IBM überrascht positiv – ist das schon die Trendwende?

IBM RED_shutterstock_157995017_JuliusKielaitis

IBM konnte im Vorjahr erstmals seit 7 Jahren den negativen Umsatztrend stoppen - gelingt die nachhaltige Wende? (Foto: Julius Kielaitis / shutterstock.com)

Der US-Technologiekonzern IBM hat im Schlussquartal 2018 wieder positiv überraschen können. Sowohl Umsatz (21,76 Mrd. US-$) als auch der Gewinn pro Aktie (4,87 Dollar je Anteil) lagen leicht über den Analystenerwartungen.

Zur Freude der Anleger legte die IBM-Aktie zuletzt um mehr als 10 % zu. Viele Investoren fragen sich, ob dies bereits die Trendwende bei IBM ist oder doch nur ein kurzer Strohfeuer?

IBM übertrifft Erwartungen und glänzt mit solidem Ausblick

Tatsächlich fielen die jüngsten IBM-Zahlen nicht so schwach aus wie befürchtet. Dennoch schrumpft IBM nach wie vor. Der Umsatz ging im jüngsten Quartal um 3 % zurück. Das Cloud-Geschäft steuerte auf Jahressicht zwar über 19 Mrd. US-$ zum Gesamtumsatz bei, wuchs aber nur um 12 %. Damit hinkt IBMs Cloud-Geschäft deutlich hinter dem Wachstum der Konkurrenz (Amazon Web Services, Microsoft Azure) hinterher.

Auch der Bereich Cognitive Solutions, in der das Geschäft mit künstlicher Intelligenz (KI) und anderer Software zusammengefasst ist, legte nur um 2 % gegenüber dem Vorjahr zu.

Glänzen konnte IBM dagegen mit seinem Ausblick auf das laufende Jahr 2019. An dieser Stelle erwartet IBM einen Nettogewinn von 13,90 US-$ je Aktie, während Analysten nur ein Plus von 13,79 Dollar je Anteil erwartet hatten. In 2019 will IBM einen operativen Cashflow von 12 Mrd. Dollar erwirtschaften, nach 11,9 Mrd. Dollar im Jahr vorher.

IBM: Red-Hat-Übernahme soll die Trendwende bringen

Die Hoffnungen des IBM-Managements auf mehr Wachstum ruhen auf der bereits angekündigten Übernahme von Red Hat. IBM hatte im Vorjahr angekündigt, den Linux- und Cloud-Spezialisten für 34 Mrd. US-$ kaufen zu wollen. Es wird erwartet, dass der Deal im zweiten Halbjahr 2019 zum Abschluss kommt.

IBM RED_shutterstock_157995017_JuliusKielaitis

IBM: Weltmarke mit Preis-AbschlagDiese Aktie trägt einen großen Namen. Doch was macht IBM eigentlich heute und wie stehen die Chancen für Anleger aktuell? Hier lesen Sie's: › mehr lesen

Big Blue sieht durch die Übernahme gute Möglichkeiten, dass gesamte IBM-Geschäft anzukurbeln. Dabei geht es vor allem um sogenannte Cross-Selling-Möglichkeiten, sprich, zusätzliche IBM-Serviceangebote an Red Hat Kunden zu verkaufen. Konkret hofft IBM dabei, mehr IBM Cloud Services, Analyselösungen und KI-Dienste an Red Hat Kunden vermarkten zu können.

Ob diese Rechnung aufgeht, dürfte sich aber erst Ende des Jahres bzw. in 2020 zeigen, wenn die Integration von Red Hat abgeschlossen ist.

Fazit: IBM stabilisiert sich, doch über den Berg ist Big Blue noch nicht

Einige Analysten wie aus dem Hause Nomura Instinet glauben, dass IBM im Jahr 2019 zu einem organischen Wachstum zurückkehren wird.

Dennoch sollten sich Anleger nicht zu früh freuen. IBM versucht bereits seit geraumer Zeit, sein Geschäft von seinem schleppenden IT-Servicegeschäft und der schrumpfenden Hardware-Sparte auf schneller wachsende Bereiche (Cloud Computing, Mobile-Lösungen, Blockchain und Datenanalyse) zu verlagern – der große Durchbruch blieb bislang aus.

Zwar hat es IBM geschafft, den seit 2011 anhaltenden Umsatzrückgang auf Jahressicht zu stoppen, allerdings sieht sich Big Blue in sämtlichen Zukunftstechnologien einem harten Wettbewerb gegenüber. Daher bleibt abzuwarten, ob IBM in 2019 die Trendwende gelingt. Ohne Wachstum dürfte es schwierig werden, die Dividende weiter zu erhöhen.

Ob IBM die Trendwende schafft hängt auch vom Erfolg der Integration von Red Hat ab, womit IBM sehr stark auf die Hybrid Cloud setzt. Doch im Cloud-Bereich fährt auch Konkurrent Microsoft eine sehr erfolgreiche Strategie, was die Wachstumszahlen zeigen. Zwar zahlt Microsoft eine geringere Dividende als IBM, dennoch scheint die Microsoft-Aktie derzeit wohl die bessere Alternative für Anleger sein.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands