Günstige Aktien: unterbewertete Titel mit Potenzial

Günstige Aktien mit Potenzial aufzuspüren wird bei einem Nachlassen der Börsenrally umso wichtiger. Eine ganze Reihe findet sich im Dax. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Es ist bei Wertpapieren wie im richtigen Leben: Billig ist nicht unbedingt günstig. Würde es rein nach dem Preis gehen, müsste man im Pennystock-Bereich suchen, wo Aktien für einige Cent zu haben sind.

Wirklich günstige Aktien können durchaus einiges kosten. Es kommt darauf an, dass sie Aussicht auf Wertsteigerung haben. Ob sie am Markt aus irgendeinem Grund unterbewertet sind, lässt sich am Kurs allein nicht erkennen.

Günstige Aktien richtig aufspüren

Einer der es wohl am besten versteht, günstige Aktien aufzuspüren um sie später mit Gewinn zu verkaufen, ist die Börsenlegende Warren Buffett. Mit dieser Value Strategie sind ganze Stäbe seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway beschäftigt. Natürlich hat nicht jeder Privatanleger die Zeit, sich auf der Suche nach Aktienperlen mit allen Details auseinanderzusetzen. Doch ist es sinnvoll, die Grundgedanken zumindest in groben Zügen nachzuvollziehen.

Ein Value-Investor erkennt eine günstige Aktie an ihrem inneren Wert. Der ergibt sich aus einer Reihe von Kennzahlen in der Bilanz eines Unternehmens. Wichtig ist vor allem, die Rentabilität, die Finanzlage sowie Kapitalausstattung einzuschätzen. Hinzu kommt die Betrachtung von Marktposition, Innovationsfähigkeit und Qualität der Unternehmensleitung.

Zeigt sich nun, dass der innere Wert unter dem aktuellen Marktwert liegt, so ist dies ein gutes Zeichen. Je größer der Abstand, desto besser. Sind alle Daten analysiert, folgt noch der Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), also der Aktienbewertung im Verhältnis zum künftigen Unternehmensgewinn. Das Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) kann in einem nächsten Schritt zeigen, wie weit der Marktwert vom Wert der reinen Substanz einer Firma entfernt ist. Bei einem Wert von 1 ist sie an der Börse weniger wert, als alle Produktionsmittel des Unternehmens.

Etliche Kandidaten im Dax

Auf den ersten Blick ist das KGV ein Anhaltspunkt. Auch in den großen Indizes lassen sich unterbewertete, günstige Aktien ausmachen. Die wohl preiswerteste Aktie im Dax ist VW mit einem KGV von lediglich 6,17. Auch BMW und Daimler liegen nur wenig darüber. Die deutschen Autobauer sind im Elektroautotrend am Markt etwas ins Hintertreffen geraten.

Bei VW kommt vermutlich die nicht abreißende Skandalserie hinzu. Doch die drei werden unterschätzt. Sie investieren massiv in neue Systeme. Allein VW steckt 34 Mrd. € in den Konzernumbau und glänzt mit hervorragenden Absatzzahlen.

Ein weiteres Beispiel ist die Lufthansa Aktie. Das KGV von 6,31 passt nicht zu den Aussichten, vor allem seitdem die Kranichlinie nach der Pleite von Air Berlin quasi Monopolpreise erheben kann und steil auf Höhenflug ist.

Sogar ein Blick auf die Allianz lohnt sich. Im von Niedrigzinsen gebeutelten Finanzsektor steht der Versicherer bestens da. Das KGV von 10,95 ist ähnlich niedrig wie das der Münchner Rück. Die weltweit größte Rückversicherung leidet unter einem Gewinneinbruch nach einigen Naturkatastrophen, dürfte sich aber, wie so oft in der Vergangenheit, gut erholen. Erst recht, sobald die Zinsen langsam steigen.

Unterbewertete Biotech-Branche

Ein Blick ins Ausland, Südkorea: Erstaunlich niedrig ist das KGV von Samsung mit 6,67. Dass auch der Kurs des Elektronik-Riesen jüngst nachgeben musste, liegt an den überzogenen Erwartungen des Marktes. Dabei kann sich das Jahresergebnis mit einer Umsatzsteigerung von 19 % und einem Gewinn-Plus von ganzen 83 % mehr als sehen lassen. Gerade bei den immer mehr gefragten Speicherchips hält Samsung einen dominanten Marktanteil von über 40 %.

Langfristig interessant sind beispielsweise auch Biotech-Unternehmen. Die einstigen Anlegerlieblinge starten durch. Die Zukunftsbranche stellt sich gerade mit einigen Übernahmen neu auf. Die meisten Firmen arbeiten profitabler als klassische Pharmariesen, sind aber deutlich schlechter bewertet.

Wenn die Rally an den großen Aktienmärkten nachlässt, werden günstige Aktien mit Potenzial umso wichtiger. Wer es sich einfacher machen will, kann auf einen Value-ETF setzen. Der Global Value Beta ETF etwa von Lyxor kauft die 200 günstigsten Aktien aus den Industrieländern weltweit.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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