IBM-Aktie weiter auf Talfahrt: Neue Impulse für den Turnaround

Für IBM-Anleger waren die letzten Jahre kein Zuckerschlecken. Notierte die IBM-Aktie vor 5 Jahren noch bei über 200 US-$, dümpelte die Aktie zuletzt meist unter der Marke von 150 US-$. Selbst Starinvestor Warren Buffett ist nicht mehr vollends überzeugt und hat in diesem Jahr rund ein Drittel seiner IBM-Aktien verkauft.

Hintergrund ist der Umstand, dass der IBM-Umsatz seit 14 Quartalen schrumpft. Auch für 2017 erwarten Analysten nochmals einen leichten Umsatzrückgang.

IBM-Aktie ist auf Talfahrt – und das sind die Gründe

Der Grund für die Misere: Als weltweit führender IT-Servicedienstleister und Hardware-Hersteller macht IBM der Paradigmenwechsel Richtung Cloud Computing zu schaffen. Viele Unternehmen benötigen keine teure Hardware mehr und auch nicht mehr die Masse ein IT-Serviceleistungen, denn diese Services werden einfach in die Cloud ausgelagert.

Die Folge: Weniger IT-Personal und weniger IT-Servicedienstleistungen werden benötigt. IBM hat zwar selbst ein wachsendes Cloud-Geschäft, spielt aber hinter Infrastruktur-Anbietern wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und der Google Cloud Plattform nur eine nachrangige Rolle.

Daneben wird IBM von zahlreichen Start-up-Firmen in vielen Bereichen angegriffen. Sei es Identitätsmanagement, Middleware, Cloud-Sicherheit oder Software, die Geschäftsprozesse verbessern helfen, Start-ups wie SailPoint, Celonis, Xebia Labs, Anaplan, Threat Stack und StreamSets bieten oft bessere Problemlösungen für Kunden zum günstigeren Preis an. Die Folge ist, dass diese kleinen Firmen deutlich schneller wachsen als der IT-Riese IBM.

IBM will mit künstlicher Intelligenz und der Blockchain zurück auf den Wachstumskurs

IBM hat inzwischen reagiert und versucht mit neuen Initiativen wie zum Beispiel mit seinem Supercomputer Watson und Blockchain-Lösungen für Firmenkunden dagegen zu halten. Der Supercomputer Watson versteht alle Datenformate und kann in natürlicher Sprache mit Menschen kommunizieren.

Außerdem lernt der Supercomputer selbständig dazu und wird so immer effektiver. Geht es nach dem Willen von IBM, soll Watson eines Tages das Gesundheitssystem revolutionieren und unter anderem Ärzte Hilfestellung beim Diagnostizieren von Krankheiten leisten.

Auch in der Automobilindustrie kommt IBM Watson zum Einsatz. So setzt General Motors (GM) auf Watson-Technik bei seinem Service OnStar Go, dem ersten kognitiven Mobility-Service, der maschinelles Lernen nutzt, um die Nutzergewohnheiten seiner Kunden besser zu verstehen.

Daneben versucht IBM Banken und Supermärkte bei der Nutzung von Blockchain-Technologien zu helfen. Hier ist der IT-Konzern mit seiner eigenen IBM Blockchain Plattform am Start. Schon im Jahr 2015 hat IBM gemeinsam mit der Linux Foundation und 29 weiteren Partnern das Hyperledger Project gestartet.

Dessen Ziel ist es, eine Umgebung zu entwickeln, wodurch große Firmenkunden Blockchain-Technik im großen Stil einsetzen können. Das Projekt hat bis dato bereits mehr als 100 zahlende Mitglieder. Noch aber sind diese beiden Geschäftsbereiche überschaubar, den Großteil seiner Umsätze erwirtschaftet IBM nach wie vor mit IT-Services und -Beratung.

Fazit: IBM wartet noch weiter auf den Turnaround

IBM-Anleger müssen sich noch gedulden. IBM hat in den letzten Jahren viel getan, um wieder auf den Wachstumskurs zurückzukehren. Bislang ist dies allerdings noch nicht geglückt. Anleger müssen zudem beachten, dass weder Aktienrückkäufe noch eine hohe Dividendenrendite (ca. 4 % bei IBM) vor Kursverlusten schützen und insbesondere für Technologieunternehmen ein zweischneidiges Schwert sind.

Durch die hohen Aktienrückkäufe und Dividendenausschüttungen, die IBM in den letzten Jahren getätigt hat, fehlt dieses Geld am anderen Ende für große Investitionen und Zukäufe, die „Big Blue“ vielleicht in anderen Bereichen in die marktführende Position gebracht hätten.

Doch besonders der Technologiebereich ist von disruptiven Entwicklungen geprägt, Unternehmen die hier nicht mit schnellen technologischen Veränderungen Schritt halten, geraten schnell in die Defensive. Mit seinem Supercomputer Watson und der Blockchain hat IBM zumindest die Chance, wieder an frühere Erfolge vergangener Tage anzuknüpfen.

17. Oktober 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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