Google droht Rekordstrafe für Wettbewerbsverzerrung

Da Google angeblich Online-Shopping-Konkurrenten benachteiligt hat, hat die EU-Wettbewerbskommission eine Strafe von 2,42 Mrd. € verhängt. (Foto: jane0606 / Shutterstock.com)

Noch nie zuvor wurde in der EU eine höhere Kartellstrafe verhängt als gegen Google im Juni 2017. 2,42 Mrd. € soll der Konzern wegen Wettbewerbsverzerrung bezahlen, die Erklärung liefert die EU-Kommission auch gleich mit.

So soll Google das hauseigene Preisvergleichsangebot gleich als erstes in den Shopping-Suchergebnissen angeführt haben, wodurch Konkurrenten benachteiligt wurden. Bis dato lag die höchste, jemals verhängte Kartellstrafe bei 1,06 Mrd. €, die der Computerchip-Hersteller Intel im Jahr 2009 zahlen musste –der Prozess ist allerdings auch im Sommer 2017 noch immer nicht abgeschlossen.

Die von der EU verhängte Strafe für Google beträgt ein Drittel der möglichen Höchststrafe

Die Höchststrafe für Vergehen im Wettbewerb liegt bei einem Zehntel des Jahresumsatzes, diese Summe bleibt Google erspart. Bei einem Jahresumsatz von rund 80 Mrd. € hätte der Konzern 8 Mrd. € Strafe bezahlen müssen. Mit 2,42 Mrd. € kommen sie mit rund einem Drittel der Strafe davon.

Google hat neben der Geldstrafe 90 Tage Zeit, den Mechanismus der Shopping-Suche zu verändern, andernfalls können das Unternehmen weitere Strafen erwarten. Diese würden die Muttergesellschaft Alphabet treffen, bis zu 5 % des globalen Tagesumsatzes könnten dann noch fällig werden.

Google nimmt die Strafe nicht einfach so hin

Die erste Reaktion von Google ließ verlauten, dass man eine Berufung prüfen würde und der Strafe nicht zustimmt. Das Verfahren läuft schon seit 2010, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, dürfte es sich noch weiter hinausziehen.

Das Problem der Google-Shopping-Suche ist laut Kartellaufsicht, dass die von Händlern bezahlten Anzeigen mit Preisen, Links und Fotos zu prominent platziert sind und Teil einer normalen Google-Suche sind. Die EU-Kommission sieht darin eine widerrechtliche Bevorzugung der eigenen Dienste. Google argumentiert, dass die Details und Fotos der Suchergebnisse lediglich die Shopping-Auswahl und den Kontakt zu Händlern verbessern würden.

Auf die Google-Aktie hatte die Strafe kaum Einfluss

Die Google-Aktionäre zeigten sich von der drohenden Strafe recht unbeeindruckt und der Titel reagierte nur leicht. Seit der Herausgabe der Aktie im Jahr 2004 hat sich der Kurs mehr als verzehnfacht und der Konzern zählt heute zu den wertvollsten der Welt.

Google hat auch noch weitere Verfahren zu bestreiten. Ein weiterer Wettbewerbs-Streit bezieht sich auf Android, das Smartphone Betriebssystem von Google. Das andere Verfahren betrifft die Suchmaschinenwerbung bei Google, genauer gesagt den Dienst AdSense for Search. Mit diesem Kerngeschäft von Google können andere Webseiten die Google-Suchfunktion in ihre Dienste einbauen.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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