Grammer: Übernahme aus China – die Auswirkungen

Die Grammer-Übernahme durch den kleineren chinesischen Partner beendet den Kampf gegen den Hastor-Clan. Doch der gibt nicht auf. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Da hüpfen die Anleger vor Freude, genauso wie der Aktienkurs: Die Übernahme von Grammer durch einen chinesischen Mitbewerber wird greifbar. Ningbo Jifeng hält an dem im Sdax gelisteten Autozulieferer aus Bayern bereits 25,5 % und will seine Beteiligung nun auf über die Hälfte aufstocken.

Übernahme von Grammer treibt den Kurs

Aktionäre bekommen ein Angebot über 61,25 Euro pro Aktie – die Dividende für 2017 mit eingerechnet. Die sich anbahnende Grammer-Übernahme ließ das Papier innerhalb von drei Tagen von 51,15 auf 67,65 Euro schnellen. Schaut man sich die Analystenhaltungen an, so müsste man eigentlich jetzt zugreifen. Angesichts der Gewinnprognosen ist die Aktie mit einem KGV von 14,6 stark unterbewertet.

Der Grund für die Begeisterung: Grammer hatte bislang Probleme mit einer festsitzenden Handbremse im System. Damit ist kein Zulieferteil gemeint, sondern der unerwünschte Großaktionär Hastor. Die bosnische Investorenfamilie, die noch 19 % der Anteile hält, besitzt zugleich den Autozulieferer Prevent. Besser gesagt, die Prevent-Gruppe. Sie versucht, einen Spezialzulieferer nach dem anderen zuzukaufen, um dann ihre Kunden regelrecht erpressen zu können.

Das Pokerspiel mit harten Bandagen bekamen Daimler, aber vor allem VW zu spüren. Zuletzt wurden die Preise für bestimmte Teile um das Zehnfache erhöht. Als der Autobauer nicht mitmachte, drohte gar ein Lieferstopp, der Teile der VW Produktion lahm legen würde. Volkswagen ging vor Gericht, Prevent ebenfalls, mit einer Schadensersatzforderung…der Streit schwelt weiter.

Der kleine weiße Ritter aus China

Mit dem Prevent-Makel behaftet gehen auch Grammer seit längerem etliche Aufträge verloren. Trotzdem konnte letztes Jahr eine Umsatzsteigerung auf 1,79 Mrd. Euro erzielt werden. Für 2018 werden 1,85 Mrd. Euro anvisiert. Grammer hatte sich erfolgreich gegen eine Forderung der Hastor-Familie gestemmt, den kompletten Vorstand nach deren Vorstellungen auszutauschen.

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Der hatte inzwischen die Fühler zu Ningbo Jinfeng ausgestreckt. Die Chinesen erhöhten ihre Beteiligung in mehreren Schritten von anfangs unter 3 % auf über ein Viertel. Damit ließen sich die Machtbestrebungen der Bosnierfamilie einigermaßen in Schach halten.

War schon der bisherige Aufstieg der Chinesen ein Signal an die Kunden, so sorgt die anstehende Übernahme von Grammer für Erleichterung. Und zwar bei allen, vom Betriebsrat über den Vorstand bis zur bayerischen Regierung. Was durchaus außergewöhnlich ist, weil die Bundesregierung und die  EU Kommission dem Kaufdrang chinesischer Investoren nicht länger tatenlos zusehen wollen. Für großen Ärger hatte die Übernahme des Augsburger Roboterbauers Kuka gesorgt.

Deutschland im Visier der Chinesen

Schlüsseltechnologien und der deutsche Mittelstand stehen im Visier der Chinesen. Im Fall von Grammer aber werden fleißig Fähnchen geschwenkt. Auch will man gar nicht so genau nachfragen, wo denn der mit 250 Mio. Euro Umsatz erheblich kleinere Partner den Milliardenbetrag herbekommt. Die Finanzierung sei gesichert, heißt es. Ob und inwieweit Pekings Interessen dahinter stehen, ist Spekulationssache.

Auf jeden Fall decken sich die Interessen diesmal mit der deutschen Seite. Und die hat nun auch leichteren Zugang zum chinesischen Markt. Obendrein scheinen die über 13.000 Arbeitsplätze gesichert. Doch der Hastor-Clan legt nun nach, will Licht in die Finanzierung bringen und findet ohnehin das Angebot der Chinesen zu niedrig. Die Aktie habe einen fairen Wert zwischen 85 und 100 Euro, so die Forderung. Alternativ wolle man den eigenen Anteil erhöhen. Die Sache bleibt spannend. Wird das Angebot erhöht oder nicht? Die Kursfantasie wird die Aktie noch eine Weile beflügeln.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.