Großbritanniens verkündete Unternehmenssteuer-Senkung zieht nicht

Erneute Ankündigung: Großbritannien will mit Unternehmenssteuer Firmen anlocken. Das aber wiegt die Nachteile des EU-Austritts nicht auf. (Foto: Zoltan Gabor / Shutterstock.com)

Es gibt Dinge, die werden nicht dadurch besser, dass man sie wiederholt. Besonders wenn deren Umsetzung mangels klarer Rahmenbedingungen unklar ist und das Ganze bestenfalls in der Mittelmäßigkeit endet. Gemeint ist die Ankündigung Großbritanniens, die Unternehmenssteuer nach dem Brexit deutlich zu senken.

Angesichts schwieriger Verhandlungen mit Brüssel hatte Großbritanniens Regierungschefin Theresa May Ende September versucht, eine Trumpfkarte aus dem Ärmel zu holen. Auf der Uno-Vollversammlung versprach sie Unternehmen in aller Welt nach dem EU-Austritt die niedrigsten Unternehmenssteuern unter den G20-Ländern.

Nicht nur Großbritannien senkt Unternehmenssteuer

Damit unterläuft sie natürlich die Bemühungen der führenden Industrienationen, sich zur Vermeidung von Steuerflucht nicht gegenseitig zu unterbieten. Doch mit dem Rücken zur Wand musste sie wohl irgendetwas anbieten. Offenbar geht es um eine Senkung der Unternehmensteuer in Großbritannien von derzeit 19 % auf 17 % bis 2020.

Zum Zeitpunkt des Brexit-Votums waren es noch 20 %. Kurz darauf hatte schon der frühere Finanzminister George Osborne von großzügigen Steuersenkungen gesprochen. Von weniger als 15 % war die Rede. Bis wann aber sagte er damals nicht. Herausgekommen ist bis heute ein Prozentpunkt weniger. Und die aktuelle Perspektive auf 17 % dürfte kaum als Ausgleich reichen, Unternehmen ins baldige EU-Ausland zu locken.

Ein Steuerparadies sieht anders aus. Der Satz entspricht allenfalls einem guten Mittelmaß. Irland beispielsweise verlangt 12,5 % Unternehmenssteuer. Auch der Schweizer Kanton Zug, Tschechien oder Ungarn und Polen liegen unterhalb der 20 %-Marke. Hinzu kommt, dass zahlreiche weitere Länder Europas ihre Unternehmenssteuern senken wollen – Frankreich inklusive.

Brexit-Nachteile nicht aufzuwiegen

Um die erheblichen Nachteile eines EU-Austritts aufzuwiegen, müsste Großbritannien schon mehr bieten. Das zeigt allein der bisherige Umzug etlicher Finanzhäuser aus London in ein EU-Land. Auch die UBS oder Goldman Sachs suchen ihr Glück nun in Frankfurt. Die Verlegung wichtiger EU-Behörden und Institute veranlasst viele Firmen zum Umzug  – und es geht weiter.

So verlegt der japanische Konzern Panasonic seine Europazentrale dieser Tage von Großbritannien nach Amsterdam. Anlass sind ungeklärte Steuerfragen nach dem EU-Austritt. Auch die japanische Bank Nomura packt ihre Koffer und will ins europäische Kernland. Ob Airbus seine Europazentrale verlegt, wird vom Ergebnis der Brexit-Verhandlungen abhängen.

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Die Unternehmen haben erhebliche Schwierigkeiten, Aufträge für die Zeit nach dem Austritt zu erhalten. Bei all der Unsicherheit steht nur eines fest: Es wird deutlich schwieriger. Dass Großbritannien selbst bei weiteren Steuersenkungen nicht mehr zieht, zeigt eine Umfrage des Ifo-Instituts unter familiengeführten Unternehmen. Ihr zufolge meint die Mehrheit, dass eine Steuerreform die Nachteile des EU-Austritts nicht aufwiegen könne.

Kurzum: Mit wiederholten Ankündigungen einer geringeren Unternehmenssteuer macht Großbritannien offensichtlich keinen Stich. Die Probleme durch den Austritt werden für die Wirtschaft ohnehin schwer genug wiegen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.