Home24 Aktie – Was kommt nach dem Börsengang?

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Die Home24 Aktie ist erfolgreich an der Börse gestartet. Was können Privatanleger jetzt von dem Papier erwarten? (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Der Online-Möbelhändler Home24 ist vor kurzem erfolgreich an der Börse gestartet. Während die rund 6,5 Mio. Aktien zum Ausgabepreis von 23 Euro bei den Anlegern platziert wurden, lag die Erstnotiz bei 28,50 Euro.

Damit konnte Home24 zunächst rund 150 Mio. Euro aus dem Börsengang erlösen, weitere 22,5 Mio. Euro fließen dem Unternehmen zu, wenn die Mehrzuteilungsoption (1 Mio. Papiere) gezogen wird. Diese Mittel will der Online-Möbelhändler dazu einsetzen, um sein Geschäft weiter auszubauen.

Viele Anleger fragen sich nun natürlich, wie es nun weitergeht. Hat die Home24 Aktie noch Potenzial oder ist das Papier nach dem starken Börsendebüt bereits ausgereizt? Dazu ein näherer Blick auf das Unternehmen.

Home24 Aktie: Das steckt hinter dem Unternehmen

Der Online-Möbelhändler Home24 mit Sitz in Berlin wurde im Jahr 2009 gegründet und war bislang eine Tochter der Start-up-Schmiede Rocket Internet, die ihre Beteiligung nach dem Börsengang von 41,2 % auf 30,1 % zurückschraubt. Im Streubesitz befinden sich nun rund 27 % der Aktien – damit scheint die Home24 Aktie auch ein Kandidat für den SDAX.

Inzwischen beschäftigt Home24 rund 1.000 Mitarbeiter und ist neben Deutschland, auch in Österreich, Frankeich, den Niederlanden, Belgien, Schweiz, Italien und in Brasilien aktiv. Insgesamt bietet Home24 auf seiner Online-Plattform mehr als 100.000 Artikel rund um das Thema Inneneinrichtung (Möbel, Beleuchtung, Matratzen etc.), aber auch Gartengestaltung an.

Da Home24 anders als viele klassische Möbelhäuser keine großen Verkaufsniederlassungen unterhält, kann der Online-Möbelhändler mit günstigen Preisen locken. Ferner liefert Home24 die online bestellten Produkte kostenlos direkt nach Hause oder an eine andere Wunschadresse innerhalb von Deutschland. Sollte das Möbelstück nicht gefallen, übernimmt Home24 auch die Kosten für die Rücksendung.

Das Unternehmen in Zahlen

Im Jahr 2017 konnte Home24 seinen Umsatz um 13 % auf 276 Mio. Euro steigern (2016: 244 Mio. Euro). Der Verlust reduzierte sich dabei auf 22 Mio. Euro, nach einem Minus von 40 Mio. Euro im Jahr vorher. Die Bruttomarge konnte der Online-Möbelhändler dagegen auf 45 % steigern.

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Zum Jahresende 2017 wies Home24 rund 1,1 Mio. Kunden aus, die in den letzten 12 Monaten mindestens eine Bestellung auf dem Online-Portal aufgegeben haben. Im ersten Quartal 2018 wuchs der Umsatz von Home24 um weitere 30 % gegenüber dem Vorjahr auf 84,5 Mio. Euro. Dabei stand noch ein Minus von 5,1 Mio. Euro zu Buche.

Im Geschäft setzt Home24 stark auf Eigenmarken, die eine höhere Gewinnmarge abwerfen. Eigenmarken machen zwar nur ein Viertel des Produktsortiments aus, tragen aber mehr als 50 % zum Umsatz bei.

Fazit: Home24 Aktie mit starkem Start, doch Fragen bleiben

Von Zuhause für das Zuhause einkaufen – ein Traum für viele gestresste Konsumenten. Glaubt man Marktforschern (Pricewaterhouse Coopers) dürfte der Online-Möbelhandel in den nächsten Jahren bis 2020 um durchschnittlich jährlich 14 % wachsen. Der Grund: Immer weniger junge Menschen in den Großstädten besitzen ein Auto und bestellen Waren lieber bequem im Internet.

Doch die Online-Order kann schnell zum Albtraum werden, wenn man nicht pünktlich zu Hause ist, wenn die Waren von DHL, Hermes & Co geliefert werden, die oft als Möbelpacker herhalten müssen.

Zudem sehen viele Konsumenten das Möbelstück nur auf dem Foto. Es gibt wenig Möglichkeiten (außer in ausgesuchten Großstädten) fürs Probesitzen oder für eine nähere Begutachtung, was Qualität und Material angeht. Aus diesem Grunde wartet der Online-Möbelhandel auch heute noch auf den großen Durchbruch.

Home24-Chef Marc Appelhoff stapelt daher tief und will erst das Geschäft in bestehenden Märkten ausbauen, bevor man neue Märkte angeht. Vor allem in Europa ist Home24 längst nicht mehr allein. Konkurrenten wie die Bygghemma Gruppe und Made.com tummeln sich bereits im Markt und kämpfen aggressiv um Marktanteile. Daher bleibt abzuwarten, ob Home24 tatsächlich mittelfristig in die Gewinnzone vorstoßen kann, wenn das Unternehmen weiter investieren (Marketing, Geschäftsausbau etc.) muss.

Kurzum: Unter dem Strich ist die Home24 Aktie nur für risikobereite Anleger geeignet, die einen wachstumsstarken Online-Wert in ihrem Depot haben wollen. Die Risiken sind bei diesem Papier nicht zu unterschätzen, insbesondere wenn klassische Möbelhäuser wie IKEA ihre Online-Präsenzen weiter ausbauen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands