldpreis neue Flügel. Erstmals waren Bedenken in Bezug auf eine drohende Rezession in den USA aufgekommen. Der dafür wichtige Indikator: Die Zinsstrukturkurve drohte plötzlich invers zu werden. Dabei rentieren kurzfristige Staatsanleihen besser als langfristige. Der Grund: Investoren hatten vorsichtshalber einstweilen in Anleihen umgeschichtet.

Gold profitiert Ende 2018 von Rezessionsangst

Eine derartige Umkehrsituation gilt als Vorbote schlechter Zeiten, die Sorgenfalten wurden tiefer. Und unter einem Einbruch der Wirtschaft leidet in absehbarer Zeit auch der Immobilienmarkt, wobei es in der Regel mit Gewerbeimmobilien anfängt. Wenn mit dieser Befürchtung immer mehr Anleger in Anleihen gehen, verkürzt sich der Renditeabstand zum Bestand der bereits laufenden 10-jährigen Papiere weiter – bis das Verhältnis kippt.

Zuletzt war dies vor der Finanzkrise der Fall. In der Folge stieg der Goldpreis damals von 1.061 auf 1.920 US-Dollar, dem historischen Rekord im Jahr 2011. Auch wenn derartige Traumpreise nicht wirklich in Sicht sind, so wird Gold über 2018 hinaus zulegen. Der stets erneut aufflammende Streit der USA mit China lässt wenig Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Weltwirtschaft aufkommen.

Zudem sind drohende Strafzölle gegen europäische Autobauer nicht wirklich vom Tisch. Donald Trump hält sich alle Optionen offen. Dies tut auch die Notenbank Fed, wobei sie aber von ihrem bisher strikten Kurs weiterer Zinsschritte abweicht, um den Aktienmarkt nicht noch mehr zu verschrecken.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.