Großbritannien zwischen Neuwahlen und Brexit-Extrempositionen

Die Entwicklung des Pfund zum Euro zeigt einen Jahresverlust von gut 10%. Die Extrempositionen beim Brexit und anstehende Neuwahlen bescheren Unsicherheit. (Foto: Zoltan Gabor / Shutterstock.com)

Wenn sich die politische Großwetterlage ändert und Währungen unter Druck geraten, kann man als Anleger von den begleitenden Kursunterschieden profitieren. Der Devisenhandel bietet die Möglichkeit, zu spekulieren, zum Beispiel mit Differenzkontrakten auf Devisen, kurz CFDs. Im Fokus steht seit letztem Jahr unter anderem das Britische Pfund. Dessen Entwicklung wird seit dem Brexit mit Spannung verfolgt.

Britisches Pfund: Entwicklung in der Unsicherheit

Kurz nach der überraschenden Entscheidung zum Ausstieg aus der EU und dem europäischen Markt stürzte die Währung Großbritanniens gegenüber dem Dollar und dem Euro ab. Nach dem historischen Tiefpunkt Ende Oktober und der anschließenden, leichten Erholung konnte sie sich im Verhältnis zum Euro auf Werten zwischen grob 1,15 € und 1,18 € halten, verlor aber auf Jahressicht um über 10%.

Die Entwicklung des Pfund war und ist ein Spiegel des bis heute unabsehbaren Ausgangs der anstehenden Austrittsverhandlungen. Noch wurde die Wirtschaft nicht von den bedrohlichen Aussichten eines Totalausstiegs getroffen. Und der Leitindex FTSE 100 erlebte seit Ende letzten Jahres einen unerwarteten Höhenflug. Britische Aktien erwiesen sich als erstaunlich robust.

Doch seit einigen Wochen sorgen erneute Meldungen für Unruhe. Zum einen geht es dabei um die Querelen um Zahlungsforderungen durch die EU. Allein die bisherigen finanziellen Verpflichtungen belaufen sich auf über 60 Mrd. €, zuzüglich diverser Entschädigungen werden weitaus höhere Summen gehandelt. Aber beide Seiten scheinen auf Maximalpositionen zu beharren. Der zuständige „Brexit-Minister“ David Davis droht schon mal vorsorglich mit dem Ausstieg aus den Verhandlungen.

Britische Regierung verliert an Rückhalt

Der Devisenmarkt nimmt es bisher gelassen und will sich wohl nicht von jeder schrillen Ankündigung beirren lassen. Noch zieht der Euro nur moderat an, doch das könnte sich rasch ändern. Entscheidend wird sein, ob sich nicht doch in letzter Minute die Vernunft durchsetzt und es zu einer einvernehmlichen Lösung kommt. Inwieweit aber die Geduld der Märkte ausreicht, ist fraglich.

Hinzu kommt eine weitere Unbekannte: die vorgezogenen Neuwahlen in Großbritannien. Nach deren Ankündigung taumelte das Pfund kurzfristig. Die Entwicklung war zunächst von einem, nur moderaten Abfall um weniger als 1% geprägt. Im Verhältnis zum Dollar konnte es sich wieder auf zuletzt fast 1,30 US-$ erholen, doch die Unsicherheit wächst.

Wieviel politische Rückendeckung wird Premierministerin Theresa May erhalten? Vom Druck der Ereignisse und finanziellen Haushaltssorgen getrieben, verkündete sie jetzt, ältere Menschen verstärkt zur Finanzierung von individuellen Pflegekosten heranzuziehen. Die Opposition spricht von einer „Demenz-Steuer“, die Umfragewerte der Konservativen sinken deutlich.

Euro derweil auf Erholungskurs

Sollte sich dies als Anlass zu einem Umdenken in der Bevölkerung erweisen und der Vorsprung in der Wählergunst weiterhin sinken, wäre auch eine schleichende Abkehr vom bislang harten Brexit-Kurs nicht auszuschließen. Im Extremfall könnte er sogar ganz auf der Kippe stehen, wie einige Beobachter in der Finanzwelt aktuell mutmaßen.

Als Anleger kann man nun eigentlich in beide Richtungen spekulieren. Der Wahltermin am 8. Juni wird mehr zeigen. Mit den ganz großen Überraschungen ist jedoch nicht zu rechnen. Die Mehrheit am Markt jedenfalls geht davon aus, dass der Brexit weiterhin seinen Lauf nimmt. Bei dem haben die Briten letztlich mehr zu verlieren als der Rest der EU. Und angesichts der politischen Entspannung im Euroland ist die Gemeinschaftswährung zumindest einstweilen auf Erholungskurs.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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