Hedgefonds – ein exklusiver Club

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Hedgefonds können die Finanzmärkte erschüttern und mit hohem Risiko enorme Gewinne einfahren. Ohne Regeln sind sie nichts für Privatanleger. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Sie können über hohe Hebel mit gewaltigen Summen die Aktienmärkte durcheinanderwirbeln, Unternehmen angreifen oder Währungen unter Druck setzen – Hedgefonds genießen einen zweifelhaften Ruf. Durch Leerverkäufe mit selbstverstärkender Wirkung bescherte Star-Investor und Hedgefonds-Manager George Soros 1992 dem Britischen Pfund einen massiven Kursrutsch. In der Finanzkrise 2008 trafen Hedgefonds unter anderem Titel wie Deutsche Bank, Deutsche Börse oder Münchner Rück. Und Anfang 2019 setzten sie immer wieder dem Dax-Konzern Wirecard zu. Geht die Wette auf, fahren Hedgefonds enorme Gewinne ein.

Von der Absicherung zur Spekulation

Dies ist aber nur eine Seite. Im Grunde folgt ein Hedgefonds dem Gedanken der Absicherung, was im englischen hedge zum Ausdruck kommt. Das Mittel dazu ist die Börsenstrategie des Leerverkaufs bzw. Short-Selling, bei dem man auf fallende Kurse wettet und profitiert, wenn dadurch Verluste auf der regulären Long-Seite ausgeglichen werden. Gleich ob zur Absicherung oder Spekulation – Hedgefonds sind zunächst nichts anderes als Investmentfonds.

Von der Funktion her wird wie bei jedem gemanagten Fonds oder ETF Investorengeld in bestimmte Anlagen gesteckt. Doch Aktien, Anleihen oder Devisen sind nur eine Sache. Zu den gängigen Strategien gehören neben Leerverkäufen auch Termingeschäfte oder Optionen. Während die etwa im Rohstoffbereich traditionell zu Absicherung dienen, suchen Hedgefonds in der Regel extrem hohe Gewinne über ebenso hohe Risiken.

Zum Anlegerkreis gehören vor allem professionelle Investoren. Für die meisten Privatanleger sind die Einstiegshürden schon aufgrund der beachtlichen Mindestanlagesummen sowie dem Nachweis eines entsprechenden finanziellen Vermögens fast unüberwindbar. Unter einer halben Million geht in der Regel nichts. Trotz des exklusiven Kreises verwalteten Hedgefonds Schätzungen zufolge Ende 2018 gut 3 Bio. US-Dollar – 2010 waren es noch 1,9 Billionen. Hedgefonds-Manager gehören zu den Top-Verdienern in der Finanzbranche. Bis zu 20% Gewinnbeteiligung sind durchaus üblich.

Hedgefonds: Leerverkäufe und abseits der Regeln

Zum Vorgehen gehören vor allem Leerverkäufe mit zumeist hohen Hebeln. Durch die Tatsache, dass geliehene Papiere zum Einsatz kommen, wird also mit einem hohen Anteil an Fremdkapital gearbeitet, während das eigentliche Investorengeld nur einen Bruchteil ausmacht. Hier hängt alles vom Können und Glück des Fondsmanagements ab. Geht die Sache schief, ist viel Kapital verloren und schnell steht der Fonds selbst mit seiner dünnen Kapitalbasis vor dem Aus. Entsprechend häufig werden Hedgefonds geschlossen, nur um dann wieder in anderer Form neu zu entstehen.

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Schon aus diesem Grund sind regulären Investmentfonds derartige gezielte Leerverkäufe verboten. Sie sind auch kein Vergleich beispielsweise zu Short-ETFs, die kurzfristig eingesetzt rein der Absicherung dienen und einen kompletten Index abbilden. Hedgefonds spielen mit ihrem hohen Einsätzen und Risiken in einer anderen Liga und entziehen sich den üblichen Regularien und Richtlinien wie bei UCITS, Aufsichtsbehören wie der BAfin oder der Börsen selbst. Hedgefonds werden als geschlossene Fonds außerhalb der Börse gehandelt. In der Form eines Alternativen Investmentfonds sind wenige Vorgaben zum Anlegerschutz zu beachten.

Teil des Erfolgs ist, dass das Management erheblich mehr Freiheiten genießt. Allein die Anlagestrategie ist absolutes Geschäftsgeheimnis um sich davor zu schützen, dass andere Akteure das eigene Spiel durchschauen und durchkreuzen. Intransparenz, die Privatanleger ansonsten abschreckt, gehört für Hedgefonds zur Erfolgs- und Überlebensstrategie. Grenzenlos ist die Freiheit jedoch nicht. Das Verbot des Insiderhandels zum Schutz vor Kursmanipulationen durch den Einsatz nicht öffentlich zugänglicher Informationen gilt auch für Hedgefonds. Aufgrund des enormen Erfolgsdrucks kommt es immer wieder zu Gerichtsprozessen mit empfindlichen Strafen.

Grüße aus der Steueroase

Trotz ihres bisweilen zweifelhaften Rufs waren Hedgefonds gerade vor der Finanzkrise bei der Verbriefung von Krediten gefragt. Für die Bereitschaft, eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit in Kauf zu nehmen, werden oft zweistellige Zinsen gewährt. Auch bei Kreditausfallversicherungen stehen sie Investmentbanken als risikobereite Gegenpartei zur Verfügung. Da ihnen verbreitet eine Mitschuld an der Finanzkrise zugerechnet wurde, kamen politische Forderungen nach Verboten und Regulierungen auf.

Um weiterhin ungehindert und ohne geplante Finanztransaktionssteuern operieren zu können, haben etliche Hedgefonds ihren Sitz auf den Kaiman-Inseln oder den Bermudas. Die Fondsmanager indes agieren vor Ort an wichtigen Finanzplätzen wie New York oder London und sind potenziell in der Lage, mit gezielten Spekulationen das Wirtschaftssystem massiv zu beeinflussen.

Privatanleger, die trotz der Risiken interessiert sind, können hierzulande nur in Dach-Hedgefonds investieren. Die gewährleisten durch die Investition in verschiedene Hedgefonds ein Mindestmaß an Risikostreuung. Allerdings fallen hier überdurchschnittlich hohe Gebühren an. Alternativ kann man in einzelne Hedgefonds investieren, die an der Börse notiert sind. An der Londoner Börse beispielsweise RAB Capital oder Man Group, der weltweit größte Hedgefonds.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.