Hybridanleihen: Chance oder Risikospiel?

Hybridanleihen locken mit toller Rendite und verfügen über Laufzeiten bis zu 100 Jahren oder sogar länger. Anleger, die den erhöhten Zinssatz mitnehmen wollen, sollten aber auch die Risiken und Besonderheiten dieser Anleihensorte kennen.

Inhaltsverzeichnis

1. Hybridanleihen: Stärkere Kursschwankungen

2. Höhere Zinsen als Ausgleich für höheres Risiko

3. Emissionsbedingungen offenbaren mögliche Nachteile

4. Warum Hybridanleihen herausgegeben werden

5. Klare Steuervorteile durch Hybridanleihen

6. Checkliste: Worauf Sie bei Hybridanleihen achten sollten

Hybridanleihen sind eine sehr heterogene Wertpapiergattung. Die einzelnen Papiere können sich beträchtlich voneinander unterscheiden. Dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten, die alle Hybridanleihen aufweisen.

Alle Papiere dieser Gattung haben zunächst einmal eine sehr lange Laufzeit. Mehrere Jahrzehnte bis 100 Jahre sind bei dieser Form der Anleihen keine Seltenheit.

Es gibt auch Endlos-Hybridanleihen ganz ohne festen Fälligkeitstag. Hierbei – und auch bei den befristeten Formen – hat aber der Emittent (also das Unternehmen, das diese Anleihen herausgibt) ein vorzeitiges Kündigungsrecht zu bestimmten Stichtagen.

Diese Stichtage stehen von Anfang an schon bei Emission dieser Papiere fest. Ob tatsächlich vorzeitig gekündigt wird, liegt ganz im Ermessen des Emittenten. Oder anders gesagt: Es ist abhängig von der finanziellen Situation des betreffenden Unternehmens.

  • Bei der Mehrzahl der Hybridanleihen hat der Emittent frühestens 5 oder 10 Jahre nach der Emission die erste Möglichkeit, vorzeitig zu kündigen.
  • Üblicherweise werden solche Anleihen tatsächlich vorzeitig gekündigt – und zwar zum erstmöglichen Kündigungstermin. Denn sollte dieser ungenutzt verstreichen, erhöht sich bei vielen Hybridanleihen automatisch der Zins-Kupon.
  • Der Emittent muss dann deutlich höhere Zinsen an die Anleiheninhaber zahlen. Deshalb wird er die Hybridanleihe üblicherweise kündigen und bei weiterem Finanzbedarf lieber eine neue Anleihe mit niedrigerem Zins-Kupon begeben.

Unabhängig davon, ob der Emittent vorzeitig kündigt oder nicht, haben Sie als Investor aber jederzeit die Möglichkeit, Ihre Hybridanleihe an einer Börse zu verkaufen.

Hybridanleihen: Stärkere Kursschwankungen

Bei Anleihen, deren Rückzahlung als sicher gilt, sind zwischenzeitliche Kursverluste üblicherweise nicht das Problem der Anleiheinhaber. Denn sie müssen lediglich bis zum Fälligkeitstag abwarten. Dann wird der Nominalwert der Anleihe (also 100%) zurückgezahlt.

Bei Hybridanleihen ist dieses „Aussitzen“ der Kursschwankungen nicht so ohne Weiteres möglich. Denn Sie kennen im Voraus den Fälligkeitstag nicht mit absoluter Sicherheit. Er hängt davon ab, ob und wann der Emittent die Anleihe vorzeitig kündigt.

Das ist ein Grund, warum die Kurse üblicherweise deutlich stärker schwanken als die Kurse von „normalen“ Unternehmensanleihen: Der Emittent kann zwar vorzeitig kündigen (und tut dies meist auch gleich zum erstmöglichen Stichtag), aber sicher ist die Rückzahlung zum betreffenden Zeitpunkt nicht.

In der Zwischenzeit wirkt sich jede Nachricht über die Zahlungskraft des Emittenten auf den Kurs der Hybridanleihen aus. Was auch verständlich ist, wenn man sich den nächsten Punkt vor Augen hält.

Hybridanleihen sind nachrangig – geringe Ansprüche im Pleitefall

Hybridanleihen sind nachrangige Anleihen. Das bedeutet: Falls der Emittent Insolvenz anmelden muss, stehen Sie als Inhaber solcher Anleihen ganz hinten auf der Liste der Gläubiger. Zuerst werden die Forderungen aller anderen Gläubiger aus der restlichen Vermögensmasse bedient.

