Google kauft Fossil-Sparte – doch warum?

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Google hat zuletzt für Millionen mysteriöse Smartwatch-Technik von Fossil gekauft - Was steckt dahinter? (Foto: achinthamb / Shutterstock.com)

Zwar konnte der Google-Mutterkonzern Alphabet zuletzt weiter ein über 20-prozentiges Umsatzwachstum vorweisen, doch die steigenden Kosten schreckten viele Anleger ab, so dass die Alphabet-Aktie zuletzt schwächer notierte.

Alphabet- und Google-Finanzchefin Ruth Porat machte dann auch keinen Hehl daraus, dass der US-Internetkonzern weitere Investitionen in sein Personal und die Infrastruktur tätigen wird – Anleger müssen sich also auf weiter steigende Ausgaben in diesem Jahr einstellen.

Google kauft Fossil-Sparte – die Gründe

Ein Fokus bei den Investitionen war bei Google zuletzt der Bereich rund um tragbare Elektronikgeräte, die sogenannten Wearables. Zu Jahresbeginn wurde bekannt, dass der Uhrenhersteller Fossil seine Smartwatch-Technik an Google für rund 40 Mio. US-$ verkaufen wird.

Konkret wird Google sowohl geistiges Eigentum als auch einen Teil des Forschungs- und Entwicklungsteams von Fossil übernehmen. Trotz des Verkaufs wird Fossil weiter selbst intelligente Uhren (Smartwatches) mit Computerfunktionen bauen.

Laut Fossil-Chefstratege Greg McKelvey handelt es sich bei den vom Verkauf betroffenen Assets um neue Techniken und ein Produkt, dass so noch nicht am Markt verfügbar ist. Fossil selbst hatte diese Assets durch die Übernahme von Misfit Ende 2015 erworben. Diese neuen Techniken sollen zunächst in Fossil-Produkte, später dann auch in anderen Produkten zum Einsatz kommen, so McKelvey.

Wachstumssektor Smartwatch-Markt im Fokus

Google engagiert sich nicht von ungefähr in diesen Markt. Laut Fossil gehören Smartwatches bereits heute zur am schnellsten wachsenden Produktkategorie im Unternehmen.

Von diesem Wachstum möchte auch Google profitieren, schließlich ist man in diesem Markt mit seiner Wear OS Software am Start. Dabei handelt es sich um ein Betriebssystem, das speziell für tragbare Elektronikgeräte (Wearables) zugeschnitten ist.

Je mehr Computeruhren (Smartwatches) mit Google-Software verkauft werden, desto mehr Services (Gmail, Google Apps etc.) kann Google an den Kunden bringen. Nebenbei sind dann natürlich auch mehr Werbeeinblendungen auf den Geräten möglich.

Google will Apple Paroli bieten

Mit ein Grund für den jüngsten Zukauf dürfte die Konkurrenz zur Apple Watch sein. Apple ist mit seiner Computeruhr Apple Watch durchaus erfolgreich unterwegs. Zwar veröffentlicht Apple keine Verkaufszahlen, die Analysten bei UBS schätzen, dass der iPhone-Erfinder im Vorjahr 24 Mio. Apple Watch Uhren weltweit verkaufen konnte – in diesem Jahr dürfte diese Zahl auf 33 Mio. Einheiten steigen.

Google hinkte mit seiner Wear OS Plattform bislang hinterher. So tat sich Google bislang schwer, im großen Stil bei Konsumenten Fuß zu fassen – Abhilfe soll die übernommene Fossil-Technik schaffen.

Fazit: Google gibt sich im Smartwatch-Markt nicht geschlagen

Auch wenn Apple laut Marktforschungsdaten zuletzt mit seiner Apple Watch die Nr. 1 im Smartwatch-Markt ist, zeigt die jüngste Übernahme eines: Google gibt sich im Smartwatch-Markt nicht geschlagen.

Vielmehr will Google einen echten Konkurrenten (Wear OS) zur Apple-Plattform aufbauen und nimmt dafür weiteres Kapital in die Hand. Dies bedeutet zwar nicht unbedingt, dass Google-Fans bald eine Pixel Smartwatch erwarten können, allerdings können Anleger damit rechnen, dass Google seine Wear OS Software mit weiteren Funktionen verbessern wird.

Ob dies ausreicht, um Apple vom Smartwatch-Tron zu stoßen, bleibt abzuwarten. Mit 109 Mrd. US-$ an Barreserven ist die Google-Kriegskasse jedenfalls gut gefüllt, um weitere Zukäufe in diesen Bereich zu tätigen. Anleger sollten daher Google bzw. die Alphabet-Aktie keinesfalls abschreiben.

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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands