Google übernimmt Fitbit – Was bedeutet das für die Aktie?

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Google will Fitbit für mehr als 2 Mrd. US-$ übernehmen - was ist der Grund für die Investition? (Foto: Denis Linine / shutterstock.com)

Google bzw. dessen Mutterkonzern Alphabet sorgte Anfang November für einen Paukenschlag. Ganze 2,1 Mrd. US-$ bzw. 7,35 US-$ pro Aktie will der Internet-Gigant für den angeschlagenen Fitness-Spezialisten Fitbit zahlen. Stimmen Aktionäre und die Regulierungsbehörden zu, soll der Deal in 2020 abgeschlossen werden.

Doch warum zahlt Google einen Aufschlag von über 20% für einen angeschlagenen Fitness-Gerätehersteller, der in der Verlustzone steckt und nur ein geringes Wachstum aufweist?

Darum will Google Fitbit übernehmen

Es ist kein Geheimnis, dass Google im Markt für tragbare Elektronikgeräte, den sogenannten Wearables, stärker Fuß fassen will. Hierfür hatte Google zu Jahresbeginn bereits die Smartwatch-Sparte von Fossil übernommen.

Google Hardware Chef Rick Osterloh will die Übernahme von Fitbit dann auch als weitere Investition in Wear OS (Betriebssystem für Wearables) und Google Fit (Fitness-App von Google) verstanden wissen. Mit dem Zukauf kann Google seine Software auf weitere Geräte bringen.

Dies ist auch notwendig, denn Apple scheint in diesem Markt davonzuziehen. Glaubt man dem Marktforscher Strategy Analytics, hatte Apple mit seiner Apple Watch Ende 2018 einen Marktanteil von über 50 % im Markt für Computeruhren (Smartwatches).

Google vertreibt zwar sein Betriebssystem Wear OS an Firmen wie Fossil, jedoch ist Google noch mit keiner eigenen Hardware (Smartwatch etc.) in diesem Marktsegment präsent. Daher ist der Marktanteil von Wear OS in diesem Bereich verschwindend gering (ca. 6 %). Die Übernahme von Fitbit soll das ändern.

Google stößt mit geplanter Übernahme auf Gegenwind

Noch aber ist die Übernahme von Fitbit durch Google noch nicht in trockenen Tüchern. Google verspricht zwar, keine persönlichen Daten für Werbezwecke zu nutzen und auch solche Daten nicht weiterzuverkaufen, dennoch überzeugen diese Aussagen einige Politiker nicht.

Zum Beispiel hat sich der US-Kongressabgeordnete David Cicilline eher ablehnend bezüglich der Übernahmeabsichten von Google geäußert. Cicilline tritt für eine Überarbeitung der US-Kartellgesetze ein, um die Macht von Technologiefirmen wie Google und Facebook zu beschneiden.

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Das Problem: Google könnte durch die Übernahme von Fitbit an die Gesundheitsdaten von rund 28 Mio. Fitbit-Nutzer herankommen und diese Daten getrennt von Google Fit speichern und anderweitig verwenden. Zumindest ist es nicht ausgeschlossen, dass Google künftig Hardware mit Wear OS oder einer vorinstallierten Google Fit App anbietet, die Daten geräteübergreifend sammelt.

Was die Fitbit-Übernahme für Google bedeutet

Die Übernahme von Fitbit durch Google scheint zunächst logisch. Fitbit schreibt noch rote Zahlen und tut sich ohne einen großen Partner schwer. Auf der anderen Seite benötigt Google einen Hardware-Partner, um seine Software auf mehr Geräte zu bringen.

Dennoch bedeutet die Fitbit-Übernahme nicht, dass Google im Smartwatch-Markt automatisch aufholen wird. Vielmehr hat sich Apple in diesem Marktbereich eine Vormachtstellung durch eine einfache und klar strukturierte Produktlinie erarbeitet, während Googles Hardware-Angebot (Nexus, Nest, Chromebooks, Pixel etc.) teilweise konfus wirkt – daran ändert auch die jüngste Übernahme nichts.

Fazit: Google will sich im Hardware-Bereich besser aufstellen

Die Ambitionen von Google im Hardware-Geschäft sind nicht neu, schließlich will Google seine hohe Abhängigkeit vom Online-Werbegeschäft (ca. 85 % der Umsätze) reduzieren. Doch bislang war die Akquisitionsstrategie von Google in diesem Bereich nicht sonderlich erfolgreich.

2011 wurde Motorola Mobility für Milliarden übernommen, nur um die Sparte in 2014 mit hohem Verlust wieder zu verkaufen. Auch Google Glass, eine smarte Datenbrille, gilt inzwischen als Flop und wurde in 2015 vorübergehend eingestellt.

Mit Ausnahme von Google Home (smarter Lautsprecher) war der Suchmaschinen-Spezialist im Hardware-Segment bislang nicht besonders erfolgreich. Darum sollten Anleger auch vom jüngsten Fitbit-Zukauf nicht zu viel von Google erwarten.

Die Stärken von Google liegen eindeutig im Online-Werbegeschäft und hier ist der Internetkonzern weiter eine Macht. Darum ist Google bzw. die Alphabet-Aktie weiterhin für konservative Anleger interessant, ganz unabhängig davon, ob sich der Fitbit-Zukauf langfristig auszahlt.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands