Hier bietet der britische EU-Ausstieg eine Chance zum Einstieg

Wenn die Rahmenbedingungen grundlegend verändert und die Karten neu gemischt werden, heißt es für Anleger: in Stellung gehen! Großbritannien verlässt die EU, und kaum ein größeres Unternehmen bleibt davon unberührt. Während sich das Hauptaugenmerk auf die negativen Folgen richtet, lohnt sich ein Blick auf Kandidaten, die beim Brexit als Gewinner infrage kommen.

Brexit Gewinner dank Pfundschwäche

Der erste Brexit-Gewinner war eigentlich der britische Leitindex FTSE100. Nach dem Referendum im Juni 2016 legte er überraschend zu und stieg auf neue Höhen. Wer etwa einen ETF von db X-trackers auf den Index hält, kann sich über ein Jahresplus von fast 25% freuen. Allerdings lässt die Dynamik seit Anfang des Jahres deutlich nach.

Doch ungeachtet aller Bedenken und Unsicherheiten zeigt sich eines: Gewinner im Brexit sind vor allem Unternehmen, die von der neuen Schwäche des Britischen Pfund profitieren. Der Zustand wird noch längere Zeit anhalten.

Modemarken und Hochprozentiges im Aufwind

Der Online-Händler Asos, der Vorbild für Nachahmer wie Zalando ist, konnte seine über 75.000 angebotenen Markenartikel seit dem Referendum außerhalb Großbritanniens billiger anbieten. Der Umsatz stieg auf dem europäischen Kontinent aber auch in den USA um über 50%. Die Aktie ist zwar überbewertet, bietet aber erhebliches Potenzial. Die gestiegenen Einnahmen werden unter anderem in den Ausbau des amerikanischen Marktes investiert, wo die Zuwächse höher sind als anderswo.

Ähnlich profitiert der Spirituosen- und Bierspezialist Diageo, der Alkoholika wie Guinness, Kilkenny, Johnnie Walker oder Smirnoff-Wodka über 150 Marken in 180 Ländern verkauft. Allein in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 sind Umsätze und Gewinne um 4% gestiegen. Das billigere Pfund machte sich gerade in den USA und Europa bemerkbar, die gut 50% aller Umsätze ausmachen.

Britische Pharmahersteller freuen sich

Zu den Brexit-Gewinnern gehören aber auch Schwergewichte der Pharma-Branche. Bei GlaxoSmithKline etwa wachsen Umsatz und Gewinn seit dem Austrittsvotum stärker als angenommen. Dass Anleger über ein Gewinnplus von gut 21% verbuchen können, geht ebenfalls auf günstigere Währungsdifferenzen zurück. Über 95% aller Umsätze fährt der Londoner Konzern im Ausland ein.

Satte Umsatzzuwächse von fast 39% sowie ein Ergebnisplus von 40% verzeichnet Allergy Therapeutics. Das auf Allergieimpfstoffe spezialisierte britische Biotechnologieunternehmen profitiert in erster Linie vom deutschen Markt. Die Münchner Tochter Bencard Allergie GmbH sorgt für gut 60% aller Umsätze. Die Konstellation zeigt, wie auch ein deutsches Unternehmen zum Brexit-Gewinner werden kann. Immerhin fließt ein Großteil der Gewinne in den Ausbau des Deutschlandgeschäfts.

New York zieht Finanzbranche an

Abgesehen davon ist es derzeit reine Spekulation, wer künftig noch vom EU-Austritt profitiert. Ob ein harter Brexit letztlich an den Realitäten scheitert, steht genauso in den Sternen wie die Konstellation der gesamten Handelsbeziehungen. Zurückhaltung ist auch bei der Debatte um Gewinner und Verlierer bei der Verschiebung in der Finanzbranche geboten.

Auch wenn Frankfurt oder vor allem Dublin von Abwanderungen profitieren dürften, der größte Nutznießer wird wohl New York sein. London wurde erst nach der Finanzkrise zur internationalen Finanzhauptstadt. Nicht zuletzt wegen der von Trump beschlossenen Aufhebung der Bankenregulierungen in den USA wird sich der Trend wieder umkehren.

28. April 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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