IGel: Nicht immer müssen Sie als Patient selbst zahlen

Wer zum Arzt geht, bekommt oft IGel (individuelle Gesundheitsleistungen) angeboten und muss sie aus eigener Tasche zahlen. Aber nicht immer. (Foto: Have a nice day / shutterstock.com)

Dass Kassenpatienten beim Arzt Geld hinblättern müssen, kommt heute leider häufig vor. Vielleicht ist es auch Ihnen schon so ergangen: Eigentlich sind Sie nur wegen Kopfschmerzen zum Onkel Doktor gegangen. Der aber schlägt Ihnen zur Behandlung eine Akupunktur vor – und hält auch gleich die Hand dafür auf…

Aber sind Sie als Patient wirklich verpflichtet, solche „individuellen Gesundheitsleistungen“, kurz: IGel, aus eigener Tasche zu bezahlen? Schließlich sind sie mit 30 bis 250 € nicht gerade günstig. Da gibt es durchaus Grenzen, sagt dazu die unabhängige Patientenberatung.

IGel: Arzt muss vorher über Kostenpflicht informieren

Individuelle Gesundheitsleistungen sind Diagnose-, Vorbeugungs- oder Behandlungsmaßnahmen, für die die Krankenkasse nicht aufkommt. Als Patient müssen Sie sie selbst zahlen. Aber hierfür gibt es klare Spielregeln: Die 1. und wichtigste lautet: Der Arzt muss Sie über die Kostenpflicht informieren – und zwar vorher.

Er darf also eine IGel-Maßnahme nicht einfach durchführen und sie dann in Rechnung stellen. Tut er das, brauchen Sie als Patient die IGeL-Maßnahme nicht zu bezahlen. Der Arzt (oder auch Zahnarzt) muss Ihnen als Patient zudem ein Dokument vorlegen, aus dem folgende Informationen hervorgehen:

  • Vereinbarte Leistung, mit Kennziffer der Gebührenordnung für Ärzte und angewandtem Hebesatz
  • Voraussichtliche Honorarhöhe
  • Information, dass die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt.

Erst, wenn Sie schriftlich bestätigen, dass die Behandlung auf Ihren eigenen Wunsch erfolgt, darf der Arzt Ihnen eine Privatrechnung über die IGeL-Maßnahme ausstellen.

Zuzahlungsbefreiung bei der Krankenkasse: Was zu beachten istWie die Zuzahlungsbefreiung der Krankenkassen errechnet wird und wer Anspruch auf eine Befreiung hat… erfahren Sie von uns. › mehr lesen

Nicht alle empfohlenen IGeL-Maßnahmen sind sinnvoll

Seit die Krankenkassen die niedergelassenen Ärzte und Gesundheitszentren vergleichsweise kurz halten, versuchen diese, sich durch ergänzende Maßnahmen neue Einnahmen zu verschaffen – und zwar von Privatzahlern.

Deshalb gibt es auf dem Markt der individuellen Gesundheitsleistungen einen wahren Wildwuchs. Doch ist nicht jede Maßnahme sinnvoll. Das gilt sowohl für Diagnose- als auch für Prophylaxe- oder Behandlungsmaßnahmen.

Fazit: Vorabinformation ist das A und O

Spontan sollten Sie daher bei Ihrem Arzt nie zusagen, wenn er Ihnen eine IGeL-Leistung empfiehlt. Prüfen Sie lieber erst deren Wirksamkeit, bevor Sie sich darauf einlassen! Es gibt unzählige wissenschaftliche Studien über die Sinnhaftigkeit einzelner IGeL-Leistungen.

Einen guten Überblick darüber gibt eine Internet-Seite des medizinischen Dienstes der Krankenkassen: www.igel-monitor.de

Dort können Sie die meisten IGeL-Leistungen von A bis Z aufrufen. Die erfahren, als wie nützlich („positiv“) oder unnütz („negativ“) der Medizinische Dienst die jeweilige Leistung einstuft. Das Einsparpotenzial ist enorm. Denn beispielsweise 250 € für eine Leistung auszugeben, die Ihnen keinen Nutzen bringt – das muss nun wirklich nicht sein!


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst (MBA) ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin und schreibt vorwiegend Ratgebertexte. Sie hat mehrere Bücher zu den Themen Börse, Geldanlage, Immobilien, Recht & Steuern sowie Kommunikation verfasst. Daneben arbeitet sie als Dozentin an der Business School Alb-Schwarzwald, die zur Steinbeis Hochschule Berlin gehört.