Google Cloud: Potenzial wird oft unterschätzt

Google spielt in der Cloud nur die dritte Geige hinter Amazon und Microsoft - dies soll sich bald ändern. (Foto: jane0606 / Shutterstock.com)

Die Amazon-Tochter Amazon Web Services (AWS) ist der King in der Cloud, was die Marktanteile und auch den Umsatz angeht. Im jüngsten Quartal steuerte die Amazon-Tochter mehr als 5 Mrd. US-$ zum Gesamtumsatz bei, der Cloud-Umsatz wuchs zur Freude der Anleger um 45 % gegenüber dem Vorjahr.

Inzwischen ist die Amazon-Tochter sogar die fünftgrößte Softwarefirma der Welt hinter Microsoft, IBM, Oracle und SAP, wenn man die Sparte Amazon Web Services (AWS) unabhängig betrachtet. Nicht zuletzt dieser Erfolg hat dabei geholfen, dass die Amazon-Aktie jüngst auf ein neues Rekordhoch bei über 1.400 US-$ gestiegen ist.

Kampfansage an Amazon – Google will in 2022 zur Nr. 1 in der Cloud avancieren

Analysten schätzen, dass Amazon in der Cloud mindestens 10 Mal so groß ist wie die nächsten 10 Wettbewerber zusammen. Auf Platz 2 in Sachen Cloud-Infrastrukturservices rangiert Microsoft (Azure Cloud), gefolgt von Google und IBM.

Obwohl derzeit nur die Nummer 3 in diesem Bereich, will Google mit seiner Google Cloud Platform den bisherigen Branchenprimus in wenigen Jahren entthronen. Bis 2022 will Google den Branchenprimus Amazon Web Services (AWS) in der Cloud überholt haben, so die Ansage von Google Cloud Chefin Diane Greene.

Google in der Cloud: So groß ist das Geschäft

Das Vorhaben scheint ambitioniert, dennoch nicht völlig abwegig. Im jüngsten Quartal hat der Google-Mutterkonzern Alphabet erstmals Umsatzzahlen für sein Cloud-Geschäft genannt.

Demnach erzielt die Google Cloud Platform zusammen mit der Business-Software G Suite, die ebenfalls über die Cloud ausgeliefert wird, einen Quartalsumsatz von 1 Mrd. US-$. Wie viel dieser Umsätze konkret auf die Google Cloud Platform und die Software G Suite entfallen, wurde dabei nicht bekannt.

Dennoch steht eines fest: Viele Unternehmen verlagern weiter im großen Stil Geschäftsprozesse in die Datenwolke, gehen daher mehr Flexibilität und Kosteneinsparungen bei der Wartung von Software und Services einher.

Warum sich Google in der Cloud im Vorteil sieht

Davon scheint auch Google immer mehr zu profitieren. So konnte Google zuletzt einige Prestige-Kunden in der Cloud gewinnen, wie Google Cloud Chefin Diane Greene bestätigt.

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Demnach nutzen der Online-Zahlungsspezialist PayPal als auch die Londoner Großbank HSBC die Google Cloud. Das Besondere: Diese beiden Google Cloud Kunden sind in einem stark regulierten Umfeld tätig, das hohe Anforderungen in puncto Datensicherheit stellt.

Google kann diese Anforderungen nach eigenen Angaben erfüllen. Dies liegt unter anderem auch daran, wie Google als Suchmaschine mit all seinen Anwendungen entstanden ist.

Um die Masse an Suchanfragen zu bedienen, hat Google umfassende Infrastrukturen (Untersee-Glasfaserkabel etc.) errichtet, die heute 7 Anwendungen (Gmail, YouTube, Google Search, Android, Google Play Store, Google Maps, Google Chrome) mit mehr als 1 Milliarde aktive Nutzer tragen – damit war Google schon vor dem Start der Google Cloud Platform eine Cloud-Firma.

Daneben hat Google Vorteile, wenn es um das Datenmanagement und -analyse geht. Neben Google Analytics und BigQuery hat Google Services wie Google Maps erfunden, die Firmen in der Cloud nutzen können, um ihre eigenen Daten mit Google Daten zu verknüpfen und damit Analysen in Echtzeit durchzuführen.

Daneben ist Google eine große Nummer, wenn es um das Thema maschinelles Lernen (Machine Learning) und künstliche Intelligenz (KI) geht, nachdem man die britische DeepMind übernommen und mit seiner KI führende Go-Spieler öffentlichkeitswirksam besiegt hat.

Fazit: Google ist in der Cloud eine echte Konkurrenz für Amazon & Co

Dies bedeutet: Google ist heute in der Cloud dank seiner vorhandenen Infrastruktur und Softwareangebote bereits bestens aufgestellt, um eine hohe Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit seiner Cloud-Services zu gewährleisten. Dank Google-Analyseprodukten wie BigQuery können zudem umfangreiche Datenanalysen im Petabyte-Bereich kostengünstig angeboten werden – einen Vorteil, den ebenfalls viele Kunden (WePay etc.) bereits nutzen.

Bei Google ist man daher optimistisch, dass man in den nächsten Jahren neben Coca-Cola, HTC, Philips, Airbus, Spotify und Evernote noch weitere namhafte Kunden für die Google Cloud gewinnen kann. Anleger sollten daher Google nicht nur als Suchmaschinenanbieter sehen, sondern auch als Cloud-Anbieter mit Potenzial.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands