Hidden Champions bringen meist mehr fürs Depot

Nischen-Aktien von Hidden Champions bereichern das Depot mit eigener Dynamik. Sie sind oft volatiler, aber unabhängiger von großen Trends. (Foto: hywards / Shutterstock.com)

Wenn die Aktienmärkte nach zehn Jahre langem Aufwärtstrend korrigieren, beweist sich einmal mehr der Vorteil von Diversifikation. Und breit streuen bedeutet auch, verschiedene Strategien zu fahren.

Unterhalb des Dax, finden sich an der Deutschen Börse Nischen-Aktien von mittleren und kleineren Unternehmen, die professionelle Investoren erst gar nicht anfassen, obwohl sie mit einem Top-Geschäftsmodell erfolgreich und kerngesund sind.

Nischen-Aktien mit eigener Dynamik

Nischen-Aktien sind Papiere von Unternehmen, die einen bestimmten Nischensektor bedienen. Sie mögen schon wegen ihres geringeren Börsenwerts volatiler sein und direkter auf Unternehmensnachrichten reagieren. Dafür sind sie unabhängiger von der konjunkturellen und politischen Großwetterlage. Statt des allgemeinen Börsentrends zählen auf lange Sicht die Qualität von Management und Produkten.

Zudem sind die zumeist kleineren Firmen flexibler und können schneller auf neue Anforderungen reagieren als große Konzerne. Spannend sind Hidden Champions, also von der Masse weniger wahrgenommene Unternehmen, die oft aus der Provinz kommen und als Weltmarktführer ihre Marktnische dominieren.

Nicht mehr gar so unbekannt, aber ein gutes Beispiel ist Krones aus Neutraubling bei Rosenheim. Die Aktie ist im Mdax gelistet. Der Weltmarktführer für Getränkeabfüllablagen ist mehrheitlich in Familienbesitz. Produziert wird vorwiegend in Deutschland. Ein weltweites Vertriebsnetz sorgt dafür, dass ca. 80 % der Umsätze von zuletzt 3,39 Mrd. € im Ausland erwirtschaftet werden.

Wer ist Weltmarktführer?

Damit erfüllt das Unternehmen alle Kriterien eines Weltmarktführers. Immerhin gibt es immer wieder Streit, wer denn den Begriff für sich in Anspruch nehmen darf. Einen Anhaltspunkt gibt ein Urteil des Landgerichts Hannover von 2009. Demzufolge reicht es nicht, einfach nur weltgrößter Anbieter zu sein. Mindestens die Hälfte der Umsätze muss aus dem Ausland stammen, und das Unternehmen muss auf wenigstens drei Kontinenten aktiv sein.

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Die Hochschule St. Gallen, führt noch weitere Kriterien auf: Der Jahresumsatz muss bei mindestens 50 Mio. € liegen. Das Unternehmen muss die Nummer eins oder zwei im Marktsegment und zudem familiär geführt sein. Im regelmäßig veröffentlichten Hidden-Champions-Index des renommierten Instituts finden sich dieses Jahr 461 deutsche Weltmarktführer, darunter zahlreiche Aktiengesellschaften.

Beispiele für dominierende Spezialisten

Zu den interessanten Nischen-Aktien gehört zum Beispiel Aixtron. Das Unternehmen aus Herzogenrath ist führender Anbieter von Beschichtungsanlagen für die Halbleiterindustrie. Der Kundenkreis reicht von Philips über Mitsubishi bis zu Samsung. Die Aktie ist im Tecdax gelistet und brachte auf Jahressicht über 213 % Plus.

Covestro im Mdax ist weltweit führender Hersteller von Hightech-Polymerwerkstoffen. Das Unternehmen aus Leverkusen ist seit Ende 2015 an der Börse und brachte Anlegern seither 217 % Plus. Nemetschek aus München ist wie kein zweiter auf Softwarelösungen für Architekten, Ingenieure und die Bauindustrie spezialisiert. Auf Zehnjahressicht erfreute die im Sdax gelistete Aktie mit 1.636 %. Washtec aus Augsburg ist der Anbieter von Autowaschanlagen schlechthin. Die Sdax-Aktie brachte über fünf Jahre rund 518 %.

Begehrte Übernahmeziele

Wie attraktiv Nischen-Aktien sein können, zeigt die jüngste Übernahme von Biotest. Das auf Immunologie und Hämatologie spezialisierte Biotech-Unternehmen aus Dreieich bei Frankfurt wurde dieser Tage mehrheitlich vom chinesischen Investor Creat gekauft. Die Aktie ist im Sdax notiert und legte nach der Übernahme kräftig zu.

Dass Begehrlichkeiten auch negative Folgen haben können, zeigt das Beispiel von Grammer. Beim führenden Hersteller für Offroad-Autositze, Kopfstützen oder Armlehnen aus Amberg hatte sich die umstrittene bosnische Familie Hastor zu 20 % eingekauft, die über ihren eigenen Autozulieferer Prevent mit Daimler und VW im Clinch liegt. In der Folge brechen wichtige Großaufträge weg. Die Sdax-Aktie ist entsprechend auf Talfahrt.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.