Hedgefonds setzt Nestlé unter Druck

Ein Hedgefonds mischt Nestlé auf, was aber dem neuen Konzernchef Schneider eher gelegen kommt - der ist ohnehin dabei aufzuräumen. (Foto: Craig Russell / Shutterstock.com)

Über Aktien ins Unternehmen einsteigen, den Laden aufmischen und mit hemdsärmeligen Aktionen den Kurs treiben – um mit gewaltigem Profit das Spiel zu beenden. Das Treiben aktivistischer Finanzinvestoren verfolgt man als Anleger durchaus mit gemischten Gefühlen. Einerseits winken kurzfristige Kursgewinne. Doch was geschieht hinterher?

Hedgefonds hat Nestlé im Visier

Nun hat ein solcher Hedgefonds Nestlé im Visier. Und damit ein Dickschiff, das einen entsprechend hohen Einsatz erfordert. Bekannt für solche Aktionen ist neben Carl Icahn und Paul Singer der Amerikaner Daniel Loeb. Mit seinem Hedgefonds Third Point hat er 40 Mio. Nestlé-Aktien gekauft. Kostenpunkt: rund 3,5 Mrd. US-$. Und prompt sprang die Aktie nach oben – um 5 % auf gut 78,8 €.

Allzu gut ist Investoren in Erinnerung, dass es Loeb meist gelingt sein Ziel zu erreichen, und sei es mit brachialen Mitteln. Zudem versteht er es, andere Aktionäre zunächst auf seine Seite zu ziehen, womit er Druck machen kann. Deshalb sollte auch seine 1,25 %-Beteiligung am weltweit größten Nahrungsmittelkonzern aus der Schweiz nicht unterschätzt werden.

Zunächst fordert der forsche Hedgefonds von Nestlé mehr Rendite und Wachstum. Tatsächlich musste der Riesenkonzern in den letzten Jahren seine Wachstumsziele zunehmend stutzen. Nun soll das Produktportfolio mit über 2.000 Marken gestrafft und verstärkt auf Wachstumsbereiche wie Health Food ausgerichtet werden. Gleichzeitig geht es um den Verkauf der 23 %-Beteiligung von Nestlé an L`Oréal. Das Paket ist gut 24 Mrd. € wert. Der Erlös soll in Aktienrückkäufe und Sonderdividenden gesteckt werden.

Megaprofit durch spektakuläre Aktionen

Doch was steckt dahinter? Immerhin ist Nestlé eines der größten Engagements von Third Point. Zu den letzten spektakulären Aktionen gehören Sony und Yahoo. Bei Sony forderte er als Großaktionär die Ausgliederung von Teilen der profitablen Entertainmentsparte. Dabei lieferte er sich eine öffentlich ausgetragene Schlammschlacht mit Hollywoodstar George Clooney.

Yahoo hat er letztlich zerlegt. Den damaligen Chef Scott Thompson überzog er 2011 lautstark mit Vorwürfen zu dessen Lebenslauf. Er zweifelte solange dessen Uni-Abschluss in Informatik an, bis Thompson seinen Stuhl räumte und Marissa Mayer Platz machte. Loebs Hedgefonds besetzte drei Vorstandsposten und ging erst, als ihm der Konzern Yahoo-Aktien für 1,2 Mrd. US-$ abkaufte. Loeb kassierte das Doppelte seines Einsatzes. Yahoo musste sein Internetgeschäft verkaufen.

Bei Nestlé indes liegen die Karten etwas anders. Dessen Vorstandsvorsitzender Ulf Mark Schneider hatte zuvor als Chef den Dax-Konzern Fresenius auf Vordermann gebracht und war erst Anfang des Jahres von Nestlé gerufen worden. Dort will er für frischen Wind sorgen und verkrustete Strukturen aufbrechen. Geschickt reagierte Schneider denn auch auf die Hedgefonds-Forderungen und legte eine Agenda vor, mit der Loeb eigentlich offene Türen einrennt.

Nestlé räumt ohnehin auf

Dazu gehört ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 20 Mrd. Schweizer Franken bis 2020. Außerdem will man sich auf wachstumsträchtige Bereiche konzentrieren, in denen Konkurrenten wie etwa Danone viel weiter sind. Dazu gehören neben Gesundheits-, Säuglingsnahrung und Wasser Produkte für Heimtiere oder Kaffee. Auch wird der Vertrieb auf neue Beine gestellt.

Als Aufräumer kommt Loeb Schneider nicht gerade ungelegen. Im Gegenteil: Er kann dessen Intervention zur Durchsetzung seiner eigenen Ziele innerhalb des Konzerns nutzen. Gelingt ihm das, kann er seine Aktionäre von einem nachhaltigen Konzept überzeugen. Und davon, dass es ihnen letztlich mehr bringt als irgendwelche Aktionen, die Loeb eventuell aus dem Hut zaubern könnte.

Vordergründig scheint Schneider Loeb zu folgen. Macht er keine entscheidenden Fehler, dürfte sich das Machtverhältnis umdrehen. Bei Fresenius jedenfalls, das schon mal als „bestgeführter deutscher Konzern“ bezeichnet wird, hat er sein Durchsetzungsvermögen unter Beweis gestellt.

Der Gesundheitskonzern ist zwar nicht mit Nestlé vergleichbar, doch die Aktie brachte in den letzten fünf Jahren einen Zuwachs von 168 %. Beim Nestlé-Papier waren es nicht ganz 50 %. Dafür gibt es hohe Dividenden. Mit dem neuen Schwung wird die Aktie beflügelt.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.