Goldpreisentwicklung: wenig Dynamik trotz rauer See

Die Goldpreisentwicklung ist wenig vorhersehbar: Die meisten Daten sprechen gegen einen Auftrieb, selbst Krisen erzeugen nur ein Auf und Ab. (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Mit dem lang anhaltenden Aufwärtstrend an den Aktienbörsen schienen sichere Häfen nicht mehr gar so spannend. Die Goldpreisentwicklung wurde von vielen allenfalls als Randnotiz wahrgenommen. Doch seit Aktien über die Jahreswende eine Korrektur durchlaufen, kommt neues Interesse auf.

Dabei zeigt sich einmal mehr, wie schwierig Vorhersagen sind, und sei es nur, weil Donald Trump mit seinem unberechenbaren Verhalten handfeste Krisen heraufbeschwört und die Aktienkurse auf Talfahrt schickt.

Der letzte Preissprung fand Ende Dezember 2017 statt, von 1.250 US-$ auf fast 1.350 US-$ innerhalb weniger Wochen. Bereits ein Jahr zuvor raffte sich der Goldpreis aus der Talsohle von 1.134 US-$ auf – nachdem er im Juli 2016 noch beim letzten Höchststand von 1.366 US-$ notiert hatte.

Keine echten Preistreiber

Damals noch hatten einige Experten eine nahezu lineare Goldpreisentwicklung vorhergesagt, die bis heute bei ca. 2.300 US-$ landen würde. Als Grund wurde die expansive Geldpolitik der Notenbanken genannt, die lediglich überdecke, dass es keinen selbsttragenden Wirtschaftsaufschwung gebe.

Wie wir heute wissen, läuft die Weltwirtschaft robust – trotz Donald Trump. Und der Goldpreis blieb vergleichsweise moderat. Erstens ist der Dollarkurs nicht nennenswert gesunken, was Gold üblicherweise Auftrieb verleiht. Zweitens haben die eingeleiteten Zinsschritte der Fed Zinspapiere wie Anleihen wieder attraktiver gemacht. Die nächsten Zinserhöhungen sind bereits in Aussicht.

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Somit gibt es auch auf der Seite keine absehbaren Preistreiber für Gold. Selbst aufflammende Krisensituationen wie etwa das verbale Kriegsgeheul zwischen Trump und Nordkorea haben sich wieder gelegt. Die kleineren Sprünge in der Goldpreisentwicklung lassen auf einen gewissen Gewöhnungseffekt schließen.

Goldpreisentwicklung: nur Auf und Ab

Sogar der brandgefährliche Tweet Donald Trumps, er werde in Syrien zuschlagen mit der ebenso harschen Reaktion Russlands verlor seine Wirkung nachdem Trumps Sprecherin zurückruderte und der geldpolitische Ausschuss der US-Notenbank sich für weitere Zinsanhebungen aussprach. Der Dollar legte daraufhin erwartungsgemäß zu. Das entsprechende Auf und Ab beim Goldpreis kann noch eine ganze Zeit so weitergehen.

Dennoch: Solange die amerikanische Inflation weiterhin so stark ansteigt und der Krisenherd im Nahen Osten immer wieder Anlass zur Besorgnis gibt, erhält der Goldpreis zumindest Unterstützung. Charttechnisch gesehen könnte er in sogar einen wichtigen Widerstandsbereich kommen, wo ein Ausbruch nach oben wahrscheinlicher wird. Die dafür wichtige Marke liegt bei 1.400 US-$. Davon jedoch ist der aktuelle Kurs noch einiges entfernt. Zuletzt wurde sie im Sommer 2014 erreicht.

Wer dennoch auf ein Ansteigen der Goldpreise spekuliert, muss das Edelmetall nicht selbst kaufen. Mit Gold-Zertifikaten, Fonds oder Gold-ETFs kann man einfach von der Entwicklung profitieren. Als Depotbeimischung bleibt Gold ohnehin geeignet – unabhängig von kurz- und mittelfristigen Entwicklungen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.