Haier Aktie: erster China-Konzern auf Eurobasis

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Die Haier-Aktie ist seit Kurzem die erste chinesische Aktie, die in Euro handelbar ist. Der weltgrößte Haushaltsgerätehersteller expandiert. (Foto: Ekaterina Kupeeva / shutterstock.com)

China ist unverändert auf Wachstumskurs. Trotz des Streits mit den USA um Strafzölle sind die Exporte erneut gestiegen. Auch das diesjährige leicht korrigierte Wirtschaftswachstum von 6,5 % ist kein wirklicher Anlass zur Sorge. Doch viele attraktive China-Aktien sind für deutsche Anleger schwer zugänglich. Zu den Ausnahmen gehört die Aktie von Haier.

Haier-Aktie seit Oktober in Frankfurt notiert

Der weltweit größte Haushaltsgerätehersteller ging jüngst in Deutschland an die Börse. Die Haier-Aktie ist nun auch an der deutsch-chinesischen Plattform Ceinex der Börse Frankfurt notiert und wird dort in Euro gehandelt. Haier Electronics, das vor zwei Jahren die Hausgeräte-Sparte von General Electric gekauft hatte, verabschiedet sich derzeit vom Image einer Billigmarke. Umsätze und Gewinn sind zuletzt um gut 20 % gestiegen. Auch in den vergangenen Jahren ging es mit den Erlösen fast durchgehend bergauf. Der Umsatz 2017 betrug umgerechnet ca. 20 Mrd. Euro.

Beim deutschen Börsengang am 24. Oktober lag der Eröffnungskurs der Aktie bei 1,05 Euro. Seitdem tritt er nach schleppendem Anfang auf der Stelle. Außer dem Zweitlisting ist die Haier-Aktie traditionell an der Börse in Shanghai notiert. Zuletzt zeigte sie deutliche Schwächen. Seit dem Jahre 2000 aber hat sie ein Plus von gut 500 % gebracht.

Doch warum ist die Aktie im deutschen Handel derart billig und unterbewertet? Immerhin kostet sie in Shanghai rund die Hälfte mehr. Die Frage drängt sich schon wegen der unrühmlichen Vergangenheit chinesischer Aktien an der Frankfurter Börse auf. Anstatt in solide Unternehmen zu investieren, sind viele Anleger hierzulande auf Pleitekandidaten sitzen geblieben.

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Qingdao Haier steht fürs erste unter genauer BeobachtungDer chinesische Blue-Chip Haier geht an die Börse. Gelingt es Haier, sich von der katastrophalen Bilanz bisheriger China-IPOs abzukoppeln? › mehr lesen

Solider Marktführer auf Expansionskurs

Die Börse Frankfurt hat deshalb 2015 mit Gründung der Ceinex neuen Anlauf genommen und die Zugangsregeln verschärft. Dazu gehören etwa ein substanzielles Geschäft in Europa, internationale Präsenz, gute Geschäftshistorie und eine zuverlässige Dividendenpolitik. Haier ist nun der erste echte solide Blue Chip im Angebot, der seine Börsenreife seit 1993 längst unter Beweis gestellt hat. Der günstige Preis soll deutsche Anleger locken, die das Unternehmen noch nicht kennen.

Dabei ist zunächst wichtig, dass man Haier nicht mit Haier verwechselt. Das in Frankfurt mit D-Aktien (D für Deutschland) gelistete Unternehmen ist auf Kühl- und Gefrierschränke sowie Klimaanlagen oder Waschmaschinen spezialisiert und nennt sich nach der Stadt ihres Hauptsitzes Qingdao Haier. Haier Electronics wiederum stellt unter anderem Smartphones her und ist an der Börse von Hongkong gelistet. Es hält 41% an Qunigdao Haier.

In seinem Bereich ist Qingdao Haier seit Jahren Weltmarktführer mit einem Marktanteil von 13,3 %. Der Börsengang in Frankfurt soll nicht nur Deutschen zeigen, dass es neben Miele, Bosch oder Siemens noch eine Alternative zu „weißer Ware“ gibt. Geplant ist der Ausbau des Europageschäfts. Dazu gehört auch die jüngste Übernahme des italienischen Herstellers Candy für 475 Mio. Euro. Beim Börsengang waren rund 320 Mio. Euro eingesammelt worden.

Haier ist auf Expansionskurs und als erste chinesische Aktie, die in Euro handelbar ist, durchaus ein interessantes Papier für das Portfolio.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.