Hohe Dividendenrenditen können zur Falle werden

Zinspapiere haben einen Vorteil: Über die Laufzeit hinweg sind die Zahlungen festgelegt. Damit lässt sich die künftige Rendite von Anleihen relativ gut einschätzen.

Weil aber das Zinsniveau so niedrig ist, haben längst Dividenden deren Platz eingenommen. Die Ausschüttungen im Dax oder Mdax eilen von einem Rekord zum nächsten. Was liegt da näher als Aktien mit hoher Dividendenrendite auszusuchen.

Dividendenrendite mit Schwankungen

Doch anders als bei Anleihen ist die Vorhersage mit einem ganz großen Fragezeichen versehen. Ganz einfach, weil die Dividendenrendite Schwankungen unterliegt. Wer feste Größen liebt, kann sich nur auf vergangene Werte beziehen. Wobei auch die unterschiedlich ausfallen.

Das liegt abgesehen von der Höhe der Zahlung, die jedes Jahr auf der Hauptversammlung neu beschlossen wird, vor allem am Aktienkurs. Denn der ändert sich fortlaufend. Auch nach einer Ausschüttung variiert die Dividendenrendite mit den Schwankungen des Kurses. Und sei es, weil er wegen des Dividendenabschlags üblicherweise vorübergehend nachgibt.

Errechnet wird die Rendite nämlich, indem man die Dividende durch den Aktienkurs teilt und zur Prozentdarstellung mit 100 multipliziert. Beispiel Daimler: 2016 lag der Wert bei attraktiven 4,6 %. Er ergibt sich aus dem Verhältnis von 3,25 € pro Aktie zum Kurs von 70,14 €. Das ist der Xetra-Kurs am Tag der Ausschüttung. Die Unternehmen sowie die verschiedenen Finanzportale jedoch verwenden teils unterschiedliche Daten: mal den Kurs zur Hautversammlung, mal den Schlusskurs des Jahres.

Ist dies schon uneinheitlich, so lässt sich die Rendite erst recht mit Blick aufs laufende Jahr nur grob schätzen. Bei Kennziffern in Vergleichstabellen etwa, die Tops und Flops listen, wird daher von der erwarteten Dividendenrendite gesprochen: Dividendenrendite e. Auch hier legt der eine den Kurs zum Tag der Veröffentlichung zugrunde, der andere einen rollierenden Kurs. So kommt jeder auf eine etwas andere Zahl.

Nicht blenden lassen

Solide Top-Dividendenzahler wie Allianz, Münchner Rück oder Deutsche Telekom achten darauf, dass ihre Ausschüttungen jährlich steigen. Auch deshalb, weil sie mit den generell steigenden Kursen mithalten müssen. Anderenfalls würde die Dividendenrendite sinken. Umgekehrt steigt natürlich die Rendite, wenn der Kurs sinkt. Deshalb ist der Prozentwert nur bedingt aussagekräftig.

ProSiebenSat1 beispielsweise kam 2015 auf einen Wert von 3,84 %, letztes Jahr auf 5,18 %, und dieses Jahr könnten es 6,9 % werden. Doch die Spitzenposition im Dax und die beachtlichen Steigerungen erklären sich kaum mit den moderat gestiegenen Ausschüttungen. Es ist der Kurs, der seit Ende 2015 um gut ein Drittel gefallen ist.

Weil die Dividendenrendite Schwankungen unterliegt, die weitgehend durch den Kurs bestimmt werden, ist sie eigentlich nur eine rechnerische Größe. Man darf sich nicht von ihr blenden lassen. Im Gegenteil, sie kann ein Warnsignal sein. Steigt sie, weil die Aktie auf Talfahrt ist, könnten negative Geschäftsaussichten der Grund sein. Da die Dividende aus dem Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres resultiert, können rosige Vergangenheit und raue Zukunftsperspektiven auseinander klaffen.

Kontinuierliches Wachstum ist wichtiger

Deshalb sollte man sich stets mit weiteren Fundamentaldaten beschäftigen. Deuten sie auf eine Krise hin, fällt unter Umständen in der nächsten Runde die Dividende aus. So geschehen bei RWE. 2014 betrug die Rendite 3,9 %. Doch dann erwischte es den Energiekonzern, der in der Energiewende nicht mehr wusste, wie er seine horrenden Schulden abbauen soll.

Die Aktie fiel deutlich, in den folgenden zwei Jahren konnte keine Dividende gezahlt werden. Die Wende brachte die Abspaltung von Innogy im letzten Jahr. Es wurden wieder Gewinne gemacht und dieses Jahr eine Dividende von 1,50 € verkündet. Der Kurs hat sich von 11,15 Ende 2016 Richtung 23 € erholt. Die Dividendenrendite kommt auf über 6,5 %. Bei weiter anziehendem Kurs und vermutlich gleich bleibender Ausschüttung wird sich der Wert allerdings verringern.

Wichtig ist ein Blick in die Historie. Ideal ist ein kontinuierliches Dividendenwachstum bei gleichfalls steigenden Gewinnen und wenig Kursschwankungen. Im Rückblick zeigt sich, dass im Schnitt dividendenstarke Aktien weit weniger schwanken als solche ohne Ausschüttungen. Dividendenpolitik ist Teil der Unternehmensstrategie. Die Signalwirkung: gesunde Bilanzen, genügend Eigenkapital, positive Cashflows – und Kontinuität.

20. November 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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