Günstige Lufthansa-Aktie: geeignet für Langzeitanleger?

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Die Lufthansa-Aktie ist unterbewertet und kann mit Blick auf die Perspektiven der kommenden Jahre eine Kaufgelegenheit sein. (Foto: Markus Mainka / shutterstock.com)

Üblicherweise sind stark unterbewertete Aktien mit Aufholpotenzial eine Kaufgelegenheit. Zugreifen, wenn sich der Markt in eine Negativspirale verschraubt! Allerdings braucht es dafür mitunter einen langen Atem. Ein solches Papier findet sich derzeit vielleicht auch im Dax: die Aktie von Lufthansa.

Kerosinkosten drücken Lufthansa-Aktie

Seit Jahresbeginn ist sie im Sinkflug. Von den rund 200 %, die sie ab Oktober 2016 bis Ende 2017 zugelegt hatte, ist gerade noch die Hälfte übrig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt 4,01. Der Börsenwert liegt mit rund 9,3 Mrd. Euro unter dem Eigenkapitalwert von 11,4 Mrd. Euro. Mit den Fundamentaldaten allein ist die magere Performance der Lufthansa-Aktie nicht zu begründen. Auch wenn das Frachtgeschäft leicht nachgab, so sollten die jüngst um 9 % gestiegenen Passagierzahlen und die auf 81,7 % verbesserte Auslastungsquote Anlass zum Optimismus sein.

Zwar ist die Aktie in den Strömungsabriss der allgemeinen Konsolidierung an den Aktienmärkten geraten, doch zeigen sich nach Vorlage der letzten Quartalszahlen drei Faktoren, die Anleger nachdenklich machen: gesunkener Gewinn, verschärfte Konkurrenz und steigende Treibstoffkosten. Gerade die veranlassten Lufthansa-Chef Carsten Spohr, mit Blick aufs kommende Jahr die Erwartungen zu dämpfen.

Streiks und Integrationskosten belasten

Das Geschäftsjahr 2018 zumindest wird nur leicht unter dem Rekordergebnis von 2017 abschließen. Allerdings ist in den ersten neun Monaten trotz erneut gestiegener Umsätze der operative Gewinn im Vorjahresvergleich um 7,7 % gefallen. Was nicht wirklich verwundert. Allein die Pleite des Konkurrenten Air Berlin war eine Chance, deren strategische Aufbereitung Geld kostet.

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Entsprechend hatten die Integrationskosten von Air Berlin-Teilen großen Anteil an der Abnahme des freien Cashflow um fast 60 %. Dies ist vor allem bei der Low-Cost-Tochter Eurowings zu verorten. Die Investitionen werden vom Vorstand als „einmalige Gelegenheit zu Stärkung der Marktposition“ bezeichnet. In der Situation erschien es auch kontraproduktiv, die Ticketpreise wegen der seit geraumer Zeit erheblich gestiegenen Treibstoffkosten zu erhöhen.

Zwar hat British Airways, die mit Iberia oder Aer Lingus zur Muttergesellschaft IAG gehört, die Preise schon angehoben, doch hierzulande muss Lufthansa zunächst gegen die Kampfpreise von Easyjet sowie Ryanair ankommen, das seinen Anteil am österreichischen Anbieter Laudamotion auf 75 % ausbauen will. Davon abgesehen wären höhere Ticketpreise den Kunden kaum zu vermitteln gewesen. Die waren ohnehin wegen der Engpässe und Streiks genervt. Insgesamt mussten 18.000 Flüge gestrichen werden.

Kein Anlass für Horrorszenarien beim Ölpreis

Was die gestiegenen Kerosinkosten angeht: Die Lufthansa erwartet keine Entspannung bei der Ölpreisentwicklung. Es könnte aber auch anderes kommen. Die meisten Analysten sehen den Ölpreis nächstes Jahr bei rund 57 US-Dollar, danach um die 80 Dollar und ab 2021 wieder bei 65 Dollar. Derzeit pendelt er um die 70 Dollar. Zudem versucht schon Donald Trump den Ölpreis in Grenzen zu halten und die Opec zu schwächen.

Dass der Druck, die Ticketpreise zu erhöhen, zunehmen wird, ist also längst nicht ausgemacht. Langfristig betrachtet hat die Lufthansa eine vergleichsweise gute Wettbewerbsposition. Die derzeit negative Übertreibungsphase kann noch länger dauern. Mit Blick auf die Perspektiven von drei Jahren oder mehr kann die Lufthansa-Aktie durchaus eine Kaufgelegenheit sein.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.