Darunter sind beispielsweise auch die der Investoren, die in erstrangige Unternehmensanleihen investiert haben. Nachrangige Gläubiger (und eben auch Inhaber) müssen wissen, dass sie im Fall einer Unternehmenspleite leer ausgehen können.

Höhere Zinsen als Ausgleich für höheres Risiko

Üblicherweise werden am Anleihenmarkt höhere Risiken mit einem Zinsaufschlag belohnt. So ist es auch bei Hybridanleihen: Die Tatsache, dass Sie als Anleihengläubiger im Insolvenzfall hinter die anderen Gläubiger zurücktreten, bringt Ihnen höhere Zinsen – gewissermaßen als Entschädigung für die fehlende Sicherheit.

Konkret werfen Hybridanleihen üblicherweise rund 2 Prozentpunkte mehr ab als erstrangige Anleihen desselben Unternehmens. Der Zins-Kupon kann sich erhöhen, wenn der Emittent die betreffende Hybridanleihe nicht gleich zum erstmöglichen Stichtag kündigt. Aber wie gesagt: Die schnellstmögliche Rückzahlung ist der Regelfall.

Hybridanleihen: Kalkulieren Sie Stückzinsen ein

In Sachen Stückzinsen funktionieren Hybridanleihen genauso wie normale Anleihen: Beim Kauf müssen Sie zusätzlich zum Nominalbetrag Stückzinsen an den vorherigen Inhaber zahlen.Es handelt sich dabei um den Anteil an der nächsten Ausschüttung, der entsprechend seiner Haltedauer auf ihn entfällt.

Wenn Sie also eine Hybridanleihe ein Vierteljahr vor der nächsten Ausschüttung kaufen, bekommt der Vorbesitzer drei Viertel des Ausschüttungsbetrags in Form von Stückzinsen von Ihnen als Käufer. Wenn Sie Ihre Hybridanleihe wieder verkaufen, erhalten Sie im Gegenzug ebenfalls Stückzinsen vom Käufer.

Emissionsbedingungen offenbaren mögliche Nachteile

Bei Hybridanleihen gibt es viele unterschiedliche Modelle. Erst die Emissionsbedingungen offenbaren so manche Besonderheit, die sich im Nachhinein als Nachteil erweisen kann.

  • Bei vielen Hybridanleihen kann der Emittent – siehe oben – die Zinsausschüttungen unter bestimmten Voraussetzungenausfallen lassen oder aufschieben. Etwa wenn das Unternehmen Verluste gemacht hat oder wenn die Aktionäre auf ihre Dividenden verzichten müssen.
  • Bei manchen Hybridanleihen werden die Zinsen nur ausgeschüttet, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, etwa wenn bestimmte Finanzkennzahlen (Jahresüberschuss, EBIT, EBIT-Marge etc.) die Erwartungen erfüllen oder übertreffen.
  • Die Nachzahlung versäumter Zinsausschüttungen ist zwar bei einigen Hybridanleihen vorgesehen – aber längst nicht bei allen.

Allerdings gilt bei allen Einschränkungen: Ein Zins-Ausfall ist für den Emittenten sehr unangenehm. Spätestens bei der Platzierung der nächsten Unternehmensanleihe werden sich die Anleger an den Zahlungsausfall erinnern und kein neues Geld investieren.

Warum Hybridanleihen herausgegeben werden

Warum werden überhaupt Hybridanleihen emittiert und nicht direkt normale Unternehmensanleihen mit einem niedrigeren Zins-Kupon und festen Laufzeiten?

Ganz einfach: Weil Hybridanleihen für das emittierende Unternehmen einige entscheidende Vorteile mit sich bringen.

Nicht in jedem Fall muss ein Unternehmen Zinsausschüttungen zahlen. Je nach Emissionsbedingungen kann sich ein Unternehmen vorbehalten, nur dann Zinsen zu zahlen, wenn ein bestimmter Gewinn oder eine bestimmte Gewinnmarge erreicht wurde. Oder wenn an die Aktionäre Dividenden gezahlt werden.

Wenn es dem betreffenden Unternehmen schlecht geht, kann es die Zinszahlung auf seine Hybridanleihen auch einmal ausfallen lassen – was in den betreffenden Jahren eine enorme Erleichterung bedeutet.

Flexibilität in Sachen Kündigung

Theoretisch läuft eine Hybridanleihe sehr lange bis ewig. Praktisch gibt es aber die Möglichkeit einer vorzeitigen Kündigung ab einem bestimmten Termin oder zu bestimmten, von Anfang an festgelegten Terminen.

