GroKo-Programm ist positiv für Aktionäre

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Die Börse hat die GroKo mit einem Kurssprung begrüßt. Vom Programm werden vor allem Aktionäre profitieren und Zinsanleger eher belastet. (Foto: TunedIn by Westend61)

Lange wurde nach der letzten Bundestagswahl um eine neue Regierung gerungen. Als sich dann eine Neuauflage der Großen Koalition abzeichnete, wurde befürchtet, mit den Programmwünschen der SPD würde die GroKo zum Börsenschreck und zur Belastung für Wirtschaft und Staatsfinanzen.

Börse begrüßt GroKo

Zu den Plänen gehörte etwa eine Standardrente auf 48 % des Durchschnittslohns, eine Solidarrente für langjährig Versicherte, kostenfreie Kitas oder eine Euro-Solidarkasse. All das hätte den Haushalt die nächsten zehn Jahre mit mindestens 100 Mrd. € belastet. Und eine Bürgerversicherung, die alle Einkünfte wie Zinsen und Mieten einbezieht, hätte nicht nur Sparern, Vermietern und der Immobilienwirtschaft den Schwung genommen.

Als dann das gemeinsame Programm nach zähen Verhandlungen Anfang März feststand, überwog die Freude über eine handlungsfähige Regierung. Auch die positive Reaktion der Börse auf die GroKo stimmte zuversichtlich: endlich Planbarkeit. Dax, Mdax und TecDax legten zu, und das gegen den internationalen Trend.

Allerdings stehen nun Mehrausgaben in Höhe von rund 50 Mrd. Euro ins Haus. Immerhin war es zuletzt gelungen, die Schuldenquote mit einem Betrag in ähnlicher Höhe um 4,1 % auf 64,1 % des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Das wird sich schwerlich wiederholen lassen. Zumal die Zeit niedriger Zinsen und billiger Schuldenbedienung zu Ende geht.

Regierungspläne ohne gravierende Einschnitte

Dennoch bereitet die GroKo der Börse bislang keine echten Sorgen. Dafür läuft die Wirtschaft zu stabil. Die ausgehandelten Programmpunkte sind nicht wirklich belastend. Mit Blick auf Unternehmen, Sparer und Anleger haben Merkel, Schulz und Seehofer unter anderem Folgendes beschlossen:

Mussten Arbeitnehmer bei der Krankenversicherung den Zusatzbeitrag alleine tragen, wird die gesamte Belastung künftig wieder genau hälftig mit dem Arbeitgeber geteilt. Arbeitnehmer bekommen ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit, sofern die Firma mindestens 45 Personen beschäftigt. Bis zu einer Betriebsgröße von 200 Mitarbeitern muss der Anspruch nur einem von 15 Beschäftigten gewährt werden.

Befristete Arbeitsverhältnisse werden beschränkt. Sie sind nicht mehr zulässig, wenn zuvor ein unbefristetes oder über mindestens fünf Jahre hinweg mehrere befristete Arbeitsverhältnisse bestanden haben.

Neben der verlängerten Förderung im sozialen Wohnungsbau wurde das Baukindergeld beschlossen. Beim Einkommen bis zu 75.000 Euro zuzüglich 15.000 Euro Steuerfreibetrag wird pro Kind ein jährlicher Zuschuss von 1.200 Euro über zehn Jahre gezahlt. In den Genuss kommen nur Bezieher von Kindergeld. Das Geld gibt es zur Baufinanzierung.

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Zinssparer im Nachteil

Teurer wird es für Sparer. Unterliegen Kapitalerträge weiterhin der Abgeltungssteuer, so werden reine Zinserträge künftig nach dem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuert. Mit Blick auf künftig steigende Zinsen spekuliert der Bund auf höhere Einnahmen, schließlich muss er auf der anderen Seite mehr Geld für die Staatsschulden ausgeben.

Geplant ist außerdem, den lästigen Solidaritätszuschlag ab 2021 komplett zu streichen. Im Ergebnis überwiegen damit die Vorteile für Aktien. Für Aktionäre und die Börse ist die GroKo keine schlechte Grundlage.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.