IBM kauft Red Hat für 34 Mrd. Dollar – Was bedeutet das für Anleger?

IBM schluckt Red Hat für 34 Mrd. US-Dollar. Wird nun alles besser für Big Blue? (Foto: r.classen / Shutterstock.com)

Paukenschlag in der Softwarebranche. IBM schluckt den führenden Linux-Softwarespezialisten Red Hat für 34 Mrd. US-$. Konkret will Big Blue 190 US-$ in bar für eine ausstehende Red Hat Aktie zahlen. Marktbeobachter sind skeptisch, ob der Deal wirklich den großen Befreiungsschlag für IBM bringt.

Dazu müssen Anleger wissen, dass IBM seit geraumer Zeit mit Wachstumsproblemen kämpft. Allein im jüngsten Quartal schrumpften die Umsätze um 2 %, IBM verfehlte damit die Umsatzerwartungen der Wall Street. Dies hatte zur Folge, dass die IBM-Aktie regelrecht abstürzte. Notierte die IBM-Aktie Anfang Oktober noch bei über 150 US-$, fiel das Papier zuletzt unter die Marke von 125 US-$.

IBM zahlt 34 Mrd. US-$ für Red Hat – doch warum?

Der Kaufpreis von 34 Mrd. US-$ für eine Softwarefirma, die quelloffene Software vertreibt, scheint zunächst sehr hoch. Doch Red Hat ist inzwischen ein großer Player in der Datenwolke (Cloud Computing), insbesondere wenn es um Hybrid Cloud Lösungen geht. Damit sind Lösungen gemeint, die eine Brücke zwischen der Cloud und bestehenden Anwendungen schlagen, die zum Teil noch auf älteren IT-Umgebungen laufen.

Die Idee: Mithilfe der Übernahme von Red Hat will IBM zum Nr. 1 Hybrid Cloud Anbieter avancieren. Hybrid Cloud Lösungen dürften in den nächsten Jahren eher an Bedeutung gewinnen, denn bislang haben Firmen im Schnitt nur 20 % ihrer Arbeitsaufgaben (Workload) in die Cloud verlagert, so IBM-Chefin Ginni Rometty.

Dies war Phase 1. In der 2. Phase wollen Firmen auch die restlichen 80 % der Arbeitslast in die Cloud verlagern. Damit dies gelingt, sind Hybrid Cloud Lösungen und offene Technologien erforderlich. Auch müssen Firmen dann in der Lage sein, mehrere Clouds simultan (Multi-Cloud-Management) zu verwalten – genau dieses Lösungspaket soll die Kombination von Red Hat und IBM liefern.

IBM versucht mit Red Hat Übernahme den Befreiungsschlag

Obwohl IBMs Cloud-Geschäft rund 19 Mrd. US-$ schwer ist, sehen Marktforscher IBM nur als die Nr. 4 im Markt für Cloud-Infrastrukturen hinter Amazon Web Services (AWS), Microsoft und Google.

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Dies soll sich mit der Übernahme von Red Hat ändern. Der Grund: Für viele IT-Unternehmen ist Linux die erste Anlaufstelle, nicht nur auf der Server-Seite, sondern auch in der Cloud. IBM kann damit Firmen an der ersten Anlaufstelle abholen und zum Zielort (Cloud) führen, indem man plattformübergreifende Lösungen für sämtliche IT-Umgebungen (On-Premise, Hybrid Cloud, Multi-Cloud) anbietet. Damit will sich IBM einen 1 Billion schweren Markt erschließen und wieder Fahrt in Sachen Wachstum aufnehmen.

Fazit: Red Hat kann IBM helfen, wenn die Integration gelingt

Red Hat hilft Unternehmen dabei, Cloud-Plattformen in deren eigenen Datenzentrum einzurichten. Hierfür bietet Red Hat verschiedene Softwarewerkzeuge an, die das Unternehmen zuletzt um 20 % wachsen ließen.

Von diesem profitablen Wachstum könnte auch IBM profitieren, wenn es Big Blue gelingt, den Zukauf von Red Hat richtig zu integrieren. Damit Red Hat weiter erfolgreich bleibt, muss der Linux-Softwarenanbieter weiter innovativ, flexibel und damit weitgehend unabhängig bleiben.

Dies hat man offenbar auch bei IBM verstanden, denn Red Hat soll als eigenständige Einheit der IBM Hybrid Cloud Sparte fungieren. Daneben wird auch Red-Hat-Chef Jim Whitehurst und sein Management weiter an Bord bleiben und direkt an IBM-Chefin Ginni Rometty berichten.

Ob die Übernahme von Red Hat wirklich der große Befreiungsschlag für IBM ist, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Zumindest hat IBM nach den jüngsten Quartalszahlen reagiert und ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Dies zeigt: IBM gibt sich in der Cloud noch nicht geschlagen. Gelingt die Integration von Red Hat, dürfte ein neuer großer Player in der Cloud entstehen, der IBM wettbewerbsfähiger macht – davon dürften langfristig auch IBM-Anleger profitieren.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands