Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Handelsstreit: Waffenstillstand zwischen USA und China – wer profitiert?

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Der Handelsstreit zwischen den USA und China liegt vorerst auf Eis. Kommt es zu einer Einigung, könnte unter anderem Tesla davon profitieren. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Die USA haben sich im Handelsstreit mit China vorerst auf einen Waffenstillstand geeinigt. Damit treten Zölle im Wert von 200 Mrd. US-$ auf importierte Waren aus China vorerst nicht in Kraft. In den nächsten 90 Tagen soll in Verhandlungen eine Lösung im Handelskonflikt gefunden werden.

Zwar hat China zugesagt, mehr Waren aus den USA zu importieren, um das Handelsbilanzdefizit zu verringern, doch gelöst ist der Handelsstreit damit noch lange nicht. Wird in den nächsten 90 Tagen keine Einigung gefunden, steigen die US-Zölle von 10 auf 25 % auf importierte Waren aus China.

Der Streit zwischen China und den USA hat zuletzt auch deutsche Autohersteller getroffen, denn der Export der deutschen Hersteller aus den USA nach China ist in den ersten 10 Monaten um ein Drittel gesunken.

Einigung im Handelsstreit: Tesla gilt als Hauptnutznießer

Wird hingegen eine Einigung gefunden, gilt der US-Elektroautobauer Tesla neben amerikanischen Chip-Herstellern als einer der Hauptnutznießer. Die Tesla-Aktie hat hierauf schon reagiert, legte die Aktie zuletzt in der Spitze auf bis auf 380 US-$ zu.

China ist für Tesla ein wichtiger Markt, der zweitgrößte nach den USA. Doch im Oktober sollen die Tesla-Verkaufszahlen um rund 70 % auf 211 Elektroautos eingebrochen sein, so Daten der China Passenger Car Association.

Hintergrund waren offenbar die stark gestiegenen Handelszölle. China hat die Zölle auf US-Fahrzeuge um 40 % angehoben. Um die gestiegenen Zölle abzufedern, hatte Tesla zuletzt sogar die Preise für sein Model S und Model X in China gesenkt.

Tesla plant eigene Fabrik in China

Trotz der schwierigen Marktbedingungen sieht Tesla weiterhin großes Potenzial im Reich der Mitte. Schon im zweiten Halbjahr 2019 will Tesla offenbar mit der Produktion in China beginnen, wie Regierungsbehörden in Shanghai jüngst durchblicken ließen. Hierfür hat Tesla bereits Mitte Oktober ein Grundstück (Fläche: 864.885 Quadratmeter) in Shanghais Lingang Distrikt erworben.

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Laut Medienberichten will Tesla in Shanghai rund 2 Mrd. US-$ investieren. In der neuen Gigafabrik soll im Jahr 2020 auch das neue Model 3 vom Band laufen, um den lokalen Markt zu bedienen. Eines Tages will Tesla in China 500.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren. Der Vorteil des Werks in Shanghai: Tesla kann die Fabrik komplett in Eigenregie betreiben und ist damit nicht auf einen Joint-Venture-Partner angewiesen. Das bedeutet, Tesla muss seine Gewinne nicht mit einem Partnerunternehmen teilen.

Für Tesla hat die Produktion in China noch weitere Vorteile, denn dadurch würden nicht nur Importzölle, sondern auch hohe Transportkosten aus Übersee entfallen. Aktuell hat Tesla an dieser Stelle einen Kostennachteil von 55 bis 60 % gegenüber lokalen Herstellern wie BYD und NIO.

Fazit: Tesla nimmt weltgrößten Automarkt ins Visier

Mit den jüngsten Maßnahmen nimmt Tesla den weltweit größten Automarkt ins Visier. Bereits in 2017 war der Absatz von Elektro-, und Hybrid-Autos in China auf 770.000 Einheiten gestiegen – in 2018 dürfte die Marke von 1 Mio. Einheiten überschritten werden (Quelle: Bloomberg).

Die chinesische Regierung erwartet, dass dieser Markt jedoch erst am Anfang steht. Bis 2025 rechnet die Regierung in Peking mit über 7 Mio. verkauften Elektro- und Hybrid-Autos im Jahr.

Dies ist nicht nur eine große Chance für Tesla, sondern auch für die deutschen Autohersteller. Aus diesem Grund hat Daimler zu Jahresbeginn bekannt gegeben, die Produktion von Mercedes-Fahrzeugen mit dem Partner BAIC weiter auszubauen.

Auch Tesla könnte vom chinesischen Elektroauto-Boom profitieren, wenn das Unternehmen es schafft, seine Produktion in China zeitgerecht aufzubauen. Kann Tesla seine bisherigen Erfahrungen in der Model-3-Produktion dazu einsetzen, um den Produktionsaufbau in China zu beschleunigen, dürften die Kalifornier nicht nur in den USA, sondern auch in China zum ernsthaften Wettbewerber der deutschen Autohersteller avancieren.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands