HelloFresh-Aktie: Die Chancen sind da, aber Vorsicht ist angebracht

Neues Spiel, neues Glück – Börsendebüts (IPOs) werden immer mit Spannung verfolgt. Trifft der Emissionspreis die Marktvorstellungen und ist das Geschäft aussichtsreich, kann es sich lohnen, einzusteigen. In der Regel sollte man zunächst den Verlauf der ersten Zeit beobachten.

Aktie von HelloFresh im zweiten Anlauf platziert

Abwarten ist auch bei der neuen Aktie von HelloFresh angesagt. Unter den 14 deutschen Börsengängen in diesem Jahr ist sie einer von zwei Vertretern im Bereich Online-Lebensmittelversand. Zusammen mit Delivery Hero, das im Juni an die Börse ging, wurde die HelloFresh-Aktie vom Berliner Inkubator Rocket Internet, der selbst im Sdax gelistet ist, im Prime Standard der Börse Frankfurt angeschoben.

Während Delivery Hero fertige Mahlzeiten liefert, kommen bei HelloFresh Sets mit abgepackten Zutaten ins Haus, die man am eigenen Herd zubereitet. Wer keine Zeit zum Einkaufen hat, bestellt sich die Bausteine für ausgewählte Menus samt Rezeptanleitung. Die Nachfrage ist vorhanden, der Börsengang war schon 2015 geplant, wurde dann aber verschoben. Jetzt hat es im zweiten Anlauf geklappt.

Doch der Kochboxen-Versender musste zum Debut mit kleineren Portionen an den Start gehen als geplant. Der Anfangspreis der HelloFresh-Aktie lag mit 10,25 € nur in der Mitte der vorab definierten Spanne und begrenzte den Börsenwert auf 1,7 Mrd. €. In der letzten Finanzierungsrunde im Dezember wurde von 2 Mrd. € ausgegangen. Das Preiszugeständnis brachte nun einen Erlös von 318 Mio. €. Der geht an das Unternehmen und kann für die weitere Expansion verwendet werden.

Kassierte Rocket Internet bei Delivery Hero noch 264 Mio. €, hat es diesmal vorsichtshalber auf derartige Einnahmen verzichtet und seine Beteiligung auf rund 47,6 % gesenkt. Entsprechend gab das Papier von Rocket Internet deutlich nach. Der Börsengang ist alles andere als der Auftakt zu einer klar absehbaren Kurskarriere. In Fachkreisen wird er verbreitet kritisch gesehen.

Hohe Kosten für Marketing und Lieferkette

HelloFresh muss Marktanteile vor der Konkurrenz sichern, ausweiten und Kunden binden bevor sich neue Mitanbieter breit machen. Bisher gelang es, immer mehr vom Kochset-Angebot zu überzeugen. Gegründet wurde HelloFresh 2011. Seitdem rollen die Berliner mit über 2.000 Mitarbeitern den Markt auf. Im zweiten Quartal lieferten sie 33,7 Millionen Mahlzeiten an rund 1,3 Millionen aktive Kunden, was einen Umsatz von 230 Mio. € generierte.

Das Startup ist neben etlichen europäischen Ländern inklusive Großbritannien auch in Australien, Kanada und den USA aktiv. Wobei der amerikanische Markt über 60 % der Erlöse abwirft. Der dortige Hauptkonkurrent ist Blue Apron. Ihm konnte HelloFresh Marktanteile abjagen und ist derzeit doppelt so viel wert. Blue Apron-Aktien haben seit dem Börsengang im Juni schon die Hälfte verloren.

Obwohl HelloFresh im US-Markt erfolgreich und zudem international aufgestellt ist, ist es schwieriger Gewinne zu machen als etwa bei Delivery Hero, das von Gebühren und Provisionen für Gerichte aus lokalen Restaurants lebt. Bei Kochsets sind die Kosten höher: Zutaten müssen eingekauft, in Lagern vorgehalten, bearbeitet, portioniert und eingetütet werden, bevor sie auf den Weg gehen.

Amazon drängt in den Markt

Damit kontrolliert HelloFresh zwar die Lieferkette. Doch die Kosten, gerade was den zunehmenden Bedarf an Lagerplatz angeht, sind etwa für Amazon mit seinen riesigen Logistikzentren leichter zu steuern. Der Online-Riese drängt ebenfalls in den Markt mit Essenslieferungen und hat bereits den Lebensmittelkonzern Whole Foods übernommen. Das setzt Blue Apron mit sinkenden Kundenzahlen und steigenden Kosten erheblich zu. Gut 300 Mitarbeiter wurden jüngst entlassen.

Auch HelloFresh muss sich anstrengen. Was drückt, sind zudem die enormen Marketingkosten, die zwar den Bekanntheitsgrad erhöht, aber auch den Weg in die Gewinnzone verhindert haben. Die will HelloFresh in den nächsten 15 Monaten erreichen und gibt bei der Ebitda-Marge ein mittelfristiges Ziel von bis zu 15 % bekannt.

Die HelloFresh-Aktie hat sich derweil nach einem rasanten Kursanstieg im Verlauf des ersten Handelstags in Richtung Einstiegspreis verbilligt. Das Papier von Delivery Hero, bei dem es in den ersten Tagen ähnlich verlief, konnte danach um 41 % zulegen. Ob HelloFresh denselben Weg gehen wird, bleibt abzuwarten.

Was vorsichtig stimmt: Einerseits dürfte laut Marktforscher Yougov die Nachfrage nach Essenslieferungen generell stark steigen. Die Lust selbst zu kochen, scheint aber nach Erkenntnis des Landwirtschaftsministeriums zumindest hierzulande leicht abzunehmen. Zudem: Auch wer den Nerv der Zeit trifft und kräftig expandiert muss sich später bei zunehmender Marktsättigung behaupten.

14. November 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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