Handelskrieg: US-Strafzölle sorgen für Ungemach

Neue Importzölle der USA werden den Freihandel untergraben und die Weltwirtschaft bremsen. Betroffen sind zahllose Unternehmen. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

„Es gibt keine Gewinner in einem Handelskrieg“. Diese Mahnung kam nun auch von Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), gerichtet an Donald Trump, der sich anschickt, die USA mit Importzöllen vor mutmaßlich unfairen Handelsbedingungen schützen zu wollen.

Bereits zu Wahlkampfzeiten hatte er für verschiedene Waren in die USA Importzölle angedroht. Wer gedacht hatte, das Thema hätte sich erledigt, weil Trump den Wert von freiem Handel auch für sein Land erkenne, der wurde kürzlich eines Besseren belehrt. Entsprechend erschrocken reagierten auch die zuvor euphorischen Börsen. Die Kurse gaben auf breiter Front nach.

Importzölle der USA als Druckmittel

Aktuell haben die USA Importzölle auf Aluminium, Stahl oder Autos im Visier. Dabei greift Trump explizit auch die EU und China an. Er gibt sich überzeugt, ein Handelskrieg sei für ihn „leicht zu gewinnen“. Im Fall von Kanada und Mexiko nutzt er ihn als Drohszenario und Druckmittel, um den Ländern Zugeständnisse bei den anstehenden Nafta-Verhandlungen abzunötigen. Hier könnte er unter Umständen Teilerfolge erzielen.

Auch bei China, wo es vordergründig um Importzölle von bis zu 60 Mrd. US-$ auf Stahl und andere Waren geht, spielt ein ganz anderer Aspekt eine Rolle: der verbreitete Diebstahl intellektuellen Eigentums. Die US-Wirtschaft, die selbst mit dem Problem zu kämpfen hat, sieht in dem Vorgehen allerdings einen völlig falschen Ansatz.

Peking gibt sich derweil kampfbereit. Es ist nicht davon auszugehen, dass China bereit ist, sein Gesicht zu verlieren. Viel eher dürfte es den Schulterschluss mit anderen suchen, etwa mit Südkorea, das in Sachen Stahlexport erheblich stärker betroffen ist.

In Bezug auf die EU sitzen die USA notfalls am längeren Hebel, allein schon, weil sie mit ihren Rohstoffen im eigenen Land unabhängiger sind. Nach angedrohten Importzöllen von 25 % auf Stahl und 10 % auf Aluminium reagierte Brüssel mit Gegenmaßnahmen auf Waren wie Bourbon-Whiskey oder Motorräder von Harley-Davidson, woraufhin Trump mit Strafzöllen auf deutsche Autos zurückschoss.

Vom Stahlkonzern bis zum Maschinenbauer

Auch hier scheint er es mit Erpressung zu versuchen, allein die hiesigen Verteidigungsausgaben innerhalb der Nato sind ihm zu gering. Und schon bringt die EU Digitalsteuern für Google, Facebook etc. ins Spiel. Sie ist eigentlich gezwungen, Härte zu zeigen und wird sich nicht leisten können, Sondervereinbarungen mit den USA auszukungeln, vor allem weil damit die WTO-Grundregeln der Gleichbehandlung verletzt würden. Ohnehin dürfte Trump immer neue Forderungen nachschieben.

Folglich ist mit Einbußen gerade in Branchen zu rechnen, die Stahl und Aluminium verarbeiten, gleich ob es um Maschinenbauer, Veredler oder Komponentenhersteller geht. Die Aktie von Salzgitter etwa hat bereits erheblich nachgegeben, von 51,80 € auf 42,10 €. Nicht ganz so stark traf es Arcelor Mittal. Ebenfalls unter erheblichem Druck steht ThyssenKrupp, das die Automobil-, und Verpackungsindustrie mit speziellen Stahlprodukten beliefert.

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Die deutsche Stahlindustrie, die seit 2011 ihre Exporte in die USA um 40 % steigern konnte, gehört zu den klaren Verlierern im Handelsstreit. Hinzu kommt: Wenn vermehrt chinesischer Stahl auf den europäischen Markt geschwemmt wird, entsteht ein Überangebot, das die Preise nach ihrer Erholung erneut unter Druck setzt.

Keine Gewinner im Handelskrieg

Bei den deutschen Autoherstellern indes setzt nach dem ersten Schock Erholung ein, wobei der Kursverlauf von BMW, Daimler und VW weitgehend ähnlich ist. Die Folgen von US-Importzöllen würden dadurch abgemildert, dass sie gefragte Modelle in den USA selbst produzieren. Ausnahme ist Porsche, für das der amerikanische Markt entscheidend ist. Hält Trump an seinen Strafzöllen länger fest, könnte VW erwägen, Porsche auf in den USA zu fertigen.

Insgesamt wird bei einer weiteren Eskalation die Weltwirtschaft leiden. Das angepeilte Wachstum von 3,9 % steht bei einem einsetzenden Abschottungswettbewerb auf dem Spiel. Bleibt abzuwarten, wann sich in den USA selbst genügend Frust aufbaut, weil die eigene Wirtschaft nachlässt und höhere Preise den Effekt von Trumps Steuersenkungen auffressen. Im Handelskrieg verlieren letztlich alle – wie gesagt: Es gibt keine Gewinner.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.