Handelsabkommen USA und Mexiko: Das sind die Folgen für deutsche Autobauer

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Das neue Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko stellt mit Mindestvorgaben die deutschen Autobauer vor neue Herausforderungen. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Mexiko war ja ein rotes Tuch für Donald Trump: lauter Migranten, die Mauer muss her. Und dann die vielen ausgelagerten Produktionsstätten im Nachbarland, allen voran die Autobauer: alles unfair, America first, das Handelskommen Nafta muss sich ändern. Und nun das Ergebnis, bei dem der südliche Nachbar gar nicht so schlecht wegkommt. Das neue Handelsabkommen zwischen Mexiko und den USA löst das 24 Jahre alte Vorgängermodell Nafta ab und soll obendrein einen anderen Namen bekommen.

Börse honoriert Handelsabkommen USA Mexiko

In der ersten Runde haben lediglich die USA und Mexiko ein Handelsabkommen getroffen, Kanada ist noch außen vor. Dennoch war das Aufatmen an den Börsen deutlich zu verspüren. Der Dow Jones, der S&P 500, aber auch der Dax samt Nebenwerten zogen an der Börse Frankfurt an. Auf deutscher Seite trug der Anstieg des Ifo-Geschäftsklima-Index dazu bei. Der kam noch überraschender als die Einigung zu einem Handelsabkommen der USA mit Mexiko.

Für Anleger zeigte sich einmal mehr, dass man politischen Börsen und Panikmache mit Besonnenheit begegnen muss. Dabei muss aber auch die Einigung mit nüchterner Distanz betrachtet werden. Die Finanzwelt hat sich vor allem gefreut, dass sie überhaupt zustande kam. Einerseits ein bescheidener Anlass, andererseits verhindert die neue Nafta-Magerversion größere Schäden für die US-Wirtschaft. Genau diese Bedrohung hat Trump dazu bewegt, letztlich einige Zugeständnisse an Mexiko zu machen, etwa bei Zöllen auf Agrarprodukte. Auch scheint die Mauer kein Thema mehr zu sein.

Folgen für deutsche Autobauer

Aus deutscher Sicht interessieren vor allem die Folgen für Autohersteller, schließlich sind BMW, Daimler und VW mit verschiedenen Schwerpunkten in beiden Ländern aktiv. Und hier geht es gerade um die eng verzahnten Lieferketten. Wann gilt ein Auto als in einem der beiden Länder gebaut und ist damit zollfrei? Die frische Vereinbarung lautet: der Wertschöpfungsanteil muss mindestens 75 % betragen, bisher lag er bei 62,5 %. Zudem müssen bis zu 45 % der Teile zum Stundenlohn von 16 US-Dollar gefertigt werden.

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Letzteres ist auf Mexiko gemünzt, wo Industriearbeiter im Schnitt für 2,30 Dollar arbeiten. Mit der neuen Regelung dürften US-Unternehmen wie Ford oder General Motors weniger Jobs ins Nachbarland verlagern. Das jedoch hatte die Profitabilität erhöht. Auch für die deutschen Hersteller ist dies eine Herausforderung, gerade mit Blick auf die frisch gebauten Werke in Mexiko. Zulieferer wie Continental und Bosch sind mit ihren Produktionsstätten gleichfalls betroffen.

Nicht nur die Kostenplanung gerät durcheinander. Der Mindestwertschöpfungsanteil von 75% wird weder von BMW noch von Daimler eingehalten. Sie erfüllen allenfalls Werte zwischen 60 % und 70 %. Grund: Anders als VW, produzieren die beiden keine Motoren in Nordamerika. Sehr wohl aber in China. Und das gefällt dem US-Präsidenten schon gar nicht.

Schwächere Verkaufszahlen in den USA

In der Folge wird der neue Mindestlohn alle drei Hersteller plus Zulieferer treffen, der gestiegene Wertschöpfungsanteil BMW und Daimler. Dass dafür wenigstens das Thema Strafzölle auf europäische Autos vom Tisch ist, erweist als schwacher Trost. Denn zuletzt sind die Verkaufszahlen in den USA überraschend gesunken. Einzig VW kratzt an der Stagnation.

Die ganze Nummer zum Handelsabkommen USA und Mexiko ist übrigens noch nicht wirklich in trockenen Tüchern. Trump lobt sich für einen „Durchbruch“, für den er aber noch einen dritten braucht: Kanada. Denn für bilaterale Abkommen hat er kein Mandat. Ein solches müsste der Kongress absegnen. Es ist bei Lichte betrachtet lediglich eine bilaterale Einigung. Stimmt Kanada nicht zu, gehen die Verhandlungen in die nächste Runde.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.