Das verschafft dem emittierenden Unternehmen größtmögliche zeitliche Flexibilität. Es entscheidet selbst, wann es das geliehene Geld zurückzahlt.

Ersatz für Eigenkapital

Banken, Investoren, Aufsichtsbehörden und Rating-Agenturen sehen sich die Bilanz sehr genau an. Ein wichtiges Bewertungskriterium für Rating (Einstufung der Zahlungskraft) und Kreditwürdigkeit ist die sogenannte Verschuldungsquote.

Dabei geht es um die Frage, wie viel Prozent des Gesamtkapitals (Eigen- und Fremdkapital) das Fremdkapital (also die Schulden) ausmacht. Eine hohe Verschuldungsquote ist meist ein Alarmzeichen.

Aber: Die Schulden aus Hybridanleihen werden wegen ihrer extrem langen Laufzeit meist als Ersatz für Eigenkapital angesehen. Das auf diese Weise geliehene Geld schlägt also nicht unbedingt negativ zu Buche, zumal die Inhaber der Hybridanleihen im Insolvenzfall bereit sind, darauf zu verzichten (Nachrangigkeit). Aus Sicht des emittierenden Unternehmens ist das ein klarer Pluspunkt.

Hybridanleihen: Keine Neuemission von Aktien

Viele Unternehmen holen sich neues Geld am Kapitalmarkt, indem sie neue Aktien emittieren. Das erfreut die Aktionäre aber meist ganz und gar nicht. Denn ihre Aktien verlieren dann an Wert, ganz einfach, weil sich plötzlich mehr Aktionäre den Unternehmenskuchen teilen.

Dieser sogenannte Verwässerungseffekt bleibt aus, wenn ein Unternehmen stattdessen Hybridanleihen emittiert. Das neue Geld wird eingesammelt, ohne dass die Aktionäre sich – bildlich gesprochen – mit einem kleineren Kuchenstück begnügen müssen.

Klare Steuervorteile durch Hybridanleihen

Auch steuerlich profitiert ein Unternehmen von der Ausgabe von Hybridanleihen: Die geleisteten Zinszahlungen kann es nämlich als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen.

Bei der Ausgabe neuer Aktien wäre ein solcher Vorteil dagegen nicht vorhanden. Dividendenzahlungen kann ein Unternehmen nicht steuermindernd geltend machen.

Checkliste: Worauf Sie bei Hybridanleihen achten sollten

  • Hybridanleihen sollten Sie nur von Emittenten kaufen, deren Zahlungskraft außer Zweifel steht. Denn: Bei einer Insolvenz werden Inhaber von Hybridanleihen nachrangig behandelt und gehen damit in aller Regel leer aus.
  • Schauen Sie bei der Prüfung der Bonität auf das Rating des Emittenten und nicht nur auf das der Hybridanleihen. Denn Hybridanleihen werden oft mit Abschlägen eingestuft, die ihren Grund darin haben, dass für den Anleiheinhaber größere Ausfallrisiken bestehen als bei normalen Anleihen.
  • Orientieren Sie sich nicht an der regulären Laufzeit – denn üblich sind 100 Jahre bis Endlos-Laufzeiten. Schauen Sie stattdessen auf den frühestmöglichen Zeitpunkt einer Kündigung von Seiten des Emittenten. Höchstwahrscheinlich wird er tatsächlich zu diesem Zeitpunkt kündigen.
  • Kaufen Sie nie eine Hybridanleihe, ohne zuvor die Emissionsbedingungen gelesen zu haben. Informieren Sie sich, in welchen Fällen die Zins-Zahlung ausgesetzt werden kann und ob es dann nachträgliche Zahlungen gibt.
  • Auf keinen Fall sollten Sie sich auf Hybridanleihen einlassen, bei denen die Kriterien für die Aussetzung einer Zinszahlung nicht von vornherein klar definiert sind (Finanzkennzahlen, Bilanzverluste, Verzicht auf Dividendenausschüttungen an die Aktionäre). Liegt die Aussetzung nur im Ermessen des Emittenten, haben Sie als Inhaber einer Hybridanleihe womöglich das Nachsehen.
  • Denken Sie beim Kauf daran, dass Sie zusätzlich zum Nominalbetrag Stückzinsen an den vorherigen Inhaber zahlen müssen. Wenn Sie die Hybridanleihe wieder verkaufen, erhalten Sie im Gegenzug ebenfalls Stückzinsen.

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23. Februar 2018

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Felix Reinecke
Von: Felix Reinecke. Über den Autor

Felix Reinecke war in der Vergangenheit als Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen tätig und verstärkt seit 2011 das Team von GeVestor.

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