Google steigt in den Markt für Cyber-Sicherheit ein

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Google will vom boomenden Markt für Cyber-Sicherheit profitieren. Eine Tochter soll diesen Markt erobern. (Foto: lightpoet / shutterstock.com)

Alphabet-Anleger können sich nicht beklagen. Allein in 2019 legte die Aktie bereits um rund 16 %. Doch ein großes Problem bleibt: Google ist sehr stark vom Suchmaschinen- bzw. Werbemarkt abhängig. Der Internetkonzern erwirtschaftet nach wie vor über 80 % seiner Einnahmen mit Online-Werbung.

Zwar hat Google schon allerlei Anstrengungen wie zum Beispiel im Bereich Autonomes Fahren mit seiner Waymo-Sparte unternommen, doch der ganz große Durchbruch blieb bislang aus. Um seine Umsatzbasis weiter zu diversifizieren, wagt sich Google bzw. der Mutterkonzern Alphabet nun in einem wichtigen Zukunftsmarkt vor: Computersicherheit.

Alphabet nimmt Markt für Cyber-Sicherheit ins Visier

Dies geschieht über die Tochterfirma Chronicle, die aus der Google X Sparte hervorging. Das erste kommerzielle Produkt von Chronicle ist die Plattform Backstory. Backstory versteht sich als eine Art Google Photos für Unternehmen, die ihre Netzwerke gegen Cyber-Attacken verteidigen wollen. Mit Backstory können Unternehmen zwar keine Fotos verwalten, dafür das Netzwerk im Unternehmen auf mögliche Schwachstellen prüfen.

Während Google Photos Bilder in der Cloud organisiert und so zum Beispiel hilft, Fotos mit bestimmten Gesichtern einfacher zu finden, untersucht Backstory den gesamten Datenverkehr einer IT-Infrastruktur, um mögliche Sicherheitslücken zu finden. Chronicle hilft damit Schwachstellen in der IT-Infrastruktur eines Unternehmens schneller aufzudecken.

Ziel der Lösung ist es, dass Backstory irgendwann einmal nicht nur Sicherheitslücken aufdecken, sondern proaktiv handeln kann, um IT-Personal zu entlasten.

Markt für Cyber-Sicherheit verspricht hohes Wachstum

Es ist kein Geheimnis, dass Cyber-Kriminelle jedes Jahr perfidere Methoden entwickeln, um in Firmennetzwerke einzubrechen, um an sensible Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse zu kommen.

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Daher erwarten die Marktforscher aus dem Hause Global Market Insights ein kräftiges Wachstum der Branche. Konkret soll der Markt für Cyber-Sicherheit von über 100 Mrd. US-$ in 2017 auf 300 Mrd. US-$ im Jahr 2024 klettern. Google bzw. Alphabet möchte von diesem überdurchschnittlichen Wachstum profitieren und nutzt dafür seine Kompetenzen im Bereich der Datensuche, die das Unternehmen in Chronicle einbringt.

Fazit: Cyber-Sicherheit bietet für Google Chancen, doch Wunder sollten Anleger nicht erwarten

Google aka Alphabet sieht sich mit seiner Tochter Chronicle gut im Markt für Cyber-Sicherheit aufgestellt. Das Unternehmen kann zum Beispiel 50 Petabytes an Netzwerkdaten binnen 1 Sekunde analysieren – bestehende Industrielösungen benötigen hierfür bis zu 12 Stunden.

Backstory kann außerdem nicht nur Daten von der Google Cloud, sondern auch von On-Premise-Systemen und anderen Cloud-Plattformen (Amazon Web Services, Microsoft Azure etc.) analysieren. Dies macht die Google-Tochter zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den US-Sicherheitsspezialisten Splunk.

Chronicle ist Teil der Alphabet-Sparte Other Bets. Die Sparte konnte zwar im 4. Quartal 2018 seinen Umsatz auf 154 Mio. US-$ steigern, fuhr dabei aber einen operativen Verlust von 1,3 Mrd. US-$ ein.

Anleger müssen daher damit rechnen, dass Google aka Alphabet weiterhin viel Geld in den Aufbau seiner Tochterfirmen unter dem Dach von Google X investieren wird. Diese Investitionen könnten sich aber in der Zukunft auszahlen, wenn zum Beispiel Chronicle als eigenständiges Unternehmen eines Tages an die Börse kommt. Zudem profitiert Alphabet bereits heute indirekt von Chronicle, da das Unternehmen die Google Cloud Plattform als Infrastruktur nutzt.

Unter dem Strich bleibt die Alphabet-Aktie weiter auch für konservative Anleger interessant, die langfristig von Mega-Trends wie Online-Werbung und Cyber-Sicherheit profitieren wollen